4. Digitale, dialogische Vorlesestunde für alle Senioren/Bewohner/Mitarbeiter Seniorenzentrum Martha-Maria, alle Interessierten u.a. Junggebliebene
DANKE sagen zum Muttertag, Sonntag, 10. Mai 2020: Ja - Nein - Warum?

"Mädchen mit Taube", Ausmalbild von Bewohnerin Seniorenzentrum nach Gemälde von Pablo Picasso, spanischer Maler,*1881;†1973
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  • "Mädchen mit Taube", Ausmalbild von Bewohnerin Seniorenzentrum nach Gemälde von Pablo Picasso, spanischer Maler,*1881;†1973
  • Foto: M.Schi.
  • hochgeladen von Annegret Schildknecht

Liebe Senioren/Bewohner/Mitarbeiter im Seniorenzentrum Martha-Maria,  interessierte Leser und andere Junggebliebene,

in Tibet gibt es ein schönes Sprichwort:
Das Herz muss Hände haben und die Hände müssen ein Herz haben!

Eine Mutter hat in der Regel beides: ein liebendes Herz und liebende Hände. Und sie hat noch so unendlich viel mehr: ein offenes, liebendes Ohr, dem man alles erzählen kann, Augen, die aufpassen und liebevolle Signale geben, einen Mund, der nicht nur erklärt und schöne Geschichten und Märchen vorliest, küsst und lobt, sondern auch wohlwollend tadelt und verbietet, Füße, die nicht stehenbleiben, sondern immer wieder den ersten Schritt machen und einen Verstand, der auch im Voraus denkt und lenkt und hilft. Sie ist immer zur Stelle, wenn man sie braucht ... allerdings auch manchmal, wenn man sie nicht so gut gebrauchen kann … .

Lesen/hören Sie die folgende kleine Geschichte über die Mutterliebe
(Verfasser unbekannt):
Keine Last
Eine Mutter, die ihr kleines, krankes Kind stundenlang in ihren Armen trug und hin und her wiegte, wurde gefragt: „Wird dir die Last in deinen Armen nicht zu schwer?“ Und die Mutter antwortete ganz schlicht und einfach: „Nein, das ist keine Last, das ist mein Kind!

Wenn wir uns jetzt an unsere Erfahrungen als Kind mit unserer Mutter und später, eventuell, auch als Mutter mit einem eigenen Kind erinnern, sind wir uns wahrscheinlich einig: Das zu Beginn Gesagte ist ein großer Anspruch und das alles kann nicht hundertprozentig gelingen. Aber jede Mutter wird sich bemühen, diesem Wunschbild, dieser Idealvorstellung von einer guten Mutter und ihren eigenen Ansprüchen, entsprechend ihren individuellen Möglichkeiten, gerecht zu werden und es so gut zu machen, wie sie kann und wie ihre Lebensumstände es zulassen.
Am Muttertag, aber auch an ganz normalen Tagen, dürfen alle Kinder DANKE sagen. Und zwar nicht nur die heutigen Kinder, sondern auch wir Erwachsenen, also alle, die einmal Kind waren, auch wenn es schon mehr oder weniger lange her ist. Und auch dann, wenn die eigene Mutter nicht mehr lebt. Dann können wir in Gedanken Danke sagen, uns an die eine oder andere gute Situation mit ihr erinnern und die weniger guten beiseitelassen. Und wir können auch Blumen auf ihr Grab legen.
Anregen möchte ich dazu, den Gedanken freien Lauf zu lassen, auch nach dem Motto des altbekannten Liedes, das wir schon oft und gerne gemeinsam gesungen haben: „Die Gedanken sind frei“. Jetzt kann es jeder für sich singen, laut oder leise in Gedanken.

Zum DANKE sagen anregen möchte ich auch im Hinblick auf Frauen, die zwar keine biologische Mutter geworden sind, aber dennoch mütterliche Gefühle im besten Sinne des Wortes haben und diese auch anwenden. Das können zum Beispiel Hausmütter in SOS-Kinderdörfern sein, die keine eigene Familie gegründet haben, Frauen, die mit ihrem Mann Kinder mit Behinderung oder aus schwierigen familiären Verhältnissen bei sich aufnehmen oder auch als Familienpatin betreuen, oder Ordensschwestern, oder auch Frauen, die Stiftungen gründen und unter deren Regie zum Beispiel verschiedene Hilfseinrichtungen geführt und Kindergärten, Schulen und Krankenhäuser in Ländern gebaut werden, in denen es vielen Kindern nicht so gut geht.
Frage: Vielleicht fallen Ihnen auch noch einige andere Beispiele ein? Wenn ich jetzt bei Ihnen wäre, würden wir gemeinsam überlegen. Leider geht das zur Zeit wegen der Corona-Kontaktsperre nicht.

Und warum nicht auch DANKE sagen all denen, egal ob Frau oder Mann, die sich mit ihren besonderen mütterlichen/väterlichen Qualitäten und Fähigkeiten in den Dienst der Allgemeinheit stellen und sich für hilfsbedürftige Mitmenschen vom Kind bis zum alten Menschen engagieren?

Nun möchte ich dem Leser, Vorleser und Zuhörer mit einem eindrucksvollen, anrührenden  Gedicht von Kurt Tucholsky, Journalist und Schriftsteller, *1890; +1935, eine Freude bereiten. Wenn dieses Gedicht Emotionen freisetzt und dem ein oder anderen eine Träne dabei in die Augen kommt, so wäre das durchaus verständlich (mir ging es jedenfalls so):

Mutterns Hände
Hast uns Stulln jeschnitten
un Kaffe jekocht
un de Töppe rübajeschobn –
un jewischt und jenäht
un jemacht und jedreht ...
alles mit deine Hände.

Hast de Milch zujedeckt,
uns Bobongs zujesteckt
un Zeitungen ausjetragen –
hast die Hemden jezählt
und Kartoffeln jeschält ...
alles mit deine Hände.

Hast uns manches Mal
bei jroßem Skandal
auch 'n Katzenkopp jejeben.
Hast uns hochjebracht.
Wir warn Stücker acht,
sechse sind noch am Leben ….
alles mit deine Hände.

… und nu komm wir bei dir
und streicheln deine Hände.

Singen möchten wir nun das Lied, das wir schon oft in fröhlicher Runde als Bewegungslied gesungen haben: "Kommt ein Vogel geflogen":

1. Kommt ein Vogel geflogen,
- Alle: mit den Armen wie mit Flügeln schlagen
setzt sich nieder auf mein' Fuß,
- mit dem Zeigefinger auf den Fuß zeigen
hat ein' Zettel im Schnabel,
- mit dem Zeigefinger auf den Mund zeigen
von der Mutter ein' Gruß.
- mit beiden Händen winken

2. Lieber Vogel, flieg weiter,
- einen fiktiven Vogel auf der ausgestreckten Handfläche in die Luft heben
nimm ein' Gruß mit und ein' Kuss,
- mit beiden Händen einen Kuss in die Runde werfen
denn ich kann dich nicht begleiten,
- den Kopf schütteln und gleichzeitig den rechten Zeigefinger aufrecht nach links und rechts bewegen
weil ich hierbleiben muss.
- beide Hände aufs Herz legen

Nun lesen/hören Sie die Wünsche einer Mutter für ihr Kind (Verfasser unbekannt), als es von zu Hause auszieht, wobei auch Ihre eigenen Gedanken und Erinnerungen an frühere Erlebnisse aufkommen können:
Ich wünsche dir einen Schutzengel,
der über dich wacht
dich beschützt bei Tag und bei Nacht,
der dich von Herzen liebt und bei dir ist.
Der dich behütet und dich nie vergisst,
der dich tröstet, wenn du traurig bist.
Der bei dir ist in Freud und in Leid,
der dir auch deine Fehler verzeiht.
Der zu dir steht, ob du weinst oder lachst,
der aufpasst, wenn du Dummheiten machst.
Gehst du abends zur Ruh, deckt er dich
mit guten Träumen zu.
Und Liebe gibt er dir, für dich selbst
und auch zum Verschenken,
er hilft Dir, positiv zu denken.
Er lenkt deine Wege mit Herz, Hand und Verstand,
immer vorwärts und nicht zurück,
er schenkt dir Liebe und bringt dir Glück!

Zum Abschluss möchte ich erinnern an eine frühere besondere Veranstaltung im Festsaal mit Oberin Schwester Roswitha Müller vom Diakonissenhaus Martha-Maria Nürnberg. Sie war als Gast eingeladen und hat zum Thema Elternliebe über das Gleichnis vom verlorenen Sohn oder vom liebenden und vergebenden Vater (Bibel, Lukas 15) gesprochen. Dieser Sohn wurde nach einem Ablösungsprozess von den Eltern und einigen Irrwegen von seinem Vater mit offenen Armen wieder in die Familie aufgenommen. Hier steht der Vater, der seinem Sohn trotz aller Enttäuschungen die Hände entgegenstreckt, ihm verständnisvoll zuhört und ihm sein Fehlverhalten vergibt, stellvertretend für beide Elternteile, also natürlich auch für die Mutter, und der Sohn steht ebenfalls stellvertretend für seine etwaige Schwester, das heisst, der Sohn könnte auch eine Tochter sein.

Mit diesem schönen, beruhigenden Bild zum Abschluss möchte ich Sie anregen zu Erinnerungen und zu eigenen Gedanken. Dabei kann ich Sie wegen der Corona-bedingten Kontaktbeschränkungen, die derzeit zu unserem Gesundheitsschutz angeordnet sind, leider nicht wie sonst in unseren Face-to-Face-Vorlesestunden begleiten.
Bleiben Sie gesund und kommen Sie weiterhin gut durch die jetzige schwere Zeit! Es wird besser werden, wenn, hoffentlich bald, anstatt der angeordneten Distanz wieder direkter sozialer Kontakt und Nähe erlaubt sind, so wie es jeder auf seine Art möchte. 
Herzliche Grüße
Ihre/Eure Annegret Schildknecht/ehrenamtliche Mitarbeiterin Sozialbetreuung

P.S. Falls Sie gerne mit mir sprechen und telefonisch Kontakt mit mir aufnehmen möchten, dann ist das möglich über dieHandynummer 0157-33 73 67 54. Diese zentrale Telefonnummer wurde sowohl für das vom Markt Eckental und dem wochenblatt unterstützte Projekt "Helfende Hand"wie auch für das von mir betreute Projekt "Helfendes Ohr mit Herz & Verstand"zur Verfügung gestellt. Zur vertraulichen Kontaktaufnahme steht auch eine E-Mail-Adresse zur Verfügung: helfende-hand@wochenblatt-land.de. Bei Gesprächsbedarf rufe ich Sie schnellstmöglich zurück. Alle Mitarbeiter sind zur Verschwiegenheit verpflichtet. Aber, wenn Sie möchten, dürfen Sie mich auch privat anrufen.

Hinweis: Der obige Text wird im Seniorenzentrum Martha-Maria zum Lesen und Vorlesen verteilt.

>> Alle Beiträge zu meinen digitalen Vorlesestunden finden Sie hier.

Autor:

Annegret Schildknecht aus Eckental

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