3 Fragen an die Kandidaten in der Vier-Schlösser-Gemeinde
So antworten die Heroldsberger Kandidaten

Wer hält die Zügel im Heroldsberger Rathaus (rechts) zukünftig in der Hand?
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  • Foto: A. Unbehaun
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In den Wochen bis zur Wahl wird das wochenblatt die Kandidaten vorstellen, die Landrat im Landkreis Erlangen-Höchstadt oder Forchheim oder Bürgermeister in Eckental, Heroldsberg, Kalchreuth oder Igensdorf werden wollen.

Hier kommen die Bewerber aus Heroldsberg (Jan König, Julian Wehfritz, Udo Stammberger und Hubert Selzle) zu Wort.

Im Anschluss an das Kurzportrait geben die Bürgermeisterkandidaten und die -Kandidatin möglichst kurze, prägnante Antworten auf drei Fragen der Redaktion.

Die Fragen für Heroldsberg lauten:

  1.  Welche Entwicklungsmöglichkeiten hat Heroldsberg bei der Einwohnerzahl und wo sind die Grenzen des Wachstums?
  2. Einzelhandel und Gastronomie sind in Heroldsberg vielfältig aufgestellt. Welche Maßnahmen kann eine Kommune zur Unterstützung dieser Vielfalt treffen?
  3. Heroldsberg ist mit der Gräfenbergbahn gut (wenn auch unzuverlässig) an Nürnberg angebunden. Welche Maßnahmen halten Sie für geeignet, den Verkehr in andere Richtungen zu verbessern?

Jan König, CSU

Jan König, CSU

Der 46-jährige Jan König ist in Eckental aufgewachsen und hat Lehramt an Gymnasien für die Fächer Deutsch und Geschichte an der FAU Erlangen--Nürnberg studiert. Er unterrichtet am Neuen Gymnasium Nürnberg, wo er auch als Fachschaftsleiter und Seminarlehrer für Grundfragen staatsbürgerlicher Bildung junge Lehrkräfte schult.
2004 hat Jan König in Heroldsberg eine neue Heimat gefunden, er hat zwei Söhne im Alter von 16 und 14 Jahren und lebt derzeit getrennt. Er engagiert sich unter anderem als Jugendtrainer oder Betreuer beim Tuspo Heroldsberg, im Partnerschaftsverein sowie bei den Kulturfreunden und leitet seit 2009 den Chor musica sacra in St. Margaretha.
Seit 2014 ist er Mitglied im Marktgemeinderat und seit 2017 Fraktionsvorsitzender der CSU-Fraktion.

Seine Antworten:

  1. Aufgrund der Lage sind die noch zu entwickelnden Flächen für die Marktgemeinde begrenzt. Bei der Ortsentwicklung sind in meinen Augen folgende Maßnahmen denkbar: Nutzung bzw. Schließung bestehender Baulücken, sinnvolle Nachverdichtung, insbesondere auch in Form von Geschosswohnungsbau, Ausweisung neuer Baugebiete. Grundsätzlich muss man bei allen Maßnahmen immer die vorhandene Infrastruktur im Auge behalten. Der Ort darf nur in einer Geschwindigkeit wachsen, die zu keiner Überlastung der bestehenden Einrichtungen und Systeme führt.
  2. Im Grunde genommen kann eine Kommune nur den Rahmen für Gewerbetreibende schaffen. Letztendlich sind es aber die Konsumenten, die mit ihrem Einkaufs- und Freizeitverhalten darüber entscheiden, ob sich ein Laden bzw. eine Gastwirtschaft halten kann. Die Förderung regionalen Vertriebes kann ein Bestandteil kommunaler Förderung sein, evtl. in Form eines regelmäßig stattfindenden Wochenmarktes.
  3. Dem ÖPNV kommt eine entscheidende Rolle zu, wenn es um zukünftige Mobilität geht. Insbesondere eine vernünftige Schnellbus-Anbindung nach Erlangen gilt es hier zu forcieren. In der vergangenen Legislaturperiode wurde vom LRA schon einiges unternommen, um die zuvor völlig unbefriedigende Bus-Situation zu verbessern. Dennoch halte ich eine zusätzliche Schnellbuslinie nach Erlangen für unerlässlich, die nicht in Spardorf/Buckenhof endet, sondern im Süden Erlangens. Dadurch würde auch die Verkehrsbelastung der östlichen Einfallstraßen in Erlangen verringert werden. Zusätzlich muss das Radwegenetz weiter ausgebaut werden.

Julian Wehfritz, B90 / Die Grünen

Julian Wehfritz, B90 / Die Grünen

Julian Wehfritz ist 26 Jahre alt und in Heroldsberg aufgewachsen. 2018 hat er sein 1. Staatsexamen für das gymnasiale Lehramt in den Fächern Mathematik und Musik in Weimar und Jena abgelegt. Seit August desselben Jahres lebt er wieder in Heroldsberg, arbeitet in einer ökologischen Landwirtschaft mit und gestaltet mit Freunden eine landwirtschaftliche Fläche nach den Prinzipien der Permakultur, um nachhaltige Methoden der Lebensmittelerzeugung auszuprobieren. Mit derselben Gruppe gründet er derzeit eine Wohn- und Lebensgemeinschaft. Seit März 2019 leitet er den evangelischen Kirchenchor, eine neu gegründete Jugendgruppe des Bund Naturschutz und engagiert sich im Arbeitskreis „Klimaneutrales Heroldsberg“. Er spielt Klavier und Orgel in der evangelischen Kirche.

Er antwortet auf die Fragen zu Heroldsberg:

  1. Für die Nachkommen der Ortsansässigen wird Wohnraum benötigt. Flächen müssen intelligenter genutzt werden. Der Pro-Kopf-Flächenverbrauch muss sinken. Das hilft Ressourcen einzusparen. Neubauten müssen ökologisch und sozial ganzheitlicher geplant werden. Grund wird günstiger, wenn die Kommune verstärkt als Eigentümer auftritt.
  2. Beispielsweise bei Genehmigungsverfahren neuer Gewerbetreibender soll das Prinzip der Gemeinwohlökonomie als Ansatz für wirtschaftliches, gesellschaftliches und politisches Handeln anhand menschenwürdiger, gerechter, ökologisch nachhaltiger und transparenter Kriterien angewandt werden. Das wachstumsorientierte Leistungsdruck-System kann dadurch ersetzt werden. 
  3. Verkehrsraum muss langfristig neu verteilt werden. Um die Attraktivität von ÖPNV und Radverkehr zu erhöhen, muss dem motorisierten Individualverkehr Raum entzogen werden. Auch innerorts müssen Maßnahmen ergriffen werden, um die vielen kurzen Fahrten mit dem Auto überflüssig zu machen (Ortsbus, Vorrang für Fußgänger und Radfahrer).

Udo Stammberger, Freie Wähler

Udo Stammberger, Freie Wähler

Udo Stammberger, 55 Jahre alt, ist Bankfachwirt und arbeitet als Teamleiter bei der VR Bank Nürnberg, wo er auch dem Betriebsrat vorsitzt. Er ist verheiratet und Vater von zwei erwachsenen Kindern.

In Großgeschaidt ist er 40 Jahre bei der Freiwilligen Feuerwehr tätig, davon war er 18 Jahre deren Kommandant. Er ist aktiv in der Reservistenkameradschaft und im Dorftreff, im Markt Heroldsberg engagiert er sich im Partnerschaftsverein Bóly und Predaia sowie bei den Kulturfreunden. Freizeit und Arbeitsweg gestaltet er gerne sportlich.
Inzwischen blickt Udo Stammberger auf fast 18 Jahre Mitgliedschaft im Marktgemeinderat zurück, seit 2014 ist er 2. Bürgermeister.

Seine Antworten:

  1. Ich bin der Meinung, dass über die heutigen Ortsränder hinaus keine neuen Wohngebiete entstehen sollen. Allein für Mietwohnungsbau sollte ein Baugebiet innerorts ausgewiesen werden. Das Fehlen neuer Baugebiete führt zur Nachverdichtung und Erneuerung alter Gebäude. Ich finde es gut, dass dadurch Leerstand im Kernort und unnötiger Landverbrauch verstärkt vermieden wird. Dazu passt es, dass Kindergartenplätze, Schulkapazitäten, Wasser- und Abwasserversorgung für ein moderates Wachstum der Einwohnerzahl ausgelegt sind.
  2. Ich will unseren örtlichen Einzelhandel gegenüber Onlinehandel und den großen Discountern unterstützen. Dazu sollte die Gemeinde den Einzelhändlern, aber auch Handwerkern, Dienstleistern und Gastronomen in Heroldsberg mehr öffentliche Präsenz verschaffen, zum Beispiel durch Anreize für verkaufsoffene Sonntage, die Einführung eines Wochenmarktes für regionale Produkte unter Einbeziehung der Landwirte und eine gemeinsame Internetplattform.
  3. Erstens: Ich bin für die Einrichtung einer Buslinie von Geschaidt über Heroldsberg und Kalchreuth nach Nürnberg, Am Wegfeld (nähe Metro). Von dort kommt man mit Bussen schneller zum Erlanger Südgelände (Uni, bzw. dem neuen Siemens Campus), nach Fürth und nach Herzogenaurach weiter. Auch zum Nürnberger Westen entstehen dadurch neue Verbindungen. Zweitens: Ich kämpfe für den Bau von Radwegen nach Nürnberg entlang der B 2, nach Buchenbühl und von Kleingeschaidt nach Günthersbühl, um weiter nach Lauf bzw. Behringersdorf zu kommen.

Hubert Selzle, SPD

Hubert Selzle, SPD

Der Fraktionsvorsitzende der SPD Heroldsberg wird kurz vor der Kommunalwahl 58 Jahre alt, ist verheiratet und hat zwei Kinder im Alter von 27 und 31 Jahren. Als Teamleiter bei der Deutschen Post AG leitet er den Zustellstützpunkt in Heroldsberg. Seit Gründung der Basketballabteilung des Tuspo Heroldsberg ist er dort Abteilungsleiter und trainiert seit 18 Jahren sehr erfolgreich die Herrenmannschaft.
Seit knapp 24 Jahren ist Hubert Selzle Marktgemeinderat und Mitglied im Bauausschuss, seit 12 Jahren Fraktionsvorsitzender der SPD im Marktgemeinderat Heroldsberg, seit 1996 im Vorstand der SPD Heroldsberg.

Er antwortet auf die Fragen wie folgt:

  1. Da Heroldsberg durch seine Lage begrenzt ist, kann es nur noch um ca. 20 % wachsen. Wir wollen dem Bau von Mehrfamilienhäusern, dem Mietwohnungsbau und dem sozialen Wohnungsbau Vorrang geben. Die Gewerbeflächen wollen wir nachhaltigen, emissionsarmen und zukunftsorientierten Betrieben bereitstellen und dabei ansässige Betriebe bevorzugen.
  2. Um das wertvolle Angebot von Dienstleistern, Handwerkern, Gastronomen und Künstlern zu unterstützen, wollen wir unter anderem das Straßenfest für die Heroldsberger Geschäftsleute wieder attraktiver machen, einen lang ersehnten „Gewerbestammtisch“ und einen „Öko-Stammtisch für lokale Erzeuger“ einführen und auch ein Marketing-Konzept beauftragen.
  3. Wir wollen die Taktfrequenz der Gräfenbergbahn erhöhen, zusammen mit dem Landkreis den Busverkehr Richtung Erlangen verdichten und im Ort ein Anschlusssammeltaxisystem auch für die Ortsteile einführen. Darüber hinaus sollen innerorts die Fuß- und Radwege sicherer und außerorts besser ausgebaut und vernetzt werden.
Autor:

wochenblatt - Redaktion aus Eckental

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