Der Gloss'n Hans macht sich Gedanken
Zeitfenster putzen
- hochgeladen von Gloss'n Hans
Sie wer’n lachen, aber wenn wichtige Leute von ihren lückenlos durchgetakteten Terminkalendern berichten, denk ich mir immer: Das wär’ nix für mich. Bei mir finden Fortschritte meistens dann statt, wenn Luft bleibt und Gedanken Auslauf haben. Gedanken brauchen große, offene Zeitfenster, durch die sie hinaus- und hereinfliegen können. Außerdem: „Gut Ding will Weile haben”.
So lautete ein Sprichwort zu Zeiten, in denen die Polizei zum Gespräch eingeladen hat und nicht, wie neulich in Forchheim, zum „Coffee with a cop”. Zeiten, in denen amtliche deutsche Dokumente „Ausweis” oder „Pass” hießen und nicht „d-you”. So soll die künftige Ausweisfunktion fürs Smartphone heißen, für die European Digital Identity Wallet. Alles in einer Sprache, deren Ursprungskönigreich gar nicht mehr Mitglied in der EU ist. Aber das ist ein anderes Thema – zurück zum Time Slot.
Grad hat mir einer erzählt, man habe ihm elektronisch eine Terminvereinbarung angeboten, um die Verlegung seines Glasfaseranschlusses zu besprechen. Zur Auswahl standen aber keine konkreten Termine, sondern Zeitfenster mit einer Länge (oder muss es Breite heißen?) von vier Stunden. Man geht offenbar davon aus, dass sich Menschen gerne einen halben Arbeitstag lang frei nehmen, um auf die Netzfritzen zu warten.
Auf der Homepage eines Gymnasiums habe ich neulich gesehen, welches Zeitfenster für die Schulfamilie das wichtigste ist: Ein Countdown zählt die Tage, Stunden, Minuten und Sekunden bis zu den nächsten Ferien herunter.
Angenehme Stunden hatten wir monatelang zwischen Feierabend und Dämmerung. Man konnte im Abendlicht noch viel Schönes oder Wichtiges erledigen. Am Sonntag endet wieder mal die Sommerzeit, ab fünf Uhr nachmittags geht die Sonne unter. Adieu, mein schönes Sommerzeitfenster!
Ihr Gloss’n Hans
Autor:Gloss'n Hans aus Eckental |
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