3 Fragen an die Landratskandidaten FO
So antworten die Kandidaten
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In den Wochen bis zur Wahl wird das wochenblatt die Kandidaten vorstellen, die Landrat im Landkreis Erlangen-Höchstadt oder Forchheim oder Bürgermeister in Eckental, Heroldsberg oder Igensdorf werden wollen.
Den Anfang machen die Bewerber um den Posten des Landrates.
Im Landkreis FO bewerben sich Oliver Flake (CSU), Hanngörg Zimmermann (FW), Martin Distler (Grüne), Alexandra Prechtel (SPD) und Niklas Ott (Die Linke). Alle genannten Kandidaten wurden von der Redaktion angefragt.
Drei Fragen an die Landratskandidaten FO
Im Anschluss an das Kurzportrait geben die Landratskandidaten möglichst kurze, prägnante Antworten auf drei Fragen der Redaktion. Die Fragen der Kandidaten im Landkreis Forchheim lauten:
- Dr. Hermann Ulm hat den Landkreis 12 Jahre lang repräsentiert. Was ändert sich am Stil, wenn Sie dieses Amt übernehmen?
- Obsterzeuger sehen sich zunehmend schwierigen Rahmenbedingungen gegenüber. Soll der Landkreis das Fördern des „Kirschgartens der Metropolregion” beibehalten, ausweiten oder verringern?
- Welche drei Themen außer den oben genannten sind für den Landkreis Forchheim die wichtigsten, zu denen eine Landrätin oder ein Landrat entscheidend beitragen kann?
Oliver Flake (CSU)
Der 1972 in Hessen geborene Diplombraumeister und Master of Engineering für Prozess- und Anlagensicherheit lebt mit Familie seit über 20 Jahren im Ort Kersbach (Stadt Forchheim). Im bisherigen beruflichen Alltag ist er Betriebsberater in der Brau- und Getränkeindustrie und ehrenamtlich für die Meisterschule des Brauer- und Mälzerhandwerks der HWK Oberfranken tätig. Er ist als Vorsitzender des Kreisfeuerwehrverbandes sowie stv. Vorsitzender des Bezirksfeuerwehrverbandes Oberfranken und seit 2015 als Kreisbrandrat für die 121 Feuerwehren und somit für die Gefahrenabwehr im Landkreis Forchheim zuständig.
Oliver Flake antwortet:
- Dr. Ulm ist ein ruhiger, familiärer und bescheidener Mensch. In diesen Eigenschaften sind wir uns sehr ähnlich. Auch ich möchte den Landkreis durch einen ehrlichen, verbindenden Charakter aber dennoch mit klaren Worten und Handeln prägen. Persönlich sehe ich mich als Gestalter und nicht nur als Verwalter. Mir ist immer besonders der menschliche und respektvolle Umgang mit meinen Mitmenschen wichtig. Man muss jedoch klare Ziele und die Richtung vorgeben um die Zielerreichung sicherstellen. Auch bei Widerständen soll man für seine Überzeugung stehen, aber auch gerne Kritik annehmen können und zusammenführen.
- Wir haben eines der größten geschlossenen Süßkirschenanbaugebiete der EU. Auch prägen Hopfen, Äpfel, Zwetschgen und Birnen auf traditionellen Streuobstwiesen sowie in modernen Anlagen unsere Landschaft. Seit Generationen investieren unsere Landwirte in diese Kulturlandschaft und entwickeln sie weiter. Deshalb müssen wir unsere regionale Fachkompetenz stärken. Dies ist geprägt von Anpassungsstrategien, Innovationen und der Förderung der Biodiversität. Die Vermarktung und die Wertigkeit unserer heimischen Produkte darzustellen, muss unser oberstes Ziel sein. Nur so können wir auch die folgenden Generationen davon überzeugen, die Nachfolge in den Höfen anzutreten.
- Eine leistungsfähige Wirtschaftsförderung und schnelle Genehmigungsprozesse für die Bürger sind essenziell. Die Industrie, ein starkes Handwerk und eine zukunftssichere Landwirtschaft sind das Rückgrat für unsere Region. Dies verbunden mit einer hohen Lebensqualität unserer Bürger und insbesondere der Jugend ist unsere Zukunftssicherung. Gerade deshalb müssen unsere Schulstandorte das Aushängeschild unseres Landkreises sein. In Sport, Kultur, Musik, den Rettungsdiensten und Feuerwehren und vielen weiteren Bereichen engagieren sich wunderbare Menschen für das Allgemeinwohl. Dieses Engagement ist der Kitt, der unsere Gesellschaft zusammenhält. Das Ehrenamt ist ein wesentlicher Bestandteil meines Lebens und deshalb ein Herzensanliegen.
Hanngörg Zimmermann (FW)
Der 1967 in Unkel am Rhein geborene Diplom-Kaufmann lebt seit 2005 in Gößweinstein, wo er 2014 ins Amt des Ersten Bürgermeisters gewählt wurde. Seit 2008 war er im Marktgemeinderat, seit 2020 ist er auch im Kreistag tätig. Nach der Ausbildung zum Verwaltungsangestellten und dem anschließenden Studium war er in der Medizintechnik als Geschäftsführer tätig, bevor er beruflich ins Rathaus wechselte. Ehrenamtlich ist er unter anderem in der Feuerwehr in Gößweinstein aktiv.
Hanngörg Zimmermann antwortet:
- Dr. Hermann Ulm hat den Landkreis über viele Jahre mit Engagement, Erfahrung und Verlässlichkeit vertreten und wichtige Entwicklungen angestoßen. Darauf lässt sich gut aufbauen. Mein Stil wird weiterhin von Ruhe, Sachlichkeit und Zusammenarbeit geprägt sein. Zudem bringe ich meine Erfahrung aus Verwaltung und Wirtschaft ein, setze auf klare Prioritäten, transparente Entscheidungen und einen engen Dialog mit Städten und Gemeinden, um den Landkreis gemeinsam zukunftsfähig weiter zu entwickeln.
- Der „Kirschgarten der Metropolregion“ ist ein wichtiger Teil unserer Kulturlandschaft und stärkt zugleich regionale Wertschöpfung und Tourismus. Angesichts steigender Kosten und schwieriger Rahmenbedingungen sollte der Landkreis die Förderung beibehalten und gezielt weiterentwickeln. Entscheidend sind praxisnahe Unterstützung, eine stärkere Vermarktung regionaler Produkte und eine enge Zusammenarbeit mit den Erzeugern, damit der Obstbau wirtschaftlich tragfähig bleibt.
- Für den Landkreis Forchheim sind drei Themen besonders wichtig: gleichwertige Lebensverhältnisse in Stadt und ländlichem Raum, eine moderne und serviceorientierte Verwaltung sowie eine starke regionale Wirtschaft. Entscheidend ist, die finanzielle Handlungsfähigkeit von Landkreis und Gemeinden zu sichern, Planungen verlässlich umzusetzen und Rahmenbedingungen zu schaffen, die Arbeitsplätze erhalten, Infrastruktur stärken und langfristig stabile Perspektiven für alle Generationen ermöglichen.
Martin Distler (Grüne)
Der 1973 geborene Diplom Volkswirt lebt in Eggolsheim, wo er seit 2020 Mitglied des Gemeinderates ist. Martin Distler ist verheiratet und hat zwei Kinder. Er ist Vorstand der SV DJK Eggolsheim, Fachwart Tischtennis Bezirk Mittelfranken Nord, Ehrenvorstand Tischtenniskreis Forchheim und Vorstand des BN Eggolsheim/Hallerndorf. Beruflich ist er für einen britischen Umweltkonzern tätig und leitet dort die Bereiche Infrastruktur und Werksfeuerwehr.
Martin Distler antwortet:
- Ich habe großen Respekt vor der Arbeit von Dr. Hermann Ulm in den vergangenen zwölf Jahren. Mein Ziel ist es, Bewährtes fortzuführen und zugleich eigene Akzente zu setzen. Das bedeutet das: mehr Dialog, mehr Präsenz vor Ort und transparente Entscheidungen. Ich möchte früh zuhören, Kommunen und Mitarbeitende stärker einbinden. Kurz gesagt: weniger Distanz, mehr Austausch – und ein gemeinsamer Blick nach vorn, wie wir unseren Landkreis zukunftsfest weiterentwickeln können.
- Streuobstwiesen, vor allem Kirschen, haben meine Kindheit geprägt. Ich bin mit Ihnen aufgewachsen und kenne Ihre Bedeutung für unsere Region von klein an. Ich bekenne mich klar zur Förderung unseres „Kirschgartens“ und spreche mich dafür aus, gezielt sinnige Erweiterungen durchzuführen. Eine Aufgabe der Streuobstkultur würde bedeuten, wir überlassen unser Kulturgut den zahlreichen Billiganbietern aus Osteuropa und anderen Regionen und verlieren ein Stück Identität. Das kommt für mich nicht in Frage.
- Entscheidend sind die Sicherung der medizinischen Versorgung und der Erhalt unserer beiden Klinikstandorte, eine zukunftsfähige Mobilität mit besserem ÖPNV und eine gute Bildungsinfrastruktur. In all diesen Bereichen kann der Landrat durch Vernetzung, klare Prioritäten und konkrete Projekte entscheidend Impulse setzen.
Niklas Ott (Die Linke)
Der 2001 geborene Student der Energie- und Wasserstofftechnik lebt in Ebermannstadt und ist im Vorstand des Landkreisverbandes seiner Partei.
Niklas Ott antwortet:
- Mit mir als jungem Landrat wird die transparente Zukunftssicherheit in den Vordergrund rücken. Wasserknappheit, Hitzeperioden und die Abhängigkeit von anderen Ländern sind dabei nur einige Beispiele der aktuellen Probleme, die sich über die nächsten Jahre intensivieren werden. Um künftige Krisen gut zu überstehen, gehört dazu eine akribische Vorbereitung von flächendeckenden Maßnahmen.
- Die Förderung von regionalem Obstanbau ist beim Schritt zu mehr Unabhängigkeit unabdingbar. Die Lebensmittelerzeuger des Landkreises müssen geschützt und unterstützt werden, um wettbewerbsfähig sein zu können. Mit mehr Extremwetterereignissen werden die Erträge der Bauern immer weniger, wenn nicht rechtzeitig Gegenmaßnahmen ergriffen werden. In Zeiten des Klimawandels, des Artensterbens und imperialistischer Kriege muss die Förderung ausgebaut werden.
- Für mich ist es eine Schocknachricht gewesen, als ich gelesen habe, dass Kinder auf dem Schulweg von der Wiesenttalbahn am Bahnsteig stehen gelassen werden. Der Grund ist die Überfüllung des Zuges. Den fehlenden Ausbau der Strecke durch mangelnde Fahrgastzahlen zu begründen, während gleichzeitig eine Umgehungsstraße gefordert wird, scheint mir hier unschlüssig. Zudem müssen die Preise fürs Wohnen sinken. Kommunaler Wohnungsbau gehört bezuschusst und Zweckentfremdung von Fördermitteln eingedämmt.
Autor:wochenblatt - Redaktion aus Eckental |
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