2. Abend des Kulturherbstes von seitenweise e.V.
Gaby Hauptmann im Casino Lichtspiele

Foto: Verena Geithner
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Ein Abend voller Humor, Charme und literarischer Überraschungen!

Zur zweiten Veranstaltung des Kulturherbstes von Seitenweise – Literarisches und mehr e. V. war das Casino Lichtspiele bis auf den letzten Platz gefüllt. Eine wundervolle Location für einen ebenso unterhaltsamen wie kurzweiligen Abend mit Bestsellerautorin Gaby Hauptmann.

Nach der Begrüßung durch Barbara Meier führte Moderatorin Ute Seidel mit viel Charme, Witz und einem tollen Gespür für ihr Gegenüber durch den Abend. Im Mittelpunkt stand Gaby Hauptmanns neuer Roman „Es ist nie zu spät”, in dem sie mit viel Humor und Augenzwinkern davon erzählt, welche Überraschungen das Leben bereithält, wenn der Berufsalltag plötzlich wegfällt und ein neuer Lebensabschnitt beginnt.

In den Lesepassagen wurde schnell deutlich, wie treffend und unterhaltsam Gaby Hauptmann ihre Figuren zum Leben erweckt. Besonders die humorvolle Mutter-Sohn-Beziehung sorgte für Schmunzeln, während eine fesselnde Passage zeigte, dass die Autorin Spannung meisterhaft aufbauen kann. Für ihren akteuellen Roman hat sie das Survival-Training im Schwarzwald übrigens selbst ausprobiert! 

Zwischen den Lesungen plauderte Bestsellerautorin aus dem Nähkästchen und erzählte unter anderem von ihren unterhaltsamen Begegnungen mit Gerhard Schröder in der Talkshow „3 nach 9“ und einem späteren Interview mit ihm rund um ihr Buch „Scheidung nie – nur Mord”.
Nach rund 90 Minuten Lesung setzte sie mit der Kurzgeschichte „Leidenschaft in Rot” noch einen drauf: eine herrlich witzige Geschichte über ganz spezielle Schuhe, die mit viel Sprachgefühl und komödiantischem Talent vorgetragen wurde. 

Was diese Lesung besonders machte, war das lockere, humorvolle Zusammenspiel zwischen Gaby Hauptmann und Ute Seidel. Zwei Frauen, die sich wunderbar ergänzten und das Publikum mit ihrer fröhlichen Art bestens unterhielten.

Ein herzliches Dankeschön an Gaby Hauptmann für diesen wunderbaren Abend, an Ute Seidel für die charmante Moderation, an Barbara Meier für die Begrüßung, an Antje Bezold für die tolle Location, an unsere beiden Buchhänderlinnen für den schönen Büchertisch und natürlich an alle Beteiligten und Gäste, die diese zweite Veranstaltung unseres Kulturherbstes zu einem solchen Erfolg gemacht haben.
Ein volles Haus, beste Stimmung und jede Menge Grund zum Lachen – schöner kann ein Kulturabend kaum sein!

Neugierig auf die Frau hinter den Büchern?
Im Interview gibt Gaby Hauptmann persönliche Einblicke in ihr Leben und ihre Arbeit:

„Die Bücher laufen mir hinterher”
Bestsellerautorin Gaby Hauptmann über ihre
Geschichten, den Umgang miteinander und die
Gelassenheit, die das Leben mit sich bringt.

Schon früh gehörte das Geschichtenerzählen zu Gaby Hauptmanns Leben. 1994 erschien ihr Debüt, das Jugendbuch „Alexa, die Amazone”. Ein Jahr später gelang ihr mit „Suche impotenten Mann fürs Leben” der internationale Durchbruch.

Mehr als zehn Millionen Mal wurden ihre Bücher verkauft. Ihre Heimat ist der Bodensee, München ihre Wahlheimat. Im Gespräch erzählt sie mit Humor und Offenheit, wie ihre Ideen entstehen, was sie über unser Miteinander denkt und warum sie nie einem Bestseller hinterhergelaufen ist.

Frau Hauptmann, woher kommen Ihre Geschichten? Haben Sie schon eine Idee im Kopf, bevor Sie sich überhaupt an den Schreibtisch setzen?

Die Ideen kommen ganz von allein. Oft habe ich schon die nächste Geschichte im Kopf. Dann rufe ich meine Lektorin an und sage: „Im Moment ist es eigentlich nur der Plot, aber der ist echt gut.” Und dann lacht sie und sagt: „Ja, wie immer halt.”

Ihre Romanfiguren sind immer so lebensnah, wenn Sie eine Figur entwickeln: Haben Sie gleich ein Gesicht vor Augen, oder müssen Sie manchmal erst danach suchen?

Meistens fehlt mir tatsächlich noch ein Gesicht. Dann schaue ich beispielsweise in Zeitschriften. Bei Wolf (Protagonist im akt. Roman, Anm. d. R.) war es aber anders: Da gibt es kein konkretes Bild. Viele Frauen haben mir geschrieben und gefragt, ob er wirklich existiert. Ich finde es schön, wenn sich die Leserinnen ihren eigenen Wolf vorstellen können.

Sie beobachten die Menschen sehr genau. Was fällt Ihnen heute besonders an unserem Umgang miteinander auf, hat der sich verändert?

Wenn ich Menschen anlächele, bekomme ich häufig ein Lächeln zurück. Das funktioniert in ganz unterschiedlichen Ländern und Situationen. Auch der Blickkontakt spielt dabei eine Rolle.
Was mir auffällt, ist die zunehmende Einsamkeit. Und das betrifft nicht nur ältere Menschen. Engagement und ehrenamtliche Arbeit können helfen, weil man dadurch mit anderen zusammenkommt. Viele ältere Frauen, die sich engagieren, sind überhaupt nicht einsam. Sie wollen etwas tun und unter Menschen sein.
Was ich dagegen schade finde: Junge Menschen sitzen manchmal an der Universität nebeneinander und beschäftigen sich mit ihren Handys, statt miteinander zu reden.
Das Älterwerden ist für viele Menschen mit neuen Freiheiten aber auch mit Fragen verbunden.


Frau Hauptmann, das Älterwerden ist für viele Menschen mit Veränderungen und Fragen verbunden. Was empfinden Sie persönlich als Gewinn, wenn man älter wird?

Man wird freier und gelassener und nimmt sich selbst nicht mehr so wichtig. Durch die Lebenserfahrung weiß man, dass vieles nicht so schlimm ist, wie es zunächst scheint.
Frauen lachen oft auch über sich selbst. In Frauenrunden erzählt man sich Geschichten und kann gemeinsam über die eigenen Schwächen lachen. Das verbindet.

Gibt es beim Schreiben Momente, in denen Sie selbst nicht wissen, wie eine Geschichte weitergehen soll? Was hilft Ihnen, wenn eine Geschichte nicht weitergeht?

Dann stehe ich auf, gehe in die Küche und öffne den Kühlschrank. Dort finde ich meistens etwas Leckeres. Bis ich wieder zurück bin, habe ich oft schon eine Idee. Manchmal hilft es, kurz etwas anderes zu machen.
Bei ungefähr 46 Büchern ist es nur einmal vorgekommen, dass ich mitten in der Geschichte dachte, der Mord sei zu offensichtlich. Da musste ich die Handlung von diesem Punkt an verändern. Rückwirkend habe ich noch nie ein ganzes Buch umgeschrieben, weil das viel zu aufwendig wäre. Ich bin von Natur aus eher faul.

Mit „Suche impotenten Mann fürs Leben” wurden Sie vor vielen Jahren international bekannt. Wie ging es damals für Sie weiter?

Ich kam aus dem Fernsehen und dem Radio. Das Buch wurde ein Weltbestseller, und ich reiste damit unter anderem nach Brasilien, Frankreich und Polen – auch in Länder, in denen man das vielleicht nicht unbedingt erwartet hätte.
Eigentlich wollte ich danach wieder Filme machen. Ich hatte meine eigene Produktion und eine Fernsehserie, war Produzentin und Redakteurin.
Mein Verlag wollte allerdings, dass ich weiterschreibe. Also kündigte ich mein nächstes Buch an: „Nur ein toter Mann ist ein guter Mann”. Auch das wurde ein Weltbestseller.
Aber ich bin nie einem Bestseller oder einem Trend hinterhergelaufen. Ich hatte immer einen Plan B und wollte auch andere Dinge machen können. Ich habe mir gedacht „jetzt schreibst du so lange dich die Leser wollen und wenn du aufhörst, machst du wieder Fernsehen, Radio und all das.”
Aber es hat nie aufgehört.
Ich habe immer das Gefühl gehabt, die Bücher laufen mir hinterher.

Frau Hauptmann, gibt es schon eine neue Geschichte, die darauf wartet, aufgeschrieben zu werden?

Die nächste Idee ist schon da. Jetzt muss ich mich nur noch hinsetzen und schreiben. Manchmal wäre es schön, wenn man die Geschichten im Kopf einfach wie auf einer Diskette speichern und direkt in den Computer übertragen könnte. Das wäre wunderbar!

Vielen Dank, liebe Gaby Hauptmann, für das offene Gespräch und die sympathischen Einblicke in Ihr Leben und Schreiben, wir freuen uns auf viele weitere Bücher von Ihnen.

Das Interview führte Verena Geithner für seitenseise e.V.

Autor:

seitenweise e.V. aus Eckental

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