Jüdische Geschichte in Forth
Das Schnaittacherhaus
- Das Schnaittacherhaus mit dem Memorial Forther Hauptstraße 47.
- Foto: Helmut Meyer zur Capellen
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Das Pogromgedenken 2026 in Eckental konzentriert sich auf die Familie Schnaittacher und deren zwei arisierte Häuser im Ort. Die „Interessengemeinschaft jüdische Geschichte“ führt seit 2009 dieses Gedenken am Memorial Forther Hauptstraße 47 durch und hat ein dreiteiliges Gedenken organisiert.
Am Montag, 9. November, findet man sich um 18 Uhr an der Stele vor dem Schnaittacherhaus (Forther Hauptstraße 47) zusammen, um die Namen der Ermordeten zu verlesen. Im Gedenkgang geht es dann zur Martin-Luther-Straße 12 und kurzen Informationen zu den überlebenden Fritz und Alfred Schnaittacher. Am Freitag, 13. November, wird in der Frohnhofer Mühle um 15 Uhr eine Ausstellung zu den jüdischen Häusern in Forth eröffnet. Informationen zur Zukunft des Schnaittacherhauses in der Forther Hauptstraße 47 werden am Montag, 7. Dezember, um 18 Uhr im Evangelischen Gemeindehaus Forth für alle Gemeinderäte und Interessierten vorgestellt – mit sehr aktuellen statischen Messungen in einer Masterarbeit der FH Coburg bei Prof. Holger Falter. Hier finden Sie eine Zusammenfassung der Arbeiten von Historikerin Dr. Martina Switalski zu einem Teil der jüdischen Häuser in Forth.
Die jüdische Geschichte der Schnaittacher-Häuser
Der Galanteriewarenhändler Wolf Seckel Schnaittacher hatte zwei Söhne. Michael etablierte sich in der Nr. 52 als Tuchhändler und Abraham (1828-1887) übernahm mit seiner Frau Fanny, geborene Bauer, das Haus Nr. 61. Ihre Töchter Marie, Bertha und Julie emigrierten um 1900 nach New York, während Rosa, Pauline und Josef samt Frau und Sohn Alfred als Hopfen- und Schnittwarenhändler in Forth blieben.
Der Kaufmann Alfred Schnaittacher zog erst nach Nürnberg und floh 1937 nach New York, seine Tanten blieben in Forth und wurden in der Pogromnacht vom 9. auf den 10. November 1938 im Alter von 68 bzw. 77 Jahren verschleppt. Pauline starb 1942 und Rosa 1943 im Sammel- und Durchgangslager Theresienstadt.Nach der Pogromnacht folgten Plünderungen und Zerstörungen durch Zivilisten und SA-Männer, die sich später der Justiz entzogen. Im Pogromprozess von 1950 wurde keiner der Täter verurteilt.
Pauline Schnaittacher wurde in Erlangen gezwungen, ihre Häuser 60a und 61 für 10 Prozent des Richtwertes an die Gemeinde abzugeben: Die Häuser mussten für 580.- RM „verkauft“ werden. Wertgegenstände, Möbel und Ladeneinrichtung waren geplündert oder zerstört, Wertpapiere im Wert von 3000 RM verschwunden.
Heimatvertriebene, Ausgebombte und Bedürftige
Alfred Schnaittacher, der sich seit 1943 Fred Snyder nannte, erhielt 1951 laut Bericht des Bayerischen Landesamts für Vermögensverwaltung und Wiedergutmachung für die beiden Häuser 653,52 DM bzw. 870,84 DM. Die Gemeinde Forth galt als Eigentümerin, Nr. 60a war bereits 1943 an Familie Hofmann verkauft worden. Im Haus Nr. 61 lebten nach den jüdischen Eigentümern heimatvertriebene, ausgebombte und bedürftige Familien, ab den 1980er Jahren folgten Sozialhilfeempfänger und Obdachlose. Nach einer kurzen Ansiedlung von Asylanten ist das Haus seit 2014 im Leerstand.
Nutzung als Café mit Veranstaltungsräumen
Erste Planungen mit Mitteln der Städtebauförderung des Bezirks Mittelfranken passierten den Eckentaler Bauausschuss am 16. November 2021 und wurden bis zur Sitzung des Bau -und Umweltausschusses am 2. Juli 2024 durch Architektenentwürfe und Statikgutachten vertieft.
Als Nutzung war in den Planungen vorgesehen, im Erdgeschoss ein Café und im Ober- und Dachgeschoss Veranstaltungsraume einzurichten. Ein Nebengebaude sollte die sanitaren Einrichtungen und das Lager des Cafes beinhalten, für barrierefreien Zugang musste zusatzlich ein Fahrstuhl vorgesehen werden.
Die notwendige Bohrpfahlgründung, Entkernung, Dachbegradigung, Sandsteinbearbeitung und ein Aufzug bedeuteten aber eine Kostenschätzung von 3,2 Mio. Euro. Diese Steigerung von 1,2 Mio. Euro im Vergleich zur letzten Kostenschätzung führte zum Stillstand des Projekts. Der auch als Möglichkeit bedachte Abriss wurde 2025 mit der Einstufung als Denkmal unmöglich: Das Gebäude mit Satteldach von 1759 ist ein erhaltenswertes historisches Zeugnis der jüdischen Dorfgeschichte Forths. Der Bau- und Umweltausschuss nahm am 25. September 2025 die Eintragung in die Denkmalliste zur Kenntnis und beschloss einstimmig, die Sanierung derzeit nicht weiter zu verfolgen.
Austausch mit den Schnaittacher-Nachfahren
- Familienfoto mit dem „halbwüchsigen“ Alfred Schnaittacher.
- Foto: Sammlung Jeff Snyder, NY
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Die Nachgeborenen der Familie Schnaittacher haben diesen Prozess in den letzten Jahren von New York und Vermont aus immer wieder voller Hoffnung begleitet. Carol McKnight, die Enkelin von Bertha Schnaittacher, besuchte Forth mit ihren Töchtern und Enkeln 2011 und 2018. Martina Switalskis Treffen mit Jeff Snyder und seiner Frau Paula in New York 2014 vertiefte diesen Austausch mit den Nachfahren der vertriebenen Jüdinnen und Juden Forths.
- Alfred Schnaittachers Führerschein.
- Foto: Sammlung Jeff Snyder, NY
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Paula Snyder erinnert sich an die tiefen deutschen Wurzeln ihres Schwiegervaters Alfred, der, im Alter an Alzheimer erkrankt, seine Kinderlieder hervorkramte – und auch Nazi-Lieder, die die Erinnerung an die ermordeten Tanten in Theresienstadt weckten und einen weinenden Alfred hinterließen.
- Der Pass von Alfrted Schnaittacher, oben (angeschnitten) der Vermerk „Jude.
- Foto: Sammlung Jeff Snyder, NY
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Autor:wochenblatt - Redaktion aus Eckental |
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