Leserbrief
Zur Lesung aus dem Koran und der Bibel in Heroldsberg

Ein Leserbrief zur Lesung aus dem Koran und der Bibel im Rahmen der Interkulturellen Woche am Dienstag, 29. September, in der voll besetzten St. Matthäus Kirche Heroldsberg.

Lieber Anders-als-ich-denkender, ich bin nun einig Zeit in mich gegangen und habe so manche Erklärung gesucht. Ich finde kein Argument, ich finde keine Sichtweise, ich finde keinen einzigen Ansatzpunkt, der mir dein Verhalten in irgendeiner Weise nahebringen kann.

Das es möglich ist, dass Muslime in einer christlichen Kirche, in meiner geliebten evangelischen St. Matthäus Kirche, Suren vortragen, das macht mich glücklich. Es gibt mir Hoffnung für ein zukünftiges, weltweites Miteinander. Es gibt mir Vertrauen, dass gegenseitiges Respektieren und Zuhören, Interesse an den Auslegungen und Gedanken anderer Kulturen, von einer Bereicherung für beide Seiten geprägt ist. Wir haben an vielen Stellen die gleichen Geschichten und wir unterscheiden uns an anderen Stellen stark. Aber gerade, dass ist es doch, was so wunderbar ist in unserer Welt. Die Vielfalt.

Ich hadere immer wieder mit unserer Kirche, ich hadere immer wieder mit meinem Glauben, aber ich vergesse ihn nicht! Ich denke nach, ich versuche zu verstehen und wenn ich mit einer Sache nicht einverstanden bin, versuche ich diese in meinem Kopf oder mit Hilfe vertrauter Personen zu lösen.Daher würde ich niemals eine Veranstaltung stören oder gar torpedieren, bei welcher es ausschließlich darum geht das Verständnis füreinander zu schärfen, nein die sogar noch weiter geht und unwiderlegbare Gemeinsamkeiten aufzeigt. Wir leben doch nun einmal auf dieser einen Welt – als Menschen – gemeinsam!! Warum also, warum, muss ich stören um des Stören willens? Es ging hier noch nicht einmal um politische Auseinandersetzung, es ging um den Glauben und seine Möglichkeiten – MITEINANDER.

Zu deiner Aktion von gestern kommt dazu, dass ich Angst hatte – Angst, in meiner Kirche! Du saßt hinter, schnell wurde mir durch einzelne Wortfetzen klar, dass du stören wolltest – bewusst – um irgendeinen Unmut kundzutun. Ich fühlte mich unwohl, hatte die Angst im Nacken. Keine große Angst, aber eben doch Angst, man hat ja schon gehört, man hat ja schon gelesen, was die so machen, wozu die fähig sind. Wow, und da ist es wieder das Vorurteil, ich merke, dass auch ich Stereotypen heranziehe, um den vermeintlich dummen Nazi zu verurteilen. Ich kenne dich nicht, ich weiß nichts von dir – aber du hast mir Angst gemacht. Warum? Wenn diese Veranstaltung nicht in dein Weltbild passt, ja, dann ist das eben so. Ich glaube nicht, dass ich dies mit Worten ändern kann.

Nach den ersten Klängen hast du die Veranstaltung mit verhaltenem Getöse und den Worten verlassen, das kann ich mir nicht länger anhören, das ist doch unmöglich????? Die Veranstaltung war genauso ausgeschrieben, warum bist du also gekommen? UM ZU STÖREN!! Als du weg warst, hatte ich die ganze Zeit Angst, dass du irgendetwas in den Sitzen hinter mir versteckt hast. Soweit ist es gekommen? Dass ich Angst haben muss, mir Veranstaltungen anzuhören, welche in mein Weltbild so wunderbar hineinpassen? Es ging hier nur darum zu zeigen, was in Bibel und Koran gleichermaßen ist. Warum hat es dir und den anderen mit der gleichen Aufgabe nicht gereicht, dich zu den Demonstranten vor der Kirche zu gesellen?

Auch das kann ich nicht verstehen, da die Demonstration sehr kurzfristig angekündigt wurde, ging es hier ja offensichtlich darum für einen Schreckmoment zu sorgen. Hatten wir das nicht alles schon? Mit Schreckmomenten und Gewaltbereitschaft, mit Intoleranz und Hoffnungslosigkeit Angst zu verbreiten.

Ach Anders-als-ich-denkender, ich hoffe sehr, dass du in deinem Leben noch die Chance erhältst, anders denken als eine Möglichkeit wahrzunehmen, selber zu denken. Vielleicht erkennst du ja, dass du mehr kannst als zu denken was dir gesagt wird und zu handeln was dir angewiesen wird, vielleicht schaffst du den Sprung in ein Leben ohne Zukunftsängste.

B.G. (Der Name ist der Redaktion bekannt)

Autor:

wochenblatt - Redaktion aus Eckental

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