7. DIGITALE VORLESE-/ERZÄHLSTUNDE FÜR ALLE LESER, VORLESER UND ZUHÖRER, JUNG UND ALT, SENIOREN/MITARBEITER IM SENIORENZENTRUM MARTHA-MARIA
HEIMAT: FRÄNKISCHE SCHWEIZ - EIN WALDWANDERWEG MIT HERZ / EIN BAUMMÄRCHEN

Bunter Märchenbaum wie im indianischen Baummärchen, Vorlage ausgemalt von Bewohnerin im ehemaligen Seniorenheim "Diakonisches Zentrum" in Eckental-Forth
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  • Bunter Märchenbaum wie im indianischen Baummärchen, Vorlage ausgemalt von Bewohnerin im ehemaligen Seniorenheim "Diakonisches Zentrum" in Eckental-Forth
  • Foto: M.Schi.
  • hochgeladen von Annegret Schildknecht

Liebe Leser, Vorleser und Zuhörer!

Meine Präsenz-Vorlese-/Erzähl- und Singstunde im Seniorenzentrum Martha-Maria in Eckental-Forth kann ich leider immer noch nicht durchführen. Da müssen wir alle noch etwas Geduld haben und dazu auch noch ein paar andere gute Eigenschaften und abwarten, bis wir auf der sicheren Seite sind.
In einem kleinen, aber feinen Buch mit dem Titel
„Man braucht ein ganzes Leben, um jung zu bleiben“
habe ich für meine heutige 7. Vorlesestunde einen Impulstext des irischen Schriftstellers Jonathan Swift, *1667, +1745, entdeckt, der mir sehr gut gefallen hat (der Text könnte auch für Frauen passen, wenn man das Wort "Frau" durch "Mann" ersetzt):

Entschließungen für mein Alter
Keine junge Frau heiraten.
Keine jungen Freunde an mich fesseln, wenn sie es nicht von sich aus wirklich wünschen.
Nicht launisch, mürrisch und misstrauisch werden.
Nicht die jeweilige Lebensweise, Denkart, Mode geringschätzen.
Nicht immer wieder die gleiche Geschichte den gleichen Leuten erzählen.
Nicht habgierig werden.
Schicklichkeit und Sauberkeit nicht vernachlässigen.
Mit jungen Menschen nicht überstreng sein, sondern für ihre jugendlichen Schwächen Verständnis haben.
Andere nicht mit guten Ratschlägen belästigen, es sei denn, es wird gewünscht.
Einige gute Freunde bitten, mich ins Bild zu setzen, wenn ich einen von diesen Vorsätzen
breche oder vernachlässige, und mir zu sagen, in welcher Weise ich dagegen verstoße, damit ich mich bessern kann.
Nicht zu viel reden, erst recht nicht von mir selbst. Nicht mit meinem früheren guten Aussehen, meiner Tatkraft oder meinen Erfolgen in der Arbeit oder auch bei den Damen usw. prahlen. Nicht auf Schmeicheleien hören, noch mir einbilden,
ich könnte von einer jungen Frau geliebt werden.
Nicht rechthaberisch und starrköpfig sein.
Nicht aufhören, nach diesen von mir selbst aufgestellten Regeln zu leben, oder womöglich gar nicht erst damit anzufangen, nur weil ich die Befürchtung habe, es könnte mir unmöglich sein, meine eigenen Regeln zu befolgen und die gesetzten Ziele zu erreichen.
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Nun möchte ich von unserem Wanderausflug in die Fränkische Schweiz bei Obertrubach erzählen, wo wir durch Blühwiesen und herrlichen Wald auf dem Herz-Therapie-Wanderweg mit der Wegmarke „Herz mit Äskulap-Stab“ durch das Pitztal gewandert sind  (Äskulap = griechischer Gott der Heilkunst, der durch Schlange und Stab dargestellt wird). Wir konnten spüren, wie gut es Körper, Geist und Seele tut, mit allen Sinnen durch den Wald zu gehen, sozusagen „im Wald zu baden“, wie es seit einiger Zeit auch bezeichnet wird. Das sogenannte „Waldbaden“ ist eine Möglichkeit der Meditation, allein oder auch unter fachlicher Anleitung in der Gruppe, und die Menschen erspüren dabei die positive, beruhigende und auch belebende Kraft der Bäume.

Von den Vereinten Nationen wurde schon in den fünfziger und dann in den siebziger Jahren jeweils ein internationaler Tag des Baumes und einer des Waldes eingeführt. Beide Gedenk- und Aktionstage, die die Bedeutung des Baumes und des Waldes für die Menschen und auch für die Wirtschaft im Bewusstsein halten sollen, werden auch in Deutschland begangen, und zwar der eine im März und der andere im April. Leider fielen in diesem Jahr beide Tage, bedingt durch die Corona-Pandemie, in die Zeit des Stillstands. 

Als ich auf dem Herz-Therapie-Wanderweg unterwegs war, ging mir buchstäblich das Herz auf. Unwillkürlich kam mir ein altes Volkslied mit dem Text von Johann Wolfgang von Goethe in den Kopf und auf die Lippen:
„Ich ging im Walde so für mich hin, und nichts zu suchen, das war mein Sinn…“,
ein Lied, das ich auch schon mal bei passender Gelegenheit in meinen Vorlese- und Erzählstunden mit den Bewohnern im Seniorenzentrum Martha-Maria gesungen habe.

Jetzt im Juli stehen die Bäume in vollem Saft und die Blätter sind intensiv grün. Wenn wir jahreszeitlich etwas weiter denken, zum Herbst hin, dann verändert sich das Bild. Die Blätter verlieren ihre leuchtende, kräftig grüne Farbe und ihre Spannkraft - da gibt es eine Parallele zum Menschen im Herbst seines Lebens - und die Blätter werden gelb, rot und braun, fallen zur Erde und werden zu Erde.
In dem Buch „Baummärchen aus aller Welt“ habe ich das folgende alte indianische Märchen entdeckt:
Warum die Blätter der Bäume gelb, rot und braun werden
Als die Erde noch jung war und die Bäume im Paradies ewig grün waren, machte sich ein Mann auf den langen Weg nach Norden in ein fremdes Land.
Die Mittagssonne im Rücken durchquerte er Flüsse, Wälder, Wiesen und Wüsten, bis er in ein zauberhaft schönes Land kam. Unter den Strahlen der Sonne schillerte dort alles in den schönsten Farben. Am buntesten waren die Bäume. Sie sahen nicht nur grün aus wie bei ihm zuhause, sondern sie leuchteten in den verschiedensten Farben und Schattierungen von leuchtendem Gelb, kräftigem Rot und müdem Braun.
Als der Mann nach einiger Zeit nach Hause zurückkehrte und den Menschen dort erzählte, was er gesehen hatte, wollte niemand seinen Worten glauben.
„Das ist erfunden“, sagten sie und lachten ihn aus. „Wie können denn die Blätter der Bäume gelb, rot oder braun sein?!“ Der Mann sagte „Ich habe es mit eigenen Augen gesehen und wenn ihr es euch nicht vorstellen könnt, so kommt mit mir und seht es euch an!“
Aber dazu waren die Leute zu bequem und auch ein bißchen zu ängstlich und sie sagten: „Geh allein, und wenn du willst, dass wir dir glauben, dann bring einen Zweig von so einem gelben, roten oder braunen Baum mit.“ Da machte sich der Mann erneut auf den Weg nach Norden in das fremde Land.
Lange war er fort und die Menschen in seinem Dorf hatten ihn fast vergessen. Aber eines Tages wurden sie an ihn erinnert, als ein schöner, farbenprächtiger Vogel zu ihnen ins Dorf geflogen kam. Der trug in seinem Schnabel einen Zweig mit gelben, roten und braunen Blättern. Der Vogel warf den Zweig in die Krone eines Baumes … und im selben Augenblick wurden seine grünen Blätter gelb, rot und braun .... und manche der umstehenden Menschen, welch ein Wunder, haben auch lila und blaue Blätter gesehen.  
Der schöne bunte Vogel war der Mann, der sich auf den Weg nach Norden in ein fremdes Land begeben hatte. Als die Menschen zusammenliefen, krächzte der Vogel und es hörte sich an, als wollte er lachen und er schlug mit den Flügeln, als wollte er winken. Dann flog er davon und er wurde nie wieder gesehen. Aber den Zweig mit dem bunten Laub, den ließ er zurück.
Und seither verfärben sich die grünen Blätter der Bäume im Herbst gelb, rot und braun und bald danach fallen sie auf die Erde und werden zu Erde. Dann kommt der Baum zur Ruhe, bis im Frühjahr mit dem Austreiben der hellgrünen Blattspitzen der Kreislauf seines Baumlebens aufs Neue beginnt. 
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Nun gebe ich wie immer zum Abschied allen Lesern, Vorlesern und Zuhörern noch einen stärkenden, zum Nachwirken gedachten Mutmachtext mit auf den Weg:

Rückblick und Vorausblick
Im Vorübergehen der Zeit immer wieder innehalten
und dankbar zurückschauen, was das Leben gegeben hat,
sich wundern, wie viel sich ereignet hat in den erlebten Jahrzehnten.
Dankbar sein für das Gute, das Schöne, das Behütetsein, die Liebe,
und immer wieder staunen,
gut durchgekommen zu sein durch Gefahren, Ängste, Krankheit
und so manche Enttäuschung.
Sich erinnern und nicht vergessen
und Freude wie auch Trauer zulassen.
In dankbarer Zuversicht nach Vorne schauen
und auf das Kommende gespannt sein und sich geduldig darauf freuen,
und aus all dem Erfahrenen den Glauben an das Gute nicht verlieren,
und Hoffnung und Zuversicht für die Zukunft schöpfen.

All das wünsche ich uns ALLEN!

Liebe Leser, Vorleser und Zuhörer, wenn Sie möchten, dann lassen Sie sich anregen, Ihren Gedanken und Erinnerungen freien Lauf zu lassen und an Wanderungen in fröhlicher Gesellschaft oder auch allein mit sich selbst zu denken.

Bei mir hat sich auf dem Therapeutischen Wanderweg in der Fränkischen Schweiz mit der Wegmarke „rotes Herz“ eine besondere, gelöste Stimmung, eine tief empfundene Freude an der Natur und auch Dankbarkeit eingestellt.
Und da Freude und Singen zusammengehören, kam mir zum guten Schluss noch ein Volkslied aus der Schulzeit in den Sinn, das gut zum erwartungsvollen Aufbrechen zu etwas Neuem und zum dazugehörigen „Leb-wohl-sagen“ passt. In der Schule haben wir es früher oft auf Klassenausflügen bei Wanderungen durch Feld und Wald gesungen. Sie kennen dieses Lied sicherlich auch von früher:
„Wohlauf in Gottes schöne Welt, lebe wohl, ade!
Die Luft ist blau und grün das Feld, lebe wohl ade! …“

Ade und Tschüss! Bleiben Sie gesund und behütet!
Ihre Annegret Schildknecht

Hinweis:Dieser Beitrag wird im Seniorenzentrum Martha-Maria Eckental-Forth zum Lesen, Vorlesen und Zuhören verteilt.

Alle Beiträge zu meinen digitalen Vorlesestunden für Jung und Alt finden Sie hier
(bitte "hier" anklicken) sowie unter: https://www.wochenklick.de/tag/vorlesen

Autor:

Annegret Schildknecht aus Eckental

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