Überwältigende Spendenbereitschaft fränkischer Landwirte
Hilfe für vierbeinige Flutopfer

Juniorchef Christian Gebhardt (im Lader) vom Lindelberghof in Letten übernimmt  das knifflige Beladen des Lasters von Jürgen Hagen (hinten rechts, neben Walter Gebhardt), so dass der pünktlich kurz vor Mittag zum Treffpunkt des Hilfs-Konvois starten kann.
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  • Juniorchef Christian Gebhardt (im Lader) vom Lindelberghof in Letten übernimmt das knifflige Beladen des Lasters von Jürgen Hagen (hinten rechts, neben Walter Gebhardt), so dass der pünktlich kurz vor Mittag zum Treffpunkt des Hilfs-Konvois starten kann.
  • Foto: C. Behringer
  • hochgeladen von Christiane Behringer

Nicht nur die Menschen rund um Ahrweiler hat die Flut hart getroffen, auch für viele Tiere ist die Situation heikel: Ställe sind zerstört oder unbrauchbar, Heu- und Strohvorräte sowie das Gras auf den Weiden wurden durch Schlamm, Heizöl und Schmutzwasser verdorben. Natürlich ist auch die Hilfsbereitschaft in der näheren Umgebung groß, viele Bauern haben Futter gebracht oder die "obdachlos" gewordenen Tiere bei sich aufgenommen, doch sie kommen dabei schon jetzt an ihre Grenzen. Die Menschen vor Ort kämpfen aktuell noch um die eigene Versorgung, Bauern sind mit ihren Fahrzeugen im Dauer-Aufräumeinsatz und selbst wenn hoffentlich auch Geldspenden oder Fördermittel eintreffen - die geregelte, tägliche Versorgung der Tiere kann nicht warten. Abgesehen vom Tierschutz hängt auch die Existenz der Landwirte von den Pferden oder Rindern ab, deshalb haben sie in Foren oder persönlich um Hilfe gebeten.

Bauern, Firmen und Speditionen aus dem Landkreis Forchheim folgen dem Hilferuf der Landwirte aus den Flutgebieten und organisieren einen Stroh- und Heutransport. Auch aus dem wochenblatt-Land gingen am Samstag Spenden in einem beeindruckenden Konvoi aus rund 40 Trucks in Forchheim auf die Reise: die Spender Julian Engelhard, Bernd Trummer oder Stefan Schaffer sind vielen Lesern aus "Dialog mit der Landwirtschaft" bekannt.

Normalerweise ist der Willersdorfer Unternehmer Jürgen Hagen mit seinem wesentlich kleineren Schrot-Lastwagen bei den Landwirten unterwegs, dabei hat er von der Spendenaktion im Landkreis Forchheim erfahren. Spontan hat er sich als Fahrer angeboten, ein benachbartes Unternehmen stellt den Laster und seine Frau Erika begleitet ihn. Die enge Ortsdurchfahrt in Letten mit parkenden Autos und das ungewohnt große Fahrzeug bringen ihn nun aber doch ein wenig ins Schwitzen. Doch 30 Bio-Heuballen von Stefan Pieschl aus Igensdorf und Familie Behringer aus Letten warten schon an der Lagerhalle des Bio-Hofes von Familie Gebhardt.

Die beträchtlichen Fahrtkosten - rund 280 Euro allein für Diesel - und die Verpflegung für die lange Fahrt zum Sammelplatz in Kerpen übernimmt Hagen selbst, wie alle Fahrer und Spediteure. Keine Selbstverständlichkeit: normalerweise würde so eine Lieferung (Spedition mit Fahrer) über 1.500 Euro kosten und bei einem Preis von über 40 Euro für einen (beispielsweise 1,60-Meter) Heu-Rundballen ist auch die Spende vieler Bauern einige Hundert Euro wert. Auch am Haselhof bei Pettensiedel gehen von Biomilchbauer Julian Engelhard und Stefan Schaffer aus Görbitz Heuballen auf die Reise ins Flutgebiet. Landwirt Bernd Trummer aus Pommer hat ebenfalls einen LKW gefüllt und eine weitere Ladung steht für die nächste Tour schon bereit.

Die Landwirte Markus Wolf aus Egloffstein, Thomas Dittrich aus Rüssenbach und Max Sponsel aus Leutenbach organisierten trotz der stressigen eigenen Heuernte mit Spediteur Matthias Meixner aus Dietzhof den Transport - statt der ursprünglich geplanten 20 wurden es am Ende 40 Lastwagen. In der Vorwoche hatten sie bereits spontan, auf einen telefonischen Hilferuf aus Erftstadt hin, fünf LKW-Ladungen Stroh dorthin gebracht und dabei den Ernst der Lage selbst erlebt. Um den Haupt-Anlieferplatz in Dietzhof zu entlasten, wurden viele Transporter direkt bei den Landwirten vor Ort beladen. Die Abstimmung von Menge und Ladekapazität, sowie möglichst effektives Beladen, sind eine Herausforderung. "Wir disponieren 40 LKW, und da wird im Minutentakt hin- und hergeschoben.", so Wolf am Freitag.

Ob es eine weitere Aktion geben wird? "Je nach Bedarf und wenn wir wieder ein wenig durchgeatmet haben, ist es durchaus denkbar", so Wolf. Denn die mit Schlamm und oft auch mit Heizöl verseuchten Flächen werden in diesem Jahr wohl kein (besonders für die vielen betroffenen Pferde) brauchbares Futter mehr liefern. Natürlich ist der Transport aufwändig, aber die Bauern im dortigen Umland haben ja auch nicht Unmengen an Futter übrig. Da ist landesweite Solidarität gefragt.

Die beeindruckenden Bilder vom Start des Konvois in Forchheim sind längst viral gegangen. Wer sich das Ganze anschauen möchte: einfach nach "HilfefürNRW" suchen.

Autor:

Christiane Behringer aus Igensdorf

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