Uraufführung in Gräfenberg
Oratorium „Der Tanz ums Goldene Kalb“
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Klangvolle Passion über Goldgier und menschliches Leid
Die Gräfenberger Dreieinigkeitskirche war trotz Fußball-WM und hoher Temperaturen gut gefüllt, als unter der Stabführung des Komponisten Wolfgang Junga (67) erstmals das Oratorium „Der Tanz ums Goldene Kalb” erklang. Der Stöckacher Leiter mehrerer Chöre in der Region hatte das Libretto beim Neusleser Autor Manfred Schwab (88) bestellt und eine originelle vielschichtige Libretto-Vorlage erhalten. Damit fütterte Junga ein kleines aber feines dreißigköpfiges Musik-Ensemble.
Das oberfränkische Städtchen Gräfenberg ist wohl nur Eingeweihten als bemerkenswerter literarischer Ort bekannt: Als Geburtsort des Ritter-Dichters Wirnt von Gräfenberg (eines Zeitgenossen Walters von der Vogelweide und Wolframs von Eschenbach), von dem der Artusroman „Wigalois” in zahlreichen Abschriften überliefert ist. Jetzt machte das Örtchen mit der Uraufführung eines neuartigen Oratoriums von sich reden.
Das u.a. durch die LEADER-Aktionsgruppe Kulturerlebnis Fränkische Schweiz geförderte Konzert-Ereignis begann mit einem furiosen musikalischen Vorspiel, das die kosmische Schöpfungsgeschichte vom Urknall bis zum Auftreten des Menschen in einer Art Zeitraffer intonierte, bevor der Chor mit dem Bibeltext des Alten Testaments einsetzte. Zwischen die Geschichte von Mose, der die Tafeln mit den zehn Geboten vom Berg Sinai holt und bei seiner Rückkehr das Volk der Israeliten um das goldene Götzenbild tanzen sieht, wird in fünf „Leviten” die Gold-Gier beispielhaft durch die Jahrhunderte verfolgt. Das gab dem Komponisten Gelegenheit für eine nuancenreiche musikalische Ausleuchtung. Von der lyrischen Goldgräber-Stimmung, gesteigert zum dramatischen Raubmord, über die elegischen Trauergesänge um den Genozid der spanischen Konquistadoren an den Indios in Südamerika bis zu den sehr aktuellen Kriegen um das Erdöl, das „Schwarze Gold” fehlte es nicht an musikalischen Gestaltungsmöglichkeiten für Instrumentalisten und Sänger. Burleske und psychedelische Klänge in den Leviten um „Goldmacher” und „Goldhamster” lockerten dazwischen auf.
Zwei sich perfekt ergänzende Gruppen nutzten die Klangvielfalt gekonnt: Das sechsköpfige Flöten-Ensemble „Flauti vivendi” (Daniele Burmann, Nicole Knorr, Susanna Dörfler, Eve Lindörfer, Ulli Zimmermann, Uta Leitl) mit seinen kleinen bis sehr großen und tiefen Instrumenten auf der einen und das „Streichertrio Frankonese” (Rega Hanika, Karin Hahn, Sonja Samberger) auf der anderen Seite begleiteten den Gesang von Chor und Solostimmen und brillierten in den zahlreichen melodischen Instrumentalstücken. Professionell wurden sie ergänzt durch die ukrainische Pianistin Elena Ovsyenko an den Tasten, die neben Klaviertönen auch die von Harfe, Celesta, Glockenspiel und Orgel beisteuerte. Rhythmisch grundierte den Sound Barbara Junga mit Trommeln und Steeldrum. Weitere Perkussion-Intrumente wie Gong und Oceandrum, von Chormitgliedern gespielt, setzten atmosphärische Akzente.
Aus dem vielfältigen Klangbild des Oratoriums leuchteten immer wieder strahlend die kultivierten Solo-Stimmen der Jungstars von der Würzburger Musikhochschule auf: Paula Henze (Sopran) aus München, Preisträgerin von „Jugend musiziert”, und der in Hersbruck geborene Tobias Santos Goncalves Schulien (Tenor), der bereits internationale Auftritte wie in der New-Yorker Carnegie Hall unter Kent Nagano vorweisen kann. Ergänzt wurden sie vom warmen Alt (Irmgard Seybold). Die Bass-Bariton-Partien musste der Dirigent Wolfgang Junga selbst übernehmen. Als Sprecher führten Michael Graul aus Ebermannstadt und der Gräfenberger Valentin Winkelsen durch die zweistündige Aufführung, die mit anhaltendem Beifall belohnt wurde.
Für den Veranstalter, den „Kulturverein Wirnt von Gräfenberg”, der seit 15 Jahren das Kulturleben des 7000-Einwohner-Städtchens vielfach bereichert, überreichte Vorsitzende Regine Bleckmann, die auch das Programm- und Textheft (zum Mitlesen) attraktiv gestaltet hat, Dank und Blumen.
Autor:wochenblatt - Redaktion aus Eckental |
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