Literatur- und Kulturherbst eröffnet
Ein Auftakt, der Lust auf mehr macht
- Gut gelaunte junge Künstler begeisterten die Gäste bei der Auftaktveranstaltung zum ersten Leseherbst in Eckental. Das Gespräch von Kathi Mock mit Lucas Fassnacht war war interessant und unterhaltsam; Paul Bießmann bereicherte den Abend musikalisch (von rechts).
- Foto: Andreas Unbehaun
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Sphärische Klänge ziehen durch den Sitzungssaal, Lucas Fassnacht liest aus seinem Thriller „Die innere Führung”. Am Synthesizer schafft Paul Bießmann die passende Atmosphäre: stimmungsvoll und spannend. Es ist einer der Höhepunkte eines Abends, der zeigt, wie lebendig Literatur sein kann. Am Sonntagabend feierte der erste Literatur- und Kulturherbst im Erlanger Oberland im Eckentaler Rathaus einen gelungenen Auftakt.
Rund 70 Gäste erlebten bei dieser Soirée eineinhalb kurzweilige Stunden zwischen Bühnengespräch, Lesung und Musik.
Die Moderatorin Kathi Mock und Lucas Fassnacht spielten sich die Bälle zu, wechselten zwischen Witz und nachdenklichen Tönen. Selbst Mikrofonprobleme brachten sie nicht aus dem Konzept und wurden humorvoll überspielt.
Grund zur Freude hatte schon bei der Begrüßung Dr. Ewald Maier, Gründungsvorstand des Vereins „seitenweise”. Für fünf der sieben Veranstaltungen konnte er vermelden: Ausverkauft! Er lobte die Zusammenarbeit mit der Volkshochschule, dem Jugendbüro, der Gemeindebücherei und dem Markt Eckental und vergaß auch nicht bei den zahlreichen Gästen um Mitglieder für den jungen Verein zu werben. Bürgermeister Sebastian Singer dankte Maier für dessen Beharrlichkeit. Dass regionale Künstler den Auftakt gestalteten, freute ihn besonders. Sein Wunsch: Aus dem Literaturherbst möge eine Tradition werden. Auch der Nachwuchs ist im Blick – zwölf Lesungen an Schulen sind geplant.
- Der Vorsitzende des Vereins „seitenweise”, Dr. Ewald Maier begrüßte Künstler und Gäste und freute sich über die große Publikumsresonanz.
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Mit Mock und Fassnacht standen zwei langjährige Weggefährten auf der Bühne. 2008 hatte Fassnacht als Poetry Slammer begonnen, nach vielen Erfolgen selbst Slams organisiert und weitere Formate wie „Lesen für Bier” erfunden. Seine Rolle als Slam-Organisator hat seit einigen Jahren Mock übernommen. Der Slam wurde zum Sprungbrett in die Karriere als Schriftsteller von Lucas Fassnacht. Rund ein Dutzend Bücher hat er seither geschrieben, inzwischen reihen sich diese regelmäßig in die Bestseller-Listen ein.
Die Wettbewerbsbühne überlässt Fassnacht inzwischen meist den „jungen Wilden”. Einer von ihnen saß im Publikum: der 22-jährige Eckentaler Felix Hufnagel, den Kathi Mock als frischgebackenen bayerischen Poetry-Slam-Meister begrüßte.
Wie viel Bühnenenergie noch immer in Fassnacht steckt, bewies er mit seinem Slam-Stück über Lehrer. Lebhaft und expressiv vorgetragen, erntete es begeisterten Applaus. Den Beruf hatte er selbst ausprobiert – und nach vier Monaten festgestellt, dass er nichts für ihn war. Seine Überzeugung: Lernen aus eigenem Antrieb schlägt Lernen durch äußere Anreize.
Wie sich dieser Antrieb wecken lässt, beschäftigte ihn auch bei Schreibworkshops mit Kindern und Jugendlichen für den Dokumentarfilm „Südstadthelden”. Für seine Mitarbeit zeichnete ihn die Stadt Nürnberg 2022 mit ihrem Kulturpreis aus. Fassnacht erzählte von der Geduld, die es brauchte, bis die jungen Teilnehmer Freude am Schreiben fanden.
Der Dialog zwischen Kathi Mock und Lucas Fassnacht führte auch zu sozialen Medien und künstlicher Intelligenz. Fassnacht selbst verarbeitet die Aspekte der neuen Errungenschaften in seinen Werken. Neue Technologien seien nicht grundsätzlich schlecht, müssten aber verstanden werden. Ein typischer Social Media Dialog „Heute Kino? Ja! Daumen hoch.” sei zwar auch eine Form der Kommunikation und im Alltag häufig ausreichend und zielführend. Es werde weiterhin viel Text konsumiert, doch nehme dessen Komplexität ab. Fassnacht fand dafür ein einprägsames Bild, in dem er die KI mit einer Rolltreppe verglich: „Je öfter wir die Rolltreppe des Geistes nehmen, desto unattraktiver wird die Treppe.”
Mit zwei Kapiteln aus „Die innere Führung” führte Lucas Fassnacht schließlich ins Thrillerfach. Das unter seinem offenen Pseudonym Lars Sommer veröffentlichte Buch greift den Konflikt zwischen einem vernachlässigten Militär und einer Gesellschaft auf, die Frieden lange als selbstverständlich betrachtet hat. Die Elektroklänge von Paul Bießmann verliehen der Lesung zusätzliche Intensität.
Nach dem Bühnenprogramm gingen die Gespräche weiter. Viele Gäste blieben zu den Häppchen, zu denen Vereinsvorstand Ewald Maier im Anschluss eingeladen hatte. Literatur hören, ihren Machern begegnen und miteinander ins Gespräch kommen: Diese Premiere machte Lust auf mehr.
Autor:Andreas Unbehaun aus Eckental |
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