Ernst Bayerlein berichtet
Das verschwundene Wirtshaus in der Ohrwaschl

Der Eingang zum früheren Felsenkeller.
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Im Waldgebiet Ohrwaschl, dort wo sich die Wanderwege von Erlangen nach Kalchreuth und von Nürnberg-Neunhof nach Dormitz kreuzen, stand bis vor 110 Jahren ein gutgehendes Wirtshaus. Heute ist nur noch der ehemalige Felsenkeller vorhanden.

Wie kam es dazu? Viele alte Häuser in den Städten und Dörfern unserer Gegend sind aus Sandstein gebaut, überwiegend wurden diese Steine im Reichswald um Nürnberg, insbesondere auch im Tennenloher Forst gebrochen. Mit Fuhrwerken wurden die Quader abtransportiert, von Steinmetzen bearbeitet und dann als Bausteine verkauft.

Erst spät, nämlich im 17. Jahrhundert, begann man in der Ohrwaschl mit dem Stein-Abbau. 1839 wurde dann ein kleines Waldhaus für die Waldarbeiter und zum Unterstand errichtet. Acht Jahre später verpachtete die Forstbehörde den Steinbruch an die Steinbrechermeister Wolfermann und Geiger, später dann an Geiger und Horlamus. Dieser stellte 1852 einen Antrag, ein „Häuschen“ zu bauen. 1865 war daraus eine Wohnung, ein Stadel, Stallung, Schmiede und eine Sommerlaube geworden, die Horlamus an seinen Nachfolger Johann Meyer verkaufte. Dieser richtete eine Bierwirtschaft ein, dazu wurde auch ein Keller zur Kühlung des Bieres in den Sandstein geschlagen. Sein Nachfolger Matthäus Eckart baute dann 1872 mit Genehmigung des Oberförsters von Dormitz ein neues größeres Haus. 1890 erwarb Johann Georg König die Gaststätte und vor allem seine Schwester Magdalena war ein sehr gute Köchin und Wirtin, wie in alten Unterlagen berichtet wird.

Im Jahr 1900 erwarb Johann Kirchdörfer das Wirtshaus, er heiratete auch gleich die Köchin Magdalena. In einem Bericht in den Erlanger Heimatblättern in den 1950er Jahren berichtet Dr. Hans Walter Schmidt, dass hochbetagte Erlanger sich noch gut an die Wirtschaft in der Ohrwaschl erinnern können. Es gab ein festgebautes hübsches Sandsteinhaus, wo der Metzgermeister Kirchdörfer, er war auch ein großer Jäger, als sorgsamer Gastwirt seine Gäste mit Speis und Trank erquickte. Auch bei seinem Vorgänger König war ich öfter zu Gast, besonders wenn ich meine längeren Ritte durch den Staatswald in der Ohrwaschl unterbrach, um hier ein „opulentes Mahl“ einzunehmen. Ich sehe noch heute im Geist genau den Wirt hinüber zu der kleinen Pforte des in den Sandstein gehauenen Felsenkellers eilen, um ein Fässchen Gerstensaft zu feuchtfröhlichem „frischen Anstich“ herüber zurollen, so der Bericht.

Um 1900 entstand dieses Bild mit Waldarbeitern und Förstern vor dem Wirtshaus.
  • Um 1900 entstand dieses Bild mit Waldarbeitern und Förstern vor dem Wirtshaus.
  • Foto: Repro: E. Bayerlein
  • hochgeladen von wochenblatt - Redaktion

1906 übernahm Georg Konrad Ebersberger den Steinbruch und die Wirtschaft. Wie beliebt und sehr viel besucht der Ort, war geht daraus hervor, dass in der neuen Genehmigung es dem Pächter ausdrücklich verboten war, größere Veranstaltungen mit und ohne Musik abzuhalten und den Platz zu einen öffentlichen Belustigungsort zu machen.

Die Lage des Steinbruches mitten im Wald und die Wirtschaft führten in den folgenden Jahren aber dazu, dass das Forstamt feststellte: „Der Steinbruch ist das Asyl für die schlechtesten Elemente der Arbeiterschaft der ganzen Umgebung geworden“. Weiter wurde festgestellt, dass sich die Ohrwaschl zum Platz der Wilderer, Holzfrevler und Vogelfänger entwickelt habe und die Qualität des Wirtschaftsbetriebes stark abgenommen habe.

Das Ende des Steinbruches Ohrwaschl schien am 1. Januar 1912 gekommen und nur auf ein dringendes Gesuch hin, unterstützt auch von den Bürgermeistern aus Kraftshof und Tennenlohe sowie dem Universitätsbauamt in Erlangen und seinem Hinweis, dass seine Frau vor der Entbindung stehe, gelang es Ebersberger die Schließung bis zum 1. Mai 1912 aufzuschieben. Bis zum Sommer hatte er seine letzten Verbindlichkeiten erledigt, das Wirtshaus und die anderen Gebäude wurden bis zum Jahresende abgerissen und in der Ohrwaschl kehrte Ruhe ein.

Die Ohrwaschl ist von Kalchreuth Richtung Buckenhof auf dem Wanderweg „Gelber Punkt“ leicht zu finden, die Wegstrecke beträgt etwa acht Kilometer. Ein weiterer Wanderweg führt von Nürnberg-Neunhof nach Dormitz: „Grüner Strich“. Gleich in der Nähe befindet sich auch das Przewalski- Pferden. Zugangswege zur Ohrwaschl gibt es auch von Tennenlohe und von Uttenreuth.

Ernst Bayerlein

Der Eingang zum früheren Felsenkeller.
Um 1900 entstand dieses Bild mit Waldarbeitern und Förstern vor dem Wirtshaus.
Autor:

wochenblatt - Redaktion aus Eckental

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