Hopfenbegehung im „Hersbrucker Gebirge“
Sorgen um die Dolden
- Claudio Pingold (2. von links) erläuterte die aktuelle Situation bei der Rundfahrt zu den Hopfengärten. Rechts Markus Eckert neben BBV-Obmann ERH Robert Ott und die ehemalige Europaabgeordnete Marlene Mortler.
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Die anhaltende Hitze und Trockenheit seit Anfang Juni bereitet den Hopfenpflanzern Sorgen – dies wurde bei der „Hopfenbegehung im Hersbrucker Gebirge” deutlich, zu der der die Anbauer des Siegelbezirks Hersbruck und Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten eingeladen hatte.
Landschaftsprägender und wertvoller Rohstoff
Dank seiner geschmacklichen und konservierenden Eigenschaften ist Hopfen für das Bierbrauen unverzichtbar. Dass sich der Anbau auf die Erdregionen zwischen dem 35. und dem 55. Breitengrad konzentriert, liegt am Licht: Die Pflanzen benötigen vor der Blütenbildung eine Tageslänge von 16 bis 18 Stunden in Kombination mit ausreichend Niederschlag und Anbaufläche, was nur auf der Nordhalbkugel gegeben ist.
Früher nannte man den wertvollen Rohstoff auch das „Grüne Gold“. Vor knapp 150 Jahren galt das Hersbrucker Land als größtes zusammenhängendes Hopfenanbaugebiet der Welt, Lauf an der Pegnitz war ein wichtiges Zentrum des Hopfenhandels und Verfahren zur Herstellung von Hopfenextrakt wurden hier erfunden.
Frühe Hinweise datieren Hopfenanbau schon 1338 in Eschenau und 1375 in Simonshofen. Bis 1885 entwickelte sich die Region zur Hopfen-Hochburg, die Trockenluken der Hopfenböden auf den Dächern alter Bauernhäuser zeugen von dieser Zeit. Zur Qualitätssicherung wurden hoheitliche Hopfensiegel eingeführt. Im Jahr 1731 bekam die Stadt Hersbruck das Siegelrecht verliehen. Als ältester Siegelort der Region wurde sie 1929 namensgebend für die Herkunftsbezeichnung „Hersbrucker Gebirge“, die 1953 117 Gemeinden in sieben Landkreisen umfasste. Heute sind im Siegelbezirk noch 12 Anbauer aus den drei Landkreisen (Erlangen-Höchstadt, Forchheim und Nürnberger Land) aktiv mit 28 Sorten Hopfen auf 230 Hektar – 10 Hektar weniger als vor einem Jahr.
- Markus Eckert (links) bei der Begrüßung in der Halle von Familie Friedrich (hinten, mit „Hopfen-Schorsch“ Reithmaier und Betriebsleiter Dominik Nützel).
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Familiärer Zusammenhalt
Als Vorsitzender des Siegelbezirks begrüßte Markus Eckert die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der diesjährigen Hopfenbegehung bei der Familie Friedrich und der Familie Pingold in Lilling. Sonja Friedrich stellte ihren Betrieb vor mit über 150 Hektar Bio-Anbaufläche, davon 36 Hektar Bio-Hopfen. Nachhaltigkeit zeigt sich hier etwa durch energiesparende Trocknungstechnik beim Hopfen oder bei Test-Anbau von trockenheitsresistentem Quinoa. Claudio Pingold baut auf 12,5 Hektar acht Hopfensorten an, daneben betreibt die Familie Ferienwohnungen, Wohnmobilstellplätze und Gastronomie sowie unter anderem Holzwirtschaft, Obstbau, eine Brennerei und einen Hofladen mit pfiffigen Eigenprodukten. Mit den Bio-Nachbarn, so Pingold, arbeite man dank großer Sorgfalt problemlos nebeneinander.
Bio-Landwirt Markus Eckert aus Herpersdorf begrüßte als Vorsitzender des Siegelbezirks die versammelten Fachleuten aus landwirtschaftlicher Praxis, Fachbehörden, Verbänden, Landratsämtern, Rathäusern, Hopfenhandel und Brauwesen.
Sogar für Schädlinge zu heiß und zu trocken
Er erläuterte eine drastische klimatische Entwicklung anhand von konkreten Zahlen zu Temperatur und Niederschlägen. Diese fielen ab Juni nicht nur extrem spärlich mit einem Drittel der üblichen Menge, sondern auch sehr punktuell in Form von Gewittern. Die Temperaturen waren vier Grad wärmer als im Durchschnitt der vergangenen zehn Jahre.
Sein Fazit: Um auch künftig Hopfen anbauen zu können, müsse man im Winter Niederschläge sammeln und im Sommer zur Bewässerung nutzen, was er selbst bereits praktiziert. Für die Umsetzung solcher Maßnahmen brauche man auch die Unterstützung von Politik und Behörden mit schnellen Genehmigungen.
- Betriebsleiter Dominik Nützel (links) vom Biohof Friedrich erläutert den Bestand.
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Absatzmengen und Anbauflächen nehmen ab
Vertreter des Hopfenhandels erläuterten aktuelle Trends. So sei moderner Aromahopfen gegenüber dem klassischen Bitterhopfen kein Allheilmittel auf dem Markt. Sowohl weltweit als auch in Deutschland nimmt die Hopfenanbaufläche ab – entsprechend dem Bierkonsum und damit den Absatzmengen. Besonders bitter seien für Erzeuger allerdings wetterbedingte Ernteausfälle bis zu 30 Prozent bei gleichen oder steigenden Kosten, etwa durch Mindestlohn für Saisonarbeiter.
Plädoyer für Bier
Immerhin werde auch für das zunehmend beliebte alkoholfreie Bier, das europaweit knapp unter und deutschlandweit knapp über 10 Prozent des Verbrauchs ausmacht, das Naturprodukt Hopfen benötigt. Den gesellschaftlichen Trend weg vom Bier – aber gleichzeitig hin zu künstlichen Produkten wie Nahrungsergänzungsmitteln oder Alkopops – sehen die Hopfen- und Braufachleute sehr kritisch.
Dr. Frank Braun, Vorstandsvorsitzender der Hopfenverwertungsgenossenschaft Spalt, zitierte in einer leidenschaftlichen Wortmeldung seinen früheren Professor Dr. Anton Piendl. Dieser kam – ohne übertriebenen Konsum zu verharmlosen – bei der Auswertung Dutzender Langzeitstudien zu dem wissenschaftlichen Ergebnis, dass ein wirklich maßvoller Genuss von Bier physiologisch nicht schädlich ist, sondern sogar förderlich sein kann. Auf die Frage, ob es für Hopfen einen Absatzmarkt jenseits des Brauwesens gäbe, etwa in der Medizin, meinte er: „Bier ist Medizin. Würde man für Bewohner in Altenheimen eine Flasche Bier pro Tag bereitstellen, könnte man Millarden sparen.” Für die anstehende Ernte wünschte sich die „Hopfenfamilie“ einander alles Gute.
Autor:wochenblatt - Redaktion aus Eckental |
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