Partnerschaftskreis Eckental–Ambazac
Besuch aus Ambazac
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Im Rahmen des Projekts „Demokratie lernen, stärken, leben“ durfte der Partnerschaftskreis Eckental–Ambazac in diesem Jahr erneut Gäste aus der französischen Partnergemeinde Ambazac in Eckental begrüßen. Die Begegnung wurde erstmals großzügig durch den Deutsch-Französischen Bürgerfonds gefördert, nachdem sich der Partnerschaftskreis erfolgreich auf die entsprechende Projektausschreibung beworben hatte. Ziel des Projekts war es, deutsch-französische Freundschaft, kommunale Demokratie und europäisches Verständnis insbesondere bei jungen Menschen erlebbar zu machen.
Gelebte Demokratie und europäische Freundschaft
Nach einer nächtlichen Busfahrt trafen die französischen Gäste am Himmelfahrtstag am Jugendtreff Gleis 3 in Eckental ein und wurden dort herzlich empfangen. Auch Eckentals neuer Bürgermeister Sebastian Singer ließ es sich nicht nehmen, die Delegation persönlich willkommen zu heißen. In einer kurzen Ansprache betonte er die Bedeutung der deutsch-französischen Freundschaft für Frieden, Demokratie und den europäischen Zusammenhalt. Anschließend wurden die Gäste auf ihre Gastfamilien verteilt, bei denen sie traditionell privat untergebracht waren. Der restliche Tag stand ganz im Zeichen des Kennenlernens und der Begegnung. Viele Familien nutzten die Gelegenheit, gemeinsam Veranstaltungen in der Region wie das Brander Weiherfest oder das Backofenfest in Kleingeschaidt zu besuchen.
Demokratie-Workshop für Jugendliche,
Historische Exkursion für Erwachsene
Der Freitag bot ein vielfältiges Programm, das gezielt auf die Ziele des Bürgerfondsprojekts abgestimmt war. Während die jugendlichen Teilnehmerinnen und Teilnehmer am Gymnasium Eckental an mehreren deutsch-französischen Workshops teilnahmen, unternahmen die erwachsenen Gäste eine Studienreise nach Schwabach unter dem Motto „Schwabach als Mikrokosmos Europas“.
- Im Goldschlägermuseum Schwabach wurde die traditionsreiche Herstellung von Blattgold anschaulich präsentiert.
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Im Mittelpunkt der Exkursion standen europäische Geschichte, kommunale Selbstverwaltung und kulturelles Erbe. Bei einer Stadtführung lernten die Gäste die historische Bedeutung Schwabachs im Zusammenhang mit Reformation und städtischer Demokratie kennen. Besonders beeindruckte das Goldschlägermuseum, in dem die traditionsreiche Herstellung von Blattgold anschaulich präsentiert wurde. Auch kulinarisch lernten die Gäste fränkische Traditionen kennen.
- Kreativ-Workshop mit Beate Waschneck.
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Parallel dazu beschäftigten sich die Jugendlichen am Gymnasium Eckental intensiv mit Demokratie und europäischer Zusammenarbeit. Im Workshop „Kommunale Demokratie im Vergleich“ setzten sie sich mit den Kommunalwahlen in Frankreich und Bayern auseinander und verglichen die unterschiedlichen Wahlsysteme beider Länder. In deutsch-französischen Gruppen diskutierten die Schülerinnen und Schüler zudem Themen und Wünsche, die sie an ihre jeweiligen Gemeinden richten möchten. Ergänzt wurde das Programm durch einen Kreativ-Workshop unter Leitung von Beate Waschneck, Leiterin der Kunstschule Eckental. Dabei entstanden Entwürfe für das 40-jährige Jubiläum der Städtepartnerschaft im kommenden Jahr unter dem Motto „40 Jahre Freundschaft – 40 Jahre Europa“. Zum Abschluss besuchten die französischen Gäste den Unterricht ihrer deutschen Gastgeber, um das deutsche Schulsystem aus erster Hand kennenzulernen.
- Der deutsch-französische Begegnungsabend fand mit Musik und Tanz einen lebhaften Ausklang.
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Am Abend fand im Sportheim des ASV Forth ein deutsch-französischer Begegnungsabend statt. Neben zahlreichen Gastfamilien nahmen auch Bürgermeister Sebastian Singer sowie mehrere Gemeinderätinnen und Gemeinderäte teil. Nach kurzen Ansprachen zur Rolle kommunaler Partnerschaften für Demokratie und Europa wurden die Ergebnisse der Jugendworkshops vorgestellt. Besonders die kreativen Beiträge der Jugendlichen sowie die Präsentationen zum Demokratie-Workshop fanden großen Zuspruch. Im Anschluss sorgten Musik, Tanz und ein deutsch-französisches Jugendprogramm für einen gelungenen Ausklang des Abends und unterstrichen den lebendigen Charakter der Begegnung.
Der Samstag stand traditionell im Zeichen der Gastfamilien und individueller Begegnungen. Am Abend kamen zahlreiche Familien und Gäste an den Ebacher Weihern des Fischereivereins Eckental zusammen – jenem Verein, aus dem die Städtepartnerschaft ursprünglich hervorgegangen war. Beim gemeinsamen Grillabend wurden Kontakte vertieft, Erfahrungen ausgetauscht und bereits Ideen für das bevorstehende 40-jährige Jubiläum der Partnerschaft im Jahr 2027 gesammelt.
Viel zu schnell vergingen die gemeinsamen Tage: Am Sonntagmorgen hieß es Abschied nehmen. Vor der Abfahrt wurde noch ein gemeinsames Gruppenfoto aufgenommen – als Erinnerung an ein gelungenes Begegnungswochenende im Zeichen von Freundschaft, Demokratie und Europa.
Der Partnerschaftskreis Eckental–Ambazac bedankt sich herzlich bei allen Gastfamilien, Unterstützern und Beteiligten. Ermöglicht wurde die Begegnung durch die Unterstützung der Gemeinde Eckental, des Bezirks Mittelfranken sowie insbesondere durch die Förderung des Deutsch-Französischen Bürgerfonds im Rahmen des Projekts „Demokratie lernen, stärken, leben“.
Demokratie im deutsch-französischen Vergleich zwischen Eckental und Ambazac
Im Rahmen der deutsch-französischen Partnerschaftsbegegnung zwischen Eckental und Ambazac beschäftigten sich deutsche und französische Jugendliche in diesem Jahr intensiv mit dem Thema kommunale Demokratie und Wahlsystemen in Europa. Der Workshop war Teil des Projekts „Demokratie lernen, stärken, leben“, das in diesem Jahr durch den Deutsch-Französischen Bürgerfonds gefördert wurde.Organisiert wurde das Projekt vom Partnerschaftskreis Eckental–Ambazac in Zusammenarbeit mit dem Gymnasium Eckental. Moderiert wurde der Demokratie-Workshop von Helmut Hüttenrauch für den Partnerschaftskreis sowie der Französischlehrerin Frau Purrucker vom Gymnasium Eckental.
- Demokratie-Workshop im Gymnasium Eckental
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Ausgangspunkt des Workshops waren die Kommunalwahlen, die im März 2026 sowohl in Eckental als auch in der französischen Partnergemeinde Ambazac stattfanden. Ziel war es, jungen Menschen demokratische Prozesse in Bayern und Frankreich näherzubringen und zugleich das Verständnis für kommunale Mitbestimmung und politische Verantwortung zu stärken.
Damit alle Teilnehmenden den Inhalten problemlos folgen konnten, wurden zweisprachige Schaubilder, Arbeitsmaterialien und Präsentationen vorbereitet. Auch der Workshop selbst wurde deutsch-französisch gestaltet und lebte vom direkten Austausch zwischen den Jugendlichen beider Länder.
Zwei Länder, zwei Wahlsysteme
Im Mittelpunkt standen die Unterschiede der beiden Wahlsysteme. Während Frankreich zentral organisiert ist und Kommunalwahlen landesweit am selben Tag stattfinden, werden die Wahltermine in Deutschland von den einzelnen Bundesländern festgelegt. In Bayern fanden die Kommunalwahlen am 8. März 2026 statt.
Auch die Wahlsysteme selbst unterscheiden sich grundlegend. In Eckental wählen die Bürgerinnen und Bürger den Bürgermeister direkt für eine Amtszeit von sechs Jahren. Zusätzlich wird auch der Gemeinderat unmittelbar gewählt. In Eckental besteht dieser aus 24 Mitgliedern. Die Wählerinnen und Wähler verfügen dabei ebenfalls über 24 Stimmen, die sie auf verschiedene Kandidatinnen und Kandidaten verteilen oder einzelnen Personen bis zu dreimal geben können.
In Frankreich hingegen stimmen die Bürgerinnen und Bürger über Wahllisten ab. Die Kandidatinnen und Kandidaten einer Liste gehören dabei nicht zwangsläufig derselben Partei an, sondern vertreten häufig ein gemeinsames kommunales Programm. Die stärkste Liste bestimmt anschließend die Zusammensetzung des Gemeinderats, der wiederum den Bürgermeister – den „Maire“ – wählt.
- Gruppenarbeit
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Anhand konkreter Wahlergebnisse aus Eckental und Ambazac konnten die Jugendlichen die Unterschiede besonders anschaulich nachvollziehen. In Eckental lag die Wahlbeteiligung bei 72,3 Prozent. Da im ersten Wahlgang kein Kandidat die absolute Mehrheit erreichte, kam es zu einer Stichwahl, die Sebastian Singer (CSU) mit 51,8 Prozent knapp für sich entscheiden konnte.
In Ambazac wurde dagegen am 15. März nach dem französischen Listenwahlsystem gewählt. Charakteristisch ist dort der sogenannte „Mehrheitsbonus“ („prime majoritaire“). Die stärkste Liste erhält automatisch die Hälfte der Sitze im Gemeinderat, die übrigen Sitze werden proportional verteilt. Dadurch bleibt die Opposition zwar vertreten, jedoch deutlich in der Minderheit.
Ein konkretes Beispiel verdeutlichte diesen Effekt besonders anschaulich: Die Liste von Peggy Bariat – der ehemaligen und erneut gewählten Bürgermeisterin von Ambazac – erhielt 50,82 Prozent der Stimmen, bekam durch den Mehrheitsbonus jedoch 22 der insgesamt 29 Sitze im Gemeinderat und damit rund 75 Prozent der Mandate.Während in Ambazac stabile Mehrheiten vorherrschen, ist die politische Landschaft in Eckental vielfältiger: Dort sitzen 24 Gemeinderatsmitglieder aus sieben verschiedenen Parteien. Koalitionen sind hier daher häufig notwendig.
- Anschauliche Darstellung der Unterschiede im kommunalen Wahlsystem.
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Zum Abschluss testeten die deutsch-französischen Teams ihr Wissen in einem gemeinsamen Demokratie-Quiz. Vier von fünf Gruppen beantworteten die Fragen erfolgreich. Drei Jugendliche gewannen eine kostenlose Teilnahme an der nächsten Begegnungsfahrt nach Ambazac im Jahr 2027.Der Workshop zeigte eindrucksvoll, wie Städtepartnerschaften junge Menschen für Demokratie, Europa und grenzüberschreitenden Austausch begeistern können. Genau diese Ziele stehen im Mittelpunkt der Förderung durch den Deutsch-Französischen Bürgerfonds.
Autor:wochenblatt - Redaktion aus Eckental |
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