Geheimnisse der Eckentaler Wanderwege
Die Brücke

Die Brücke wurde damals im Zusammenhang mit dem Ausbau der Bahnstrecke gebaut. Dieses Relikt der „Seekuh“ kann man heute noch sehen.
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  • Foto: Peter Bajus
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Wer mit offenen Augen die Eckentaler Wanderwege erwandert, wird herrliche Aussichten finden, aber auch viele „unscheinbare Dinge“, an denen man eher achtlos vorbeiläuft. In einer losen Serie stellt Peter Bajus einige dieser Orte vor und erzählt von deren Geheimnissen.

Die „Seekuh“ wird gebaut

Am 25. Januar 1883 forderte der tatkräftige Erlanger Bürgermeister Dr. Schuh eine Bahnlinie von Erlangen nach Eschenau und weiter bis nach Gräfenberg. Er sagte damals: „Es ist eine Sekundärbahn nötig, von Gräfenberg nach Erlangen, um die lokalen Bedürfnisse der Menschen des Schwabachgrundes und die wirtschaftliche Anbindung dieser Region nach Erlangen sicher zu stellen.“Weiter sagte er: „Die Bahn erfüllt ihren Zweck vollständig, wenn sie den Verhältnissen angemessen, billig und einfach hergestellt werden kann, unter möglicher Benützung der vorhandenen Distriktstraße und der Straßen mitten durch die Ortschaften“.

Mit der Verabschiedung des Gesetzes „Die Herstellung von Bahnen lokaler Bedeutung“ durch den Bayerischen Landtag, am 21. April 1884, stand dem Bau der Bahn von Erlangen bis nach Gräfenberg nichts mehr im Wege.

Nachdem der ingenieurmäßige Bauplan ausgearbeitet war und die Finanzierung der Bahnstrecke mit Kosten von ca. 1,3 Millionen Mark vorlag, wurde im Oktober 1885 mit den Bauarbeiten begonnen. Die Eröffnung war im Herbst 1886 vorgesehen.

Ein gemauerter Durchlass muss geschaffen werden

Im Juli 1886 war die Fertigstellung des Bahndammes für die Seekuh nahezu vollendet. Im Bauabschnitt Steinbach – Eschenau, zwischen den Brücken über die Schwabach bei Steinbach und der Haltestelle Brand, war der Bahndamm noch nicht endgültig fertiggestellt. In diesem Abschnitt, etwa 600 Meter vor Brand, musste noch eine Erdbrücke für einen kleinen Bachlauf errichtet werden. Dieser kleine Durchlass war notwendig, damit eventuell anfallendes Wasser eines kleinen Bächleins, das aus dem Wald kam, sich nicht waldseitig an der Dammseite anstauen und dadurch eventuell den Schienenweg unterspülen konnte. Der kleine Bach unterquerte die Bahntrasse, um auf der anderen Seite in einen Weiher zu fließen.

Am Mittwoch den 9. Juli 1886 begannen die Bauarbeiten für die kleine Erdbrücke. Die Bauarbeiter brachten links und rechts des Wasserlaufs, mit ca. einem Meter Abstand, Fundamentsteine tief ins Erdreich ein, zwischen denen der kleine Bach unter dem Gleiskörper durchfließen konnte.

Auf diese Fundamentsteine legten sie längs des Bahndammes entsprechend starke Bodenplatten aus, zur Abdeckung der Bachlaufes.

Links und rechts der Bahntrasse wurde jeweils eine Mauer mit einer Länge von 3,50 Meter, einer Stärke von 30 cm und einer Höhe von 75 cm errichtet. Der Abstand zwischen den beiden Mauern beträgt 3,10 Meter.

Zwischen diesen beiden Mauern wurde nun das Fundament aus kleinen bis mittelgroßen Steinbrocken für die Bahntrasse gelegt und die Zwischenräume mit mittelgrobem Kies verfüllt, etwa 40 cm hoch, bis zur Dammhöhe.

Auf dieses Fundament kam eine Schicht Schotter zur Aufnahme der Schwellen sowie den darauf befestigten Schienen. Den früheren Bahndamm kann man links und rechts der Brücke heute noch gut erkennen.

Für den Bau des Bauwerkes verwendete man Sandsteine, sowohl für die beiden Mauern als auch das Fundament. Nach zwei Tagen war dieses kleine Bauwerk vollendet.

Am 8. November 1886, fuhr der erste Probezug auf der neu erbauten Strecke und am 17. November fand die feierliche Eröffnung der Bahnlinie statt.

Die „Seekuh“ wird eingestellt

Der Bahnverkehr zwischen Eschenau und Neunkirchen am Brand wurde am 19. Juni 1961 eingestellt. Eineinhalb Jahre später, am 1. Januar 1964 stellte die Bundesbahndirektion Nürnberg, den noch bis dahin aufrecht erhaltenen Gesamtverkehr zwischen Erlangen und Neunkirchen am Brand ein. Der Gleiskörper wurde anschließend vollständig abgebaut.Dieser kleine gemauerte Durchlass für die „Seekuh“-Bahntrasse hat den Abbau der Bahnstrecke und den Zahn der Zeit überlebt, nur das kleine Bächlein ist inzwischen versiegt.

Wegebeschreibung

Wer dieses Relikt der „Seekuh“ sehen möchte, kann dieses mit dem Eckentaler Rundwanderweg Nr. 2 erreichen. Man geht von der Bushaltestelle “Angersiedlung“, an der Brander Hauptstraße, ortswärts in westlicher Richtung in die „Jasminstraße“, an der „Wäscherei Waiz“ vorbei und folgt den Markierungszeichen des Eckentaler Rundwanderweges Nr. 2. Bei der Einmündung der „Anemonenstraße“ in die „Jasminstraße“, nach rechts durch die „Anemonenstraße“ laufen. An ihrem Ende rechts und mit dem sandigen Flurweg auf den Wald zugehen, am linken Waldrand entlang.Wir befinden uns hier bereits auf der früheren Trasse der „Seekuh“ – Bahnlinie Eschenau - Erlangen.
Wir folgen nun immer geradeaus den Zeichen des Rundwanderweges 2 (nicht dem später nach rechts laufenden befestigten Flurweg folgen). Nach etwa 400 Meter kreuzt ein kleiner Weg unseren Wanderpfad. Nur wenige Meter nach diesem Querweg, zwischen Wanderweg und dem rechts liegenden Flurweg, sehen wir die beiden Mauern der Bodenbrücke zwischen Bäumen.
Möchte jemand den ganzen Eckentaler Rundwanderweg Nr. 2 wandern, findet er den Verlauf in der Wanderkarte des Marktes Eckental, die man an der Rathauspforte kostenlos erhält.

Quellen: „Die Seekuh“, Günter Klebes, Friedemann Kliesch-BrandesWikipedia: „Bahnstrecke Erlangen – Eschenau „

Autor:

wochenblatt - Redaktion aus Eckental

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