Tongrube am Mistelberg
Gespräche geplant
- Neue Aktivitäten finden im östlichen Teil der Tongrube statt.
- Foto: Ernst Bayerlein
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In der April-Sitzung des Gemeinderates kam unter Tagesordnungspunkt Information eine Anfrage zum Thema Tongrube am Mistelberg zwischen Kalchreuth und Heroldsberg. Dort finden in letzter Zeit wieder Aktivitäten statt. Der große See im östlichen Bereich ist nicht mehr vorhanden, stattdessen ist ein Bagger mit dem Abbau von Ton und ein LKW mit dem Abtransport zur nahen Verladestation beschäftigt. Ein weiterer Transport durch Kalchreuth kann momentan nicht festgestellt werden. Bürgermeister Otto Klaußner bestätigte in seiner Antwort die Aktivitäten, er hat diesbezüglich schon Kontakt zu seinem Kollegen Bürgermeister Jan König in Heroldsberg aufgenommen, beide wollen im Juni ein Gespräch mit dem Eigentümer der Tongrube, der Firma Gumbmann Bau GmbH in Herzogenaurach/Niederndorf über die neuerliche Aktivität und über die Zukunft der Tongrube führen. Strittig ist, ob für einen neuerlichen Tonabbau nach vielen Jahren eine neue Genehmigung benötigt wird. Zuständig ist hierfür das Bergamt in Bayreuth.
- Blick auf das westliche Areal der Tongrube.
- Foto: Ernst Bayerlein
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Beide Gemeinden haben 2022 eigene Pläne für die Tongrube entwickelt, nämlich die Ausweisung eines Sondergebietes für ein Geologie- und Naturinformations-Zentrum, Flächen für Naherholung sowie Flächen für Maßnahmen zum Schutz, zur Pflege und zur Entwicklung von Boden, Natur und Landschaft – so stand es in der Beschlussvorlage. Da sich das Areal der Tongrube etwa zur Hälfte auch auf die Heroldsberger Gemarkung erstreckt, hatte der Marktgemeinderat von Heroldsberg auch einen gleichlautenden Beschluss gefasst. Bereits im Jahr 2016 hat der Gemeinderat in Kalchreuth einen Bebauungsplan „Am Mistelberg - Naturlabor Alte Tongrube” mit Grünordnungsplan als Satzung beschlossen. Dieser Plan wurde jedoch vom Eigentümer der Tongrube, früher war es die Firma Schultheiß in Spardorf, angefochten und mit Urteil des Verwaltungsgerichtshofes München im Juli 2020 für unwirksam erklärt.
Im Gerichtsverfahren in München wurde deutlich, dass die beiden Gemeinden die Stellung des Eigentümers stärker zu berücksichtigen haben – so die Begründung. Seitdem ruhten die Gespräche. „Wir wissen auch nicht, was der Eigentümer mit dem gesamten Gelände der Tongrube, etwa zwei bis drei Hektar groß, vorhat” – so die beiden Bürgermeister.
Die Geschichte der Tongrube reicht bis in die 1980er Jahre zurück. 1986 wurde eine Straße zum Mistelberg für den Schwerlastverkehr gebaut und etwa 1987 wurde mit dem Ton-Abbau für die damalige Ziegelei in Spardorf begonnen. 1988 sollte sogar ein neues Ziegelwerk neben der Grube gebaut werden. Dagegen bildete sich eine Bürgerinitiative „Für den Erhalt des Naherholungsraumes Reichswald”. Und 1991 lehnte der Gemeinderat Kalchreuth den Bauplan mit großer Mehrheit ab. Im Jahr 1993 kamen dann Pläne für eine Reststoff-Ausfalldeponie auf. Diese erübrigten sich dann zwei Jahre später. Im Jahr 2008 wurde der Tonabbau endgültig eingestellt. Für die vorgeschriebene Rekultivierung der Tongrube war dann von der Nürnberger Entsorgungsfirma Durmin eine Verfüllung mit Bauschutt und ähnlichem Material geplant. Diese Pläne scheiterten nach Klagen beider Gemeinden, da Gutachten eine Gefährdung des Trinkwassers nicht ausschließen konnten. Dazwischen gab es 2003 auch Pläne für einen großen, 18-Loch Golfplatz und einem Clubheim. Im Jahr 2005 lehnte der Gemeinderat Kalchreuth das Projekt mit Mehrheit ab. Der Hauptgrund war insbesondere, dass vorher eine Befragung betroffener Landwirte, deren Grundstücke dazu noch erforderlich gewesen wären, stattfand und die große Mehrheit sich dagegen ausgesprochen hatte.
In den letzten Jahren hat sich die Natur weite Teile des Areals teils wieder zurückgeholt, auf den Wiesen blühen die Blumen und manchmal weiden Schafe, Rinder und Pferde. Die Wanderer und Spaziergänger können in Ruhe am Rand des Reichswaldes eine schöne Aussicht auf das nahe Stettenberg, Kalchreuth, Heroldsberg, auf Nürnberg und bis zum Moritzberg genießen.
E.B.
Autor:wochenblatt - Redaktion aus Eckental |
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