Dach überm Schloss
Das Schloss Büg wurde verhüllt
- Das vorübergehend verhüllte Schloss von Büg aus gesehen.
- Foto: Andreas Unbehaun
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Schloss Büg erinnerte im Juli 2026 an das Berliner Reichstagsgebäude, das vom Künstlerehepaar Christo und Jeanne-Claude vom 24. Juni bis 7. Juli 1995 im Rahmen einer Kunstaktion verhüllt wurde. Ein Gutachter hatte im April festgestellt, dass durch das bestehende Dach beständig Feuchtigkeit eingedrungen war, was die Entstehung von Hausschwamm und Holzfäulnis in den oberen Holz-Geschossdecken begünstigt hat. Ein Rückbau des gesamten Daches war unumgänglich. Die bereits mit umfangreichen Arbeiten beauftragte Zimmerei Lederer aus Flachslanden hat nun – nach der einstimmigen Genehmigung eines Nachtrags im Bauausschuss im April – ein vorübergehendes Notdach errichtet.
Als Kleinod aus der Reichsritterzeit hat das Schloss Büg am Schwabachbogen über 850 Jahre überdauert. Hier herrschten die Freiherren von Gotzmann und von Bünau und beflügelten mit der für sie lukrativen Ansiedlung jüdischer Mitbürger die Entwicklung des Handelsstandortes Forth gegenüber manchen umliegenden Bauerndörfern. Das Ehepaar Schwarz errichtete hier ein israelitisches Kinderheim, bevor das Schloss 1934 an die Gemeinde Forth ging und 1937 für 9.400 Reichsmark „arisiert” wurde. Nach Nutzungen als Flüchtlingsheim und als Schule ging das Anwesen in den 1950er Jahren in Privatbesitz über.
Erst 2001 nutzte der Markt Eckental in einer eilends einberufenen Sonntags-Sitzung des Gemeinderates auf Initiative des damaligen stellvertretenden Bürgermeisters Franz Fantisch die Gelegenheit, das markante Schloss Büg in den Besitz der Gemeinde zu bringen. Seit 2009 bemühte sich die Interessengemeinschaft Schloss Büg darum, die Gemeinde bei der Erarbeitung eines Nutzungskonzeptes zu unterstützen.
Vor sechs Jahren überbrachte der damalige Staatssekretär Klaus Holetschek persönlich einen Förderbescheid des Freistaats Bayern für den ersten von vier Bauabschnitten in Höhe von über einer Million Euro. Damals erläuterte Architektin Marisia Conn, die mit Restaurator Claus Giersch das Architekturbüro Conn und Giersch betreibt, dass nach einem Brand im 19. Jahrhundert ein sehr flach aufgesetztes „Notdach” errichtet wurde. Ein neues, den ursprünglichen Proportionen nachempfundenes Dach könne im Obergeschoss einen großen Saal ermöglichen.
Nach einer Klausurtagung zur Sanierung und Nutzung Ende 2021 legte der Marktgemeinderat im Februar 2022 einen Rahmen für die künftige Nutzung fest. Nach Anhebung des Daches soll ein 130 Quadratmeter großer Saal im Dachgeschoss für Veranstaltungen in den Bereichen Kultur, Repräsentation, Begegnung und Ausstellung dienen. Im Obergeschoss (Beletage) sind Räume für das Standesamt sowie eine multifunktionale Nutzung mit flexibler Einrichtung vorgesehen, die auch von Bürgern und Vereinen genutzt werden sollen. Im Erdgeschoss auf Höhe der Eingangstür soll eine Vermietung an externe Nutzer unter Berücksichtigung von Wirtschaftlichkeit und Erhalt der Bausubstanz möglich sein.
Im Eckentaler Haushalt 2026 zählt die Sanierung von Schloss Büg mit 3,8 Millionen Euro zu den größten Investitionen, die Gesamtkosten wurden 2025 ohne Außenanlagen mit 8,1 Millionen Euro beziffert.
Autor:wochenblatt - Redaktion aus Eckental |
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