Sparkasse Forchheim
Bildungsforum im Oktober 2026

Lijana Kaggwa beim Bildungsforum der Sparkasse Forchheim | Foto: Privat

Vom Model-Laufsteg zur Stimme
gegen Cybermobbing 

Lijana Kaggwa berichtet im Bildungsforum der Sparkasse Forchheim und des Bildungsvereins FOrsprung über ihre Erfahrungen mit Hass und Hetze – und darüber, warum Wegschauen keine Lösung ist.

Ein Millionenpublikum und
eine mutige Entscheidung

Sechs Jahre ist es her. Da wäre sie beinahe „Germany’s Next Topmodel” geworden. Dann aber nutzt Lijana Kaggwa die Bühne des Show-Finales, um einem Millionenpublikum unangenehme Wahrheiten zu sagen. Ihr geht es um ein Statement gegen Cybermobbing und Rassismus. Denn die junge Frau aus Kassel hat während der mehrmonatigen Dreharbeiten an der Seite von Heidi Klum auf Jamaika schlimme Dinge erlebt. Wie man einer Kandidatin die Füße eincremt und damit deren Auftritt sabotiert. Wie man aus einem Mädchen eine „Zicke” macht. Wie man das Bildmaterial so geschickt bearbeitet, dass nur noch emotionale Ausnahmesituationen zu sehen sind. Menschliche Dramen verkaufen sich nämlich sehr gut. „Eine Redakteurin sagte damals zu mir: Das echte Leben will doch niemand sehen.”

„Love always wins”
– ein Zeichen für mehr Respekt

Nun ist Kaggwa im Bildungsforum der Sparkasse Forchheim und des Bildungsvereins FOrsprung zu Gast. Mit ihrem Projekt „Love always wins”, mit dem sie auch Schulen besucht und für mehr Respekt im Netz wirbt. „Jeder Mensch ist wertvoll. Gerade weil wir alle verschieden sind.”
Sie will mit ihrem Engagement die Mauer des Schweigens einreißen, die nur die Cybermobbing-Täter schützt und die Opfer sprach- und hilflos zurücklässt. Wie einst auch sie selbst. Denn noch während die Folgen des Unterhaltungsformats ausgestrahlt werden, wird Kaggwa von Menschen auf verschiedenen Social-Media-Plattformen beschimpft, beleidigt und bedroht. „Es waren tausende öffentlich sichtbare Kommentare und private Hassnachrichten.”
Aber nicht nur sie selbst wird Ziel heftiger Häme, übelster rassistischer Hetze und brutaler Gewaltfantasien – auch ihre Mutter und sogar ihr Hund geraten ins Visier. Mal verstecken sich die Hater hinter Fake-Profilen. Mal treten sie ganz offen auf. Sie fühlen sich unangreifbar.

Wenn aus digitalem Hass
reale Bedrohung wird

Irgendwann bleibt es nicht mehr nur bei getippten Gemeinheiten. Nachbarn und Bekannte verraten ihre Anschrift und ihre Joggingstrecke. Nun wird die Gefahr real. In ihrem Garten tauchen Giftköder auf. Auf der Straße wird sie angegangen und bespuckt. „Eines Abends standen einige Männer vor meiner Türe und brüllten, sie würden mich windelweich schlagen.”
Sie erstattet Anzeige und bekommt Polizeischutz. Kaggwa ist verzweifelt. Sie glaubt, selbst schuld zu sein. Dass sie irgendetwas falsch gemacht hätte. „Wenn man ständig hört, man sei ein wertloses Stück Scheiße, dann macht das etwas mit einem.”
Sie zieht sich zurück, sowohl im digitalen als auch im wahren Leben. „Ich bekam Depressionen und wollte nicht mehr am Leben bleiben.” Nur langsam und mit Hilfe einer Psychotherapie erkennt sie, dass sie völlig schuldlos zur Zielscheibe geworden ist.

Die Schattenseiten einer
vermeintlichen Traumkarriere

Dass Kaggwa sich engagiert, hängt auch damit zusammen, dass sie aus eigener Erfahrung weiß, welche Wirkung „Germany’s Next Topmodel” auf junge Menschen hat. „Ich war neun Jahre alt, als die erste Staffel ausgestrahlt wurde. Sie schlug in den Kinderzimmern ein wie eine Bombe.”
Plötzlich haben Mädchen aus der Provinz eine Chance auf Ruhm, Ehre und Reichtum. Ein Leben im Scheinwerferlicht, an exotischen Orten und in Kleidern berühmter Modeschöpfer. Kaggwa wagt den Schritt vom Hörsaal auf den Laufsteg. Dafür bricht sie ihr Lehramtsstudium ab. „Vielleicht war ich damals etwas naiv.”
Denn alles hat seinen Preis. Sie wird Teil eines millionenschweren Geschäftsmodells. Es gilt, die Zuschauer bei der Stange zu halten. Damit die Unternehmen der Mode- und Kosmetikbranche auch weiterhin für viel Geld Werbezeiten buchen. „Da nimmt man menschliche Kollateralschäden in Kauf.”

Nicht wegschauen,
sondern mutig widersprechen

Kaggwa geht es um das Publikum des analogen und des Cybermobbings. Denn die Demütigung findet immer auf offener Bühne statt. „Der Mobber will Applaus, um sich wichtig zu fühlen.”
Da müsse jeder entscheiden, ob er es laufen lasse oder eingreife. „Wir haben den größten Hebel. Nicht wegschauen, nicht zustimmen, sondern laut und mutig widersprechen.”
Deshalb sei sie als Influencerin aktiv, um die Social-Media-Kanäle nicht den Hatern zu überlassen. Schließlich sind nach Kaggwas Einschätzung nicht nur Teenager betroffen. Cybermobbing ist ein Phänomen, das alle Generationen betrifft.

Autor:

wochenblatt - Redaktion aus Eckental

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