Der Gloss'n Hans macht sich Gedanken
Bares und Wahres
- hochgeladen von Gloss'n Hans
Sie wer’n lachen, aber als ich im Sommerurlaub im Ausland überteuerte Getränke bezahlen durfte, ging das nur per Karte oder Handy. Zum Glück – hätte ich die Beträge aus dem Portemonnaie hinblättern müssen, hätte mir die Erfrischung nicht mehr so gut geschmeckt. Geldgeschäfte sind halt auch Gefühlssache.
Viele Kaufentscheidungen werden aus dem Bauch heraus getroffen, wie auch Wahlentscheidungen mitunter eher nach Gefühlslage fallen statt nach sachlicher Logik. Genauso ist es, wenn man seine Zeche zahlt: Echtes Geld herzugeben fühlt sich unangenehmer an als ein digitaler Transfer. Per Klick fällt es leichter. Umgekehrt empfinde ich die Entgegennahme von Bargeld erbaulicher als eine Nachricht über eine Gutschrift.
Bald sollen die Euro-Banknoten neu gestaltet werden, um sie „sicherer, nachhaltiger, zugänglicher, inklusiver und für alle Europäerinnen und Europäer ansprechender” zu machen. Bei einer Vorauswahl von zehn Gestaltungsentwürfen durfte bis 21. September sogar das Volk mitreden. Die Hälfte der Vorschläge zeigt Vögel und Flüsse, die andere europäische Kultur mit historischen Persönlichkeiten wie der Callas Maria, dem van Beethovens Ludwig, der Curies Marie, dem de Cervantes Miguel, dem da Vincis Leo und der von Suttners Bertha.
Wenn ich hier das Bargeld lobe, komm ich mir bald vor wie der Don Quijote von Cervantes, der sich als Ritter fühlt und gegen Windmühlen kämpft. Aber wenn wir schon die Informations- und Warenflüsse in die Hände weniger Multimilliardäre geben – müssen wir uns dann auch noch mit der Infrastruktur des Zahlungsverkehrs den Mogulen ausliefern? Irgendwann wird irgendein Spinner irgendeinen Stecker ziehen. Dann können wir wieder wie im Mittelalter Naturalien tauschen. Ach ja – Braucht jemand Quitten (ohne Quittung)?
Ihr Gloss’n Hans
Autor:Gloss'n Hans aus Eckental |
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