Distanzunterricht und Homeschooling
So funktioniert Schule in Zeiten von Corona

Egal ob in der Notbetreuung oder zuhause: Die Schüler müssen sich derzeit Tablets bewaffnen, um am Unterricht teilzunehmen.
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Am 10. Januar endeten die Weihnachtsferien in Bayern, doch in die Schule zurückkehren durften die Schüler bislang nicht. Mit der Verlängerung des Lockdowns wurde auch beschlossen, dass Präsenzunterricht in naher Zukunft nicht stattfinden wird. Die Schulen mussten in den Distanzunterricht bzw. ins Homeschooling wechseln.

In den Grundschulen in Eckental orientiert man sich am sog. Rahmenkonzept für Distanzunterricht, den das Kultusministerium an die Schulen herausgegeben hat. Es wird mit Arbeitsplänen gearbeitet, die den Eltern digital übermittelt werden. „Das jeweils benötigte Arbeitsmaterial wird, wenn es sich z. B. um Arbeitsblätter und Hefte handelt, von den Lehrkräften für alle Schüler vorbereitet und einmal wöchentlich in der Schule ausgegeben“, erklärt Gerhard Wagner, Schulleiter der Grundschule Forth. Über Cloud-Plattformen stellen die Lehrer außerdem ihren Schülern noch Erklär-Videos, Audio-Aufnahmen und vieles mehr zur Verfügung. „Auch Online-Unterricht über Videokonferenzen findet statt, wenn die Server nicht überlastet sind“ ergänzt Christine Becker, Rektorin der Grundschule in Eckenhaid. Die Kontaktpflege erfolgt durch Video-Chats, Telefon, E-Mail oder durch ein persönliches Gespräch bei der Materialausgabe bzw. Hausaufgabenabgabe oder durch ein festgelegtes „Fenstergespräch“.

Da nicht alle Familien über die finanziellen Mittel verfügen, sich Computer oder Tablets anschaffen zu können, hat der Markt Eckental jüngst Leihgeräte angeschafft, die sich Familien ausborgen können, die zuhause nicht die nötige EDV für Homeschooling und Distanzunterricht besitzen. „Die Ausstattung ist überall vorhanden“, so die Eckentaler Hauptamtsleiterin Birgit Lobenhofer.

Herausforderung vor allem für Grundschüler

Dass Distanzunterricht vor allem in der Grundschule eine Herausforderung darstellt, überrascht nicht. „Kinder im Grundschulalter verfügen noch nicht über die Kompetenzen, die für selbstständiges und selbstorganisiertes Lernen nötig sind“, so Wagner. Außerdem lernen Kinder im Grundschulalter in besonderem Maße in Beziehung und in Interaktion mit der Lehrkraft und den Mitschülern - all das bleibt aktuell auf der Strecke.

Ähnlich wie in Eckental handhabt es auch die Grundschule in Heroldsberg. Auch hier werden die Pläne digital übermittelt und Arbeitsmaterialien werden einmal wöchentlich zum Abholen bereit gestellt. Eine Möglichkeit für Videokonferenzen gibt es in Heroldsberg bislang noch nicht, ist aber im Aufbau. „Wir haben die Kinder im Dezember 2020 im Unterricht auf selbstständiges Lernen und auf das Arbeiten mit Mebis vorbereitet“, erklärt Gabriele Meier, Rektorin in Heroldsberg. Für Kinder, die schwer erreichbar sind, bietet die Grundschule in Heroldsberg Brückenangebote an. Die Klassenleitungen unterstützen hier die Schüler dann vor Ort.

Gemeinden investieren in technische Ausstattung der Schulen

Auch der Markt Heroldsberg als Schulaufwandsträger sieht sich durch die Corona-Pandemie und die neuen Formen des Unterrichtens vor große Herausforderungen gestellt. „Obwohl die Grundschule Heroldsberg technisch bereits auf hohem Niveau ausgestattet ist, wird es immer schwieriger, die sich ständig ändernden staatlichen Vorgaben neu zu erfüllen“, so Hauptamtsleiter Jürgen Wachter von der Gemeinde Heroldsberg. Leihgeräte für bedürftige Familien stehen auch in Heroldsberg zur Verfügung. Außerdem sollen in Kürze noch die Lehrkräfte mit Laptops ausgestattet werden.

In der Grundschule in Kalchreuth wird mit Microsoft Teams gearbeitet. Materialien werden hier eingestellt und Materialpakete geschnürt. Außerdem gibt es für die Kommunikation noch Klassenchats. Die Lehrer sind zur regulären Unterrichtszeit für die Schüler erreichbar, um Fragen zu beantworten. „Wir sind in der glücklichen Lage, von der Gemeinde Kalchreuth im vergangenen Jahr digital auf den neusten Stand gebracht worden zu sein“, sagt Brigitte Loos, Rektorin der Grundschule Kalchreuth. Für Kinder, die zuhause keinen Computer haben, wurden 20 Tablets von der Gemeinde angeschafft, die sich die Kinder leihen können. „Aus Sicht der Gemeinde läuft es in unserer Schule sehr gut. Die Gemeinde hat für die erforderliche Infrastruktur gesorgt“, so Bürgermeister Herbert Saft. Auch in Igensdorf wurde seitens der Gemeinde in die Digitalisierung der Grundschule investiert. WLAN wurde eingerichtet und zahlreiche elektronischen Geräte, darunter auch Leihgeräte, wurden angeschafft. Außerdem wurde das Projekt Glasfaseranschluss wieder aufgegriffen.

„Selbstverständlich sind dies für alle Beteiligten große organisatorische Herausforderungen, aber bis jetzt funktioniert das Homeschooling sehr gut“, freut sich Christine Mages, Rektorin der Grundschule Igensdorf. Auch hier werden Arbeitsmaterialien zur Abholung bereitgestellt und Web-Konferenzen zur Kontaktpflege angeboten. Jedes Kind hat außerdem einen Wochenplan, an dem es sich orientiert. Hier sind die Aufgaben für jeden Tag aufgelistet.

Portale und Plattformen oft überlastet

In den weiterführenden Schulen machen vor allem technische Hürden den Distanzunterricht zu einer Herausforderung für Lehrer und Schüler. Das Gymnasium Eckental musste beispielsweise in der vergangenen Woche kurzfristig umplanen. „Wir hatten auf eine Plattform für alles gesetzt, also sowohl Kommunikation/Information als auch Durchführung von synchronen Unterrichtseinheiten. Leider haben die technischen Probleme zu sehr viel Frustration bei allen Beteiligten geführt.“ erzählt Schulleiter Burkard Eichelsbacher.

Ähnlich wie in den Grundschulen wird auch in den weiterführenden Schulen auf einen Wochenplan gesetzt. Arbeitsmaterialien werden digital zur Verfügung gestellt, Videokonferenzen finden regelmäßig statt. „In einer Vielzahl verschiedenster Fortbildungen haben sich die Lehrkräfte auf diesen digitalen Distanzunterricht vorbereitet“, sagt Gerhard Mayer, Rektor der Mittelschule in Eschenau.

An der Realschule in Gräfenberg wird mit dem „Schulmanager“ gearbeitet. Über diese Software wird in Gräfenberg der komplette Schulalltag geregelt. Die Eltern können über die zugehörige App z. B. ihre Kinder krank melden oder Sprechstunden-Termine mit den Lehrern ausmachen. Die Schüler benutzen den Schulmanager für den Distanzunterricht.

„Die Eltern der Schüler erhalten immer samstags den Wochenplan über den Schulmanager zugeschickt“, erklärt Mike Wassilonga, Konrektor der Realschule in Gräfenberg. In diesem Plan stehen neben den Unterrichtsfächern (nach dem normalen Stundeplan) auch die Themen, die in den einzelnen Stunden behandelt werden. Außerdem beinhaltet der Plan noch Informationen, was für die Stunde benötigt wird, z. B. das Ausdrucken von Blättern oder ein Computer für die Bearbeitung. In Videokonferenzen können die Schüler in allen Fächern Fragen zum Unterrichtsstoff stellen und behandeln auch neue Themengebiete. Die Schüler erarbeiten neue Themen teilweise auch selbst, erstellen Hefteinträge und machen Übungen.

Zu Beginn der Woche gab es „die üblichen technischen Probleme“, so Mike Wassilonga. „Am Anfang war das Programm überlastet, das Problem wurde aber schnell behoben“, erklärt er im Gespräch.

Wenig Kinder in den Notbetreuungen

Neben dem Distanzunterricht muss auch eine Notbetreuung angeboten werden, die Schüler in Anspruch nehmen können, wenn Sie zuhause nicht von ihren Eltern betreut werden können. In den angebotenen Notbetreuungen der Grundschulen im wochenblatt-Land variieren die Zahlen von Tag zu Tag. Im Schnitt werden etwa 10 bis 15 Prozent der Schüler betreut. „Es wird damit gerechnet, dass der Bedarf mit Fortdauer der Maßnahmen ansteigt. Die Familien befinden sich in einem Konflikt zwischen der Zielsetzung des Lockdowns und den beruflichen Erfordernissen.“, so Michael Pfundt von der Gemeinde in Igensdorf.

In den weiterführenden Schulen muss für die Kinder der 5. und 6. Klasse eine Notbetreuung angeboten werden. In der Realschule in Gräfenberg nehmen gerade mal 4 von 190 Schülern das Angebot in Anspruch, auch in der Mittelschule in Eckental ist mit zwei Kindern der Bedarf relativ gering. An der Mittelschule in Gräfenberg befinden sich zwischen 5 und 10 Schülern in der Notbetreuung. Am Gymnasium Eckental variieren die Zahlen von Tag zu Tag.

Autor:

Jennifer Müller aus Eckental

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