Neue Periode im Bürgermeisteramt
Wolfgang Rast verabschiedet sich in den Ruhestand

Das Igensdorfer Rathaus war nicht nur während der 12 Jahre als Bürgermeister der Arbeitsplatz von Wolfgang Rast: Seit er 1973 seine Stelle antrat, ist der Verwaltungsfachmann seit fast 47 Jahren im Dienste der Gemeinde.
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  • Das Igensdorfer Rathaus war nicht nur während der 12 Jahre als Bürgermeister der Arbeitsplatz von Wolfgang Rast: Seit er 1973 seine Stelle antrat, ist der Verwaltungsfachmann seit fast 47 Jahren im Dienste der Gemeinde.
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Am Freitag, 1. Mai, beginnt nach dem Kommunalwahlrecht in Bayern die Wahlperiode der Amtsträger und Gremien, die Mitte März (bei Stichwahlen für das Bürgermeisteramt Ende März) für sechs Jahre gewählt wurden.
Im wochenblatt-Land wurden mit Ilse Dölle und Herbert Saft zwei Amtsinhaber im Bürgermeisteramt bestätigt, mit Jan König und Edmund Ulm kommen zwei Kandidaten neu in ihre Aufgabe. Abgewählt wurde niemand: Johannes Schalwig und Wolfgang Rast haben nicht mehr kandidiert und verabschieden sich in den Ruhestand.
Das wochenblatt fragt im Gespräch mit den bisherigen und künftigen Amtsinhabern nach ihren persönlichen Eindrücken von den zurückliegenden Amtszeiten und dem Start in die neue Periode. Den Anfang macht Wolfgang Rast, der zwölf Jahre lang in Igensdorf wirkte.

Wolfgang Rast: Für unsere Jüngsten viel geschaffen

Um einen kurzen persönlichen Rückblick auf eine mit zwölf Jahren doch recht lange Dienstzeit gebenten, relativiert Wolfgang Rast gleich mit Humor. „Sagen wir mal so: Wenn man zurückschaut, erscheint es einem kurz – wenn man‘s vor sich hat, erscheint es einem wesentlich länger“.
Die schönsten Erinnerungen verbindet der Igensdorfer Bürgermeister mit den Kindertagesstätten, Die Betriebsaufnahme der Krippe „SpatzenNest“ in der ehemaligen Grundschule Igensdorf, die Eröffnung der Jakobus-Krippe in Unterrüsselbach und der zwischenzeitlich leider wieder geschlossenen Dachstadts Wichtel 2013 waren freudige Ereignisse. Die Eröffnung des Kindergartens in Rüsselbach war geplant, musste aber wegen der Coronakrise aktuell aufgeschoben werden. „Es war toll, dass wir gerade für unsere Jüngsten so viel schaffen konnten, (…) da ist mir jedes Mal das Herz aufgegangen“. Etwa beim „Ersten Spatenstich“ in Rüsselbach, als die ganzen Kinder mit ihren Baggern außenrum sausten, da waren „endlich mal nicht bloß die ganzen Politiker auf dem Foto, sondern auch die, um die es geht“.
In die gleiche Richtung geht die Eröffnung des Kinderspielplatzes in Pommer, den die Bürger in Eigenregie gestaltet haben. Landrat, Abgeordnete, alle waren dabei, aber die Kinder haben das Band durchschneiden dürfen. Es war ja deren Objekt, und „es ist wichtig, dass man die Kinder nicht nur zum Herzeigen dabeihat in der Politik, sondern aktiv daran teilhaben lässt. So etwas ist unendlich wichtig“.
Auch als das 2009 von der Bundesregierung beschlossene Konjunkturpaket II als Reaktion auf die Finanzkrise überraschend die Generalsanierung des Igensdorfer Kindergartens ermöglichte, für günstiges Geld mit 90 Prozent Zuschuss, war das „wie ein Lottogewinn“.
Auf die unvermeidliche Frage nach der unangenehmsten Erinnerung fällt Wolfgang Rast gleich das „Gestreite um das Igensdorfer Feuerwehrhaus“ ein. 2012, in der Mitte der ersten Amtsperiode, ging es los. Man sei auf einem guten Weg der Zusammenarbeit im Marktgemeinderat gewesen, dann „ist uns und auch mir das ganze entglitten“. Er hat versucht, in vielen persönlichen Gesprächen die Angelegenheit wieder ins Lot zu bringen, aber da war nichts mehr zu machen. Die Wählerinnen und Wähler haben es dann 2014 „entsprechend honoriert“, aber das Ganze ist nicht gut angekommen bei den Bürgerinnen und Bürgern. „Im Endeffekt ging es nicht darum ob wir ein Feuerwehrhaus bauen oder einen Bauhof, sondern darum, wer in der Gemeinde das Sagen hat“. Ich habe einfach den Stuhl, auf dem ich jetzt sitze, verteidigt. Es kann nicht sein in einer lebendigen Demokratie, dass dann Leute das Sagen übernehmen, die demokratisch nicht legitimiert sind. Deshalb bin ich auch sehr energisch vorgegangen“.
Das Verhältnis zum Vorgänger wird wohl nicht mehr unbelastet werden, aber mit den Akteuren, die damals dabei waren, wollte Wolfgang Rast es nicht bei „zugeschlagenen Türen“ belassen.
Inzwischen ist das Ganze abgeklungen, man arbeitet sachlich zusammen, und so sieht Wolfgang Rast auch das aktuelle Wahlergebnis: Keiner hat die Mehrheit, die Bürgerinnen und Bürger sagen dadurch indirekt: So, hockt euch zusammen und macht das miteinander. Es hat sich in den letzten Jahren auch abgezeichnet, dass die Arbeit im Gemeinderat wieder immer vertrauensvoller wurde.
Die Lindelberghalle wird eine schwierige Aufgabe auch für die Zukunft, aber „jetzt haben wir neue Leute mit neuen Gedanken, insofern hat es vielleicht auch sein Gutes, dass ich nur zum Ersatzmann und nicht in den Rat gewählt wurde. So sind sie unvorbelastet.“ Gleichwohl war die Kandidatur richtig als kleines Dankeschön und zur Unterstützung und der Liste Igensdorfer Umland, ist sich Rast sicher.
Seinen Nachfolger Edmund Ulm hat er am Dienstag vergangener Woche schon einen ganzen Vormittag lang mit dem Rathaus, den Mitarbeitern und dem Bürgermeisterzimmer vertraut gemacht. Man wird bis zum 30. April noch ein paar Tage miteinander verbringen, um eine gute Übergabe zu machen. Schade ist, dass man wegen der Coronakrise leider nicht wie eigentlich vorgesehen die anderen Fachbehörden gemeinsam besuchen kann, aber das könne man nachholen. Immerhin ist Edmund Ulm schon mit dem Landrat gut bekannt. Dass er ihn auch nach dem 30. April nicht hängen lässt, ist Ehrensache. Es geht um die Gemeinde, und bei Bedarf kann er auch gelegentlich im Rathaus eine Vorgeschichte erläutern oder ihn zu Terminen begleiten.
Diese Woche steht noch eine Gemeinderatssitzung an, in der auch der im Grunde fertig beratene Haushalt beschlossen werden soll.
Durch die Corona-Krise gibt es derzeit keine Abendtermine mehr, „das ist merkwürdig, aber dadurch kann man sich schon einmal auf das Pensionistendasein einstimmen“. Ehefrau Annita freut sich schon darauf, auch die 14 Tage Urlaub vor Ostern waren ein schöner Vorgeschmack. Die beiden werden nicht Richtung Esslingen oder Böblingen ziehen zu den beiden Töchtern, sondern freuen sich darauf, dass diese mit den Enkeln bald wieder nach Igensdorf zu Besuch kommen und Landluft schnuppern können. Hier haben wir unser soziales Umfeld, wir bleiben Euch also erhalten“.

Das Igensdorfer Rathaus war nicht nur während der 12 Jahre als Bürgermeister der Arbeitsplatz von Wolfgang Rast: Seit er 1973 seine Stelle antrat, ist der Verwaltungsfachmann seit fast 47 Jahren im Dienste der Gemeinde.
Ein sehr bewegendes Erlebnis war für Wolfgang Rast (ganz links) die gemeinsame Kranzniederlegung in St. Martin la Plaine zum „jour de la libération“ im Mai 2016, als man gemeinsam mit den französischen Freunden der Opfer des 2. Weltkriegs gedachte.
Autor:

wochenblatt - Redaktion aus Eckental

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