Der Gloss’n Hans macht sich Gedanken
Das tut man nicht
- hochgeladen von Gloss'n Hans
Sie wer’n lachen, aber der kategorische Imperativ ist aktueller denn je. Was tun, was nicht?
Ein Bekannter erzählte mir, dass er in den Ferienwochen im Garten saß und – dank Bebauungsgrenze – in die Weite blickte. Dort kann er manchmal Rehwild beobachten. Nun durfte er sogar zwei Tiere beim Geschlechtsverkehr beobachten. Oder auch nicht: Tut man das, als Naturfreund, oder schaut man eher diskret zur Seite?
Was man definitiv nicht tut, ist, an Autobahnraststätten das Klopapier so abzureißen, dass die Abrisskante tief im Riesenrollenkasten verborgen bleibt. Der Nächste muss dann ewig lang im Kasten tasten, bis er wieder den Anschluss findet. Und der Flixbus im schlimmsten Fall schon weitergefahren ist. Also bitte mit Abstand und Anstand abreißen und ein Fähnchen hängen lassen.
1980 veröffentlichte der Schauspieler, Regisseur, Sprecher und Sänger Volker Lechtenbrink eine rockige Coverversion des Countrysongs „Tulsa Time” von Don Williams, auf Deutsch mit dem Titel „Leben so wie ich es mag”. Er singt mit tiefem Timbre, was er liebt, und was er hasst: „…ich hasse alle Zwänge, hasse Muff und Enge, den Satz: Das tut man nicht!”.
Für Jugendliche in den sechziger Jahren war diese Formulierung vermutlich schlimm wie die Pest, man musste sich viele Freiheiten (sonntags Jeans anziehen!) hart erkämpfen. Heute hat man, nach Abenteuern wie antiautoritärer Erziehung, Schwierigkeiten mit dem Grenzen setzen. Viele dürfen fast alles. Der Satz „das tut man nicht” kommt einem immer mal wieder in den Sinn, wenn man hört, was manche – nicht nur Jugendliche – so alles treiben in ihrer scheinbar grenzenlosen Freiheit. Im schlimmsten Fall fühlen sich dann Radikale und Ewiggestrige berufen, ihren Mitmenschen willkürliche Grenzen zu setzen. Und das, das tut man schon gar nicht.
Ihr Gloss’n Hans
Autor:Gloss'n Hans aus Eckental |
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