Neue Pläne für Forther Bahnhofs-Areal
Altes Gebäude soll weichen
- Der ehemalige Forther Bahnhof ist heute ein verwahrlostes Anwesen neben dem Haltepunkt der Gräfenbergbahn und soll einer städtebaulich ansprechenden Folgenutzung weichen.
- Foto: Andreas Unbehaun
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Der Bahnhof Forth wurde über die Jahrzehnte zum „Lost Place”: Verwahrlost, vergessen und eingewachsen hinter Gehölzen fiel er in einen Dornröschenschlaf – aus dem ihn aber wohl niemand mehr wachküssen wird. Denn die Marktgemeinde will das Gebäude abbrechen und das Gelände anders nutzen. Leser Matthias Marquard findet, man sollte diese Entscheidung nicht so ohne Weiteres hinnehmen und fordert in einem Leserbrief:
„Mit dem Bahnhof Forth hat sich eines der letzten Gebäude der legendären „Seekuh”, der Nebenbahn von Erlangen nach Gräfenberg, erhalten. Nachdem es weit über 100 Jahre überdauert hat, soll es nun nach dem Willen der Gemeinde noch in diesem Jahr abgebrochen werden, um früher oder später durch einen Neubau ersetzt zu werden.
Wenn ein Gebäude einmal über ein Jahrhundert Bestand hatte und es sich dabei nicht um eine völlige Ruine handelt, sollte es eine Möglichkeit geben, dieses als Zeugnis einer vergangenen Epoche für nachfolgende Generationen zu erhalten. Zugegeben: Der Bahnhof befindet sich im Moment in einem völlig verwahrlosten Zustand, weil er als Müllkippe missbraucht wurde, das Mauerwerk und auch das Dach sind aber - wie auf dem Bild ersichtlich - in relativ gutem Zustand.
Zudem ist der Bahnhof - wie die Kirche, das Rathaus und die Schule - ein zentrales Gebäude eines Ortes. Ihn zu zerstören hieße dem Ort einen Teil seines Gesichtes zu nehmen. Ein peinliches Beispiel hierfür hat sich die Stadt Torgau - ein Ort von weltpolitischer Bedeutung - geleistet, als sie gegen den Willen vieler Bürger ihren herrschaftlichen Bahnhof aus der Kaiserzeit abgebrochen hat, um ihn durch einen gesichtslosen Neubau zu ersetzen. Heute werden dort Reisende aus aller Welt durch einen Kiosk empfangen.
- Der Rosengarten auf einer historischen Postkarte aus dem Privatbesitz von Gerhard Wölfel
- Foto: Privat
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Die Gemeinde Eckental argumentiert mit den Kosten: Die Sanierung von Schloss und Judenhaus lasse einen Erhalt des Bahnhofs nicht zu. Dabei entstehen durch den Abbruch des Bahnhofs und die tatsächliche oder auch nur vorgeschützte Dekontaminierung des Grundstücks Kosten, die genauso gut in die Sanierung des Bahnhofs gesteckt werden könnten; von den Geldern für den Neubau ganz zu schweigen. Aber selbst wenn die Sanierung teurer käme als der Neubau, sind diese Kosten gut angelegt. Schon oft sind ohne Not historische Bauten abgebrochen worden, deren Verlust hinterher schmerzlich beklagt wurde. Einmal zerstört, sind solche Denkmäler der Vergangenheit unwiederbringlich verloren.
Der Bahnhof Kalchreuth ist ein schönes Beispiel, wie es anders auch geht. Mit Beteiligung der Bürger wurde das ebenfalls stark renovierungsbedürftige Gebäude zu einem Schmuckstück wieder hergerichtet und beherbergt nun Räume, die der Allgemeinheit zugutekommen. Dasselbe wäre auch für Forth denkbar: Räume für Vereine, Jugendgruppen oder Ausstellungen, ein Cafe oder Übernachtungshaus für Gäste der Partnergemeinden sind nur ein paar Vorschläge, die denkbar wären.
Vermutlich wissen viele der Eckentaler gar nichts von den Plänen des Abrisses. Ich möchte deshalb auf das Thema aufmerksam machen. An dieser Stelle sei ein kleiner Blick zum Nürnberger Unschlittplatz gestattet. Was heute eine Touristenattraktion ersten Ranges ist, sollte nach dem Willen der Stadt ebenfalls dem Erdboden gleichgemacht werden. Dass man sich heute an mittelalterlichem Fachwerk erfreuen kann, ist nur der Initiative der Altstadtfreunde zu verdanken, die den Beschluss der Stadtväter nicht einfach hingenommen haben. Deshalb bitte ich an dieser Stelle alle Eckentaler: Protestieren Sie bei der Gemeindeverwaltung gegen den Abriss, die nachfolgenden Generationen werden es Ihnen danken.”
Seit 2025 im Besitz der Gemeinde
- September 2017
- Foto: Privat
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Das Bahnhofsgebäude in Forth entstand vor 140 Jahren im Zuge der Errichtung der Sekundärbahn Erlangen-Gräfenberg und steht abseits des heutigen Haltepunktes der Gräfenbergbahn. Viele Jahre war das Anwesen in Privatbesitz, wird aber längst nicht mehr bewohnt und zeigt deutliche Spuren von Vandalismus.
Im Zuge einer künftigen Gesamtkonzeption des Bahnhofsumfeldes wurde es 2025 von der Gemeinde erworben, erläutert Eckentals Bürgermeister Sebastian Singer auf Nachfrage. Anders als der Kalchreuther Bahnhof ist das Sandsteingebäude in Forth nicht denkmalgeschützt. Ein Gutachten hat einen schlechten Allgemeinzustand bescheinigt. Für eine Gesamtplanung für das „Bahnhofsumfeld“ würde der Bestand die Möglichkeiten extrem einschränken. Daher hat der Bauausschuss inzwischen einstimmig für den Abbruch gestimmt. Dieser soll im Herbst erfolgen, sobald das Naturschutzgesetz den Rückschnitt der Gehölze erlaubt.
Damit könne man offen über die Folgenutzung des Grundstücks nachdenken. Derzeit befinde man sich mit allen Fraktionen und Gruppierungen in einer Findungsphase und sammle Ideen. Singer ist zuversichtlich, dass man gute Lösungen entwickelt für ansprechende Begegnungsräume, auch mit Blick auf den 2017 gestalteten „Rosengarten”. Die Sandsteine des Bahnhofsgebäudes würden jedenfalls in Forth bleiben, entweder hier oder eventuell auch teilweise am Schloss Büg.
„Rosengarten” als Ort der Begegnung
- Foto: Privat
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Im Sommer 2017 wurde das am Bahnhof angrenzende Areal saniert und neu gestaltet als „Ort der Begegnung” mit der Bezeichnung „Rosengarten”. So hieß in den 1950er und 1960er Jahren eine beliebte Gartenwirtschaft an dieser Stelle. Damals wurde neben dem Bahnhof von einer Familie Lorenz ein Wirtschaftsbetrieb unterhalten, bei dem viele Forther und Besucher im Biergarten mit kleinem Springbrunnen gesellig beisammensaßen, so Bürgermeisterin Ilse Dölle bei der offiziellen Einweihung vor neun Jahren.
Zusätzlich zu den zu 60 Prozent staatlich geförderten Baukosten in Höhe von 770.000 Euro wurden damals 36.000 Euro aus Gemeindemitteln in die Grünanlagen investiert sowie im Untergrund für die bauliche Voraussetzung für einen Brunnen.
Autor:wochenblatt - Redaktion aus Eckental |
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