Flucht vor dem Krieg
Erstmal in Sicherheit

Manuela (rechts) und Frank Beckmann (links) mit Olena und Matviy.
  • Manuela (rechts) und Frank Beckmann (links) mit Olena und Matviy.
  • Foto: Uwe Rahner
  • hochgeladen von wochenblatt - Redaktion

Vor einigen Wochen hat Olena in ihrer Heimatstadt Kiew noch für ukrainische Soldaten Verpflegung gekocht. Dann brachte sie ihren Sohn Matviy – und sich selbst – vor den russischen Raketen in Sicherheit und floh nach Warschau zu Verwandten. Dort war wenig Platz, die beiden konnten nur in der Küche übernachten. Über private Kontakte kamen sie schließlich am Mittwoch vergangener Woche nach Eckental zu Manuela und Frank Beckmann. Die beiden haben freie Zimmer im Haus, seit die Söhne im Ausland studieren und arbeiten, und sich entschlossen, ihre Hilfe anzubieten. 

Zuhause in der ukrainischen Hauptstadt Kiew wohnen Olena und Matviy im zwölften Stock, in Eckental können sie jetzt den Frühling im Garten genießen. Für Kontakte zu ukrainischen Landsleuten ist jetzt das Begegnungscafé von FLEck e.V. ganz wichtig. Der 13-jährige Matviy besucht seit Montag die Mittelschule Eckental und in der Freizeit die TaForce Kampfsportschule, denn Kickboxen hat er bisher zuhause im Kiew trainiert. Auf die neuen Kontakte hat er sich schon mit einem kostenlosen Haarschnitt bei Friseur TOTAL in Eckental vorbereitet. Lisa Hänfling will diesen Service allen ukrainischen Flüchtlingen anbieten, solange es wirtschaftlich tragbar ist.

Im Hause Beckmann macht sich Olena – vorsichtig, ohne sich aufzudrängen – in der Küche nützlich. Die Verständigung ist schwierig, aber die Stimmung gut, soweit dies angesichts des ­Anlasses möglich ist. Die eingeschränkten und inzwischen weitestgehend verschütteten Russisch-Kenntnisse aus der Schulzeit in Sachsen helfen da nur bedingt weiter. Aber mit den Übersetzungs-Apps im Smartphone kommt man gut zurecht, und Olena und Matviy bemühen sich, um sich deutsche Begriffe einzuprägen. Wie lange sie in Eckental bleiben, kann derzeit niemand sagen. Ein Dauerzustand soll die Unterkunft bei Beckmanns nicht werden – früher oder später dürften die beiden Gäste eine eigene Wohnung beziehen.

Für wochenblatt-Mitarbeiterin Manuela Beckmann war schnell klar, dass sie hilft: Vor 33 Jahren floh sie selbst über die Prager Botschaft aus der DDR – zwar nicht vor einem Krieg, aber vor der Willkür eines Unrechtsregimes.

Autor:

wochenblatt - Redaktion aus Eckental

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