Ein weiterer Schritt in Richtung Normalität
Endlich wieder Leben in der Schule

Leonie und Emilia freuen sich endlich wieder gemeinsam auf dem Schulhof sitzen zu können und Spaß zu haben.
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  • Leonie und Emilia freuen sich endlich wieder gemeinsam auf dem Schulhof sitzen zu können und Spaß zu haben.
  • Foto: J. Müller
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Endlich ist wieder was los auf dem Schulgelände am Gymnasium Eckental. Auf dem Sportplatz spielen Kinder "Fangen", in den Gängen herrscht reger Betrieb. Seit Montag sind die etwa 900 Schüler wieder alle im Präsenzunterricht.

"Ich finde es gut, wieder in der Schule zu sein", freut sich Leonie Hofmann. Mitschülerin Emilia Paetzold stimmt ihr zu. Die beiden besuchen die 9. Klasse am Gymnasium. Besonders haben sie sich gefreut, endlich wieder ihre Freundinnen zu sehen. Auch wenn beide mit dem Unterricht im Homeschooling gut zurechtgekommen sind, genießen sie es, endlich wieder in ihrer Klasse zu sein.

"Alle Schüler können im Präsenzunterricht viel besser mit einbezogen werden", sagt die 14-jährige Leonie. "Außerdem kann man direkt Rückfragen stellen", ergänzt Emilia. Mit dem ständigen Hin und Her zwischen Wechsel- und Präsenzunterricht hatten die beiden aber keine großen Probleme. "Ich finde, dass es nötig war. Ich hatte schon Angst, dass ich aus der Schule komme und meine Familie zuhause anstecken könnte", erzählt Leonie. Mittlerweile ist ihre komplette Familie aber geimpft, was die Schülerin etwas beruhigt. Auch Emilia fand die Entscheidung der Regierung, die Schulöffnung von den Inzidenzzahlen abhängig zu machen, richtig. "Da geht es um die Gesundheit", begründet die 15-Jährige ihre Meinung.

Als Lehrer freut sich auch Uli Bühler, endlich wieder in der Schule vor Ort zu sein. Er unterrichtet Englisch und Spanisch und ist außerdem noch Beratungslehrer am Gymeck. Besonders bei Fremdsprachen sei es wichtig, die Schüler "in Echt" zu unterrichten, erklärt er. Durch den Distanzunterricht ist vor allem bei den Sprachen das Sprechen auf der Strecke geblieben, was aber für das Erlernen besonders wichtig ist. Ebenfalls – und nach wie vor – nicht hilfreich sei, dass die Schüler den Mund des Lehrers hinter der Maske nicht sehen können, sagt er weiter.

In seiner Funktion als Beratungslehrer hat er seit der Corona-Pandemie etwa doppelt so viel zu tun wie vorher. Uli Bühler steht den Schülern und Eltern beratend zur Seite bei Angelegenheiten wie etwa einem Schulwechsel oder gefährdeter Versetzung, oder bei Förderung von besonders Begabten. Aber auch mit allen anderen Sorgen können sich Schüler an ihn wenden.

Während beim ersten Lockdown im vergangenen Jahr recht schnell sehr viele Schüler und Eltern auf ihn zukamen, waren die Anfragen im zweiten Lockdown zunächst eher verhalten. "Was man wahrnimmt ist, dass sich durch die lange Zeit des Lockdowns Gräben auftun", so Bühler. Es kamen auch Schüler zu ihm, denen es nach der langen Isolation nicht gut geht. Die meisten melden sich aber wegen Lücken in den Leistungen bei ihm, ergänzt Bühler.

Lernrückstände aufdecken und beseitigen

Dass Mitschüler aufgrund der langen Zeit im Homeschooling in Rückstand geraten sind, wissen auch Emilia und Leonie. "Ich denke es ist für viele zuhause am Bildschirm schwieriger, beim Stoff mitzukommen", sagt Leonie. Sie selbst fühlt sich aber relativ sicher. "Spannend wird es am Ende des Schuljahres" ist sich Bühler sicher. Hier stellt sich die Frage, ob durch Corona auch Versetzungen gefährdet sind.

"Wir machen diagnostische Tests in allen Kernfächern", erklärt Schulleiter Burkard Eichelsbacher. Die Tests am Ende des Schuljahres sollen Defizite und Förderbedarfe aufdecken. Anhand der Ergebnisse sollen dann Empfehlungen gegeben werden, welche Fördermaßnahmen sinnvoll wären. Für bestimmte Schüler, zum Beispiel solche, die auf Probe vorrücken, soll es ein „Summer School“ – Angebot geben.

Dieser freiwillige zweiwöchige Sommerunterricht soll in der ersten und letzten Ferienwoche angeboten und nach Maßgabe des Kultusministeriums vor allem von pensionierten Lehrern, Referendaren oder Dozenten aus schulfremden Bereichen durchgeführt werden.

"Es wäre sinnvoller, Mittel für das nächste Schuljahr zu bekommen", sagt Eichelsbacher. Er ist skeptisch, ob die zwei Wochen reichen werden, den Lernrückstand mancher Schüler zu beseitigen. Wenn es nach dem Schulleiter geht, sollte das Problem mittelfristig angegangen und im kommenden Schuljahr mehr Geld für Förderkurse und ähnliches zur Verfügung gestellt werden. Der selben Meinung ist auch Beratungslehrer Bühler "Ich glaube, der Sommerunterricht ist ein sinnvolles Angebot, ich glaube aber nicht, dass alles aufgeholt werden kann". Auch er weiß, dass die Unterstützung und Förderung besonders im nächsten Schuljahr von großer Bedeutung sein wird.

Noch ein langer Weg bis zur Normalität

Immerhin ist der erste Schritt zurück zur Normalität mit der Rückkehr in die Klassenzimmer schon mal getan. Bis aber wieder alles "wie früher" ist, wird es noch dauern. Zwar dürfen wieder alle Schüler ohne Mindestabstand in einem Klassenzimmer unterrichtet werden, aber die Maskenpflicht gilt weiter. OP-Masken müssen im Unterricht und in den Pausen getragen werden. Im Unterricht dürfen Schüler aber sogenannte "Maskenpausen" einlegen, das heißt sie dürfen ans Fenster gehen und ihre Maske abnehmen, um durchzuatmen und frische Luft zu schnappen. Beim Essen und Trinken ohne Maske muss auf Abstand zu den Mitschülern geachtet werden. Im kompletten Schulgebäude gilt immer noch das Einbahnstraßen-System und der Pausenhof ist in Bereiche unterteilt, so dass jede Jahrgansstufe ihr separates Areal hat. Und auch die zweimal wöchentlichen Tests finden weiterhin statt: Immer montags und mittwochs testen sich die etwa 900 Schüler mit Selbsttests.

Woran es Schülern und auch Lehrern aber besonders mangelt, ist das soziale Miteinander. "Es fehlen die Sachen, die aus einer Klasse eine Gemeinschaft machen", sagt Bühler. Exkursionen sind zwar wieder erlaubt, aber klassische Fahrten wie Sommerlager, Schullandheim oder die Studienfahrt der Oberstufe müssen auch heuer abgesagt werden. Immerhin plant die Schule derzeit einen Wandertag, um dem Lernalltag zumindest kurzfristig zu entfliehen und den Schülern etwas Gemeinsamkeit zu bieten. Schulleiter Eichelsbacher schaut trotz aller Sorgen vorsichtig optimistisch in die Zukunft: "Ich hoffe, dass wir im nächsten Schuljahr wieder ruhiger, verlässlicher und nachhaltiger arbeiten können, auch wenn wir meiner Meinung nach die Herausforderungen der Pandemie gemeinsam in der Schulfamilie gut gemeistert haben.“

Autor:

Jennifer Müller aus Eckental

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