BBV Pressegespräch in Oberschöllenbach
Hoffen auf eine Durchschnitts-Ernte

Gerd Fensel illustriert die ertragsmindernde „Zwiefrucht” der Wintergerste.
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  • Gerd Fensel illustriert die ertragsmindernde „Zwiefrucht” der Wintergerste.
  • Foto: Georg Heck
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Fehlender Niederschlag und Frostschäden im Mai während der „Eisheiligen“ sorgen für durchwachsene Ernteerwartungen des Bayerischen Bauernverbands Erlangen-Höchstadt. Beunruhigt sind die Landwirte über schwierige Rahmenbedingungen wie die neue Düngeverordnung, nicht auskömmliche Preise und mangelnde Akzeptanz bei manchen Verbrauchern.

Kreisobmann Robert Ort aus Dannberg vom BBV-Kreisverband ERH hatte am 27. Juli trotz hoher Arbeitsbelastung „mitten in der Ernte“ zu einem „Ernte-Pressegespräch“ am Betrieb von Familie Fensel in Oberschöllenbach geladen. Neben Berufskollegen waren auch die stellvertretende Landrätin Gabi Klaußner, Wirtschaftsförderer Thomas Wächtler vom Landratsamt, Horst Krehn vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF), der mittelfränkische BBV-Bezirkspräsident Günther Felßner, BBV-Kreisgeschäftsführer Jochen Loy und Fachberater Gerhard Lang gekommen.

Günter und Gerd Fensel stellten ihren landwirtschaftlichen Bio-Vollerwerbsbetrieb vor. Die Umstellung auf „Bio“ vor über zehn Jahren haben sie keine Minute bereut, so Günter Fensel. Die drei Familien – Betriebsleiter Gerd (Landwirtschaftsmeister) mit Ehefrau Krista, Günter (Landwirtschaftsmeister) mit Ehefrau Gabi (gelernte Dorfhelferin) und Stefan (Techniker für Landbau) mit Ehefrau Miry – bewirtschaften 210 Hektar Acker- und Grünland), die gesamte Betriebsfläche mit Wald, Hof und Gebäuden umfasst 215 Hektar. Die Fruchtfolge auf dem Anbauplan beinhaltet Winter- und Sommergerste, Winterweizen, Triticale, Silomais, Kleegras, Lupinen, Sojabohnen und Ackerbohnen. Die Viehhaltung auf dem Bauernhof umfasst 200 Milchkühe plus Nachzucht.

Besser informieren für mehr Verständnis

Gabi Klaußner freute sich über die geballte Kompetenz und bezeichnete die Landwirte als „lebensnotwendig wichtig für die Erhaltung des Landschaftsbildes“. Sie ermunterte die Bevölkerung, sich eingehend über die Absichten der Landwirtschaft zu informieren, durch Annäherung könne auch Anerkennung entstehen. Günther Felßner mahnte gegenseitigen Respekt an, „der gute Draht ist wichtig für das Verständnis, um was es geht“.

Die Vegetation braucht jetzt noch Wasser

Die Erntebilanz für BBV-Kreisverband ERH fällt sehr unterschiedlich aus, die Landwirte zeigen sich aber damit „im Großen und Ganzen zufrieden“. Voraussetzung für den vorsichtigen Optimismus ist aber, dass die Wetterlage nicht längere Zeit auf heiß und trocken umschlägt. Trockenheit bis Anfang Juni wirkte sich zunächst nachteilig auf den Vegetationsverlauf aus. Von ordentlichem Regen Ende Juni konnte dann vor allem der Weizen profitieren, der jetzt in der Kornfüllungsphase nochmals gute Niederschlagsmengen benötigt, um die verbesserten Ertragsaussichten zu halten.
Für die Wintergerste kam der Regen teilweise zu spät, um Trockenheitsschäden zu kompensieren. Zudem sind durch den Frost Anfang Mai die Ähren nicht vollständig mit Körnern belegt. Der Juniregen förderte dann einen „Zwiewuchs“ mit nachgewachsenen unreifen Seitentrieben, durch diesen Qualitätsmangel sinkt der Ertrag bis hin zum Totalausfall.
Für den Roggen kam der Regen rechtzeitig, um die Ährenausbildung zu verbessern, auch wenn die Trockenheit im Mai zu einer teils geringen Bestandsdichte geführt hatte.
Die Mais-Bestände haben sich erholt und zeigen mit dem warmen Wetter einen kräftigen Wachstumsschub. „Der Maiskolben braucht jetzt Wasser“ so Robert Ort. Der Rapsertrag ist zufriedenstellend.
Dem Milchhof-Seniorchef Günter Fensel bereitet aber die für die Grundfutterversorgung tierhaltender Betriebe lebensnotwendige Grünfutterernte großes Kopfzerbrechen, sie fällt aufgrund der Witterung nicht ausgiebig genug aus.

Im Hinblick auf die zu erlösenden Preise sind die Landwirte unzufrieden mit unfairen Markt- und Wettbewerbsbedingungen und fordern eine Abkehr von der „Discountfähigkeit“. Qualität hat ihren Preis, und viele Verbraucher sind auch gewillt, angemessene Preise zu zahlen, sagt Günter Fensel – er ist aber enttäuscht von einer „Scheinheiligkeit“ der Politik gegenüber den Landwirten. Immerhin ist der Biomilchpreis dank der Molkereibindung stabil. Die Braugerste wird im Preis fallen, die Auswirkungen auf die Hopfenpreise zeigen sich erst längerfristig. Dem Wald droht durch Klimawandel und Borkenkäferbefall eine ungewisse Zukunft.

Aufgeschlossen für einen sinnvollen Wandel

Behördenleiter Horst Krehn fordert wegen der negativen Niederschlagsbilanz eine Abkehr von der Düngeverordnung, deren Anwendung teilweise dem gesunden Menschenverstand widerspreche: Man müsse die Böden aufnahmefähig machen, dabei könne die Rindergülle als flüssige organische Substanz einen wertvollen Beitrag leisten.

Die Landwirtschaft ist im Wandel und nimmt die Modernisierung gerne aufgeschlossen an, ergänzte Johannes Rohlederer, Vollerwerbslandwirt in Kleingeschaidt. Aktuell gelten die Sorgen und Nöte der Bauern vor allem dem Wasser, wie in scherzheften Neidbekundungen deutlich wurde: „Du hast doch mehr Regen gehabt wie ich.“Georg Heck

Autor:

wochenblatt - Redaktion aus Eckental

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