Drei Fragen an die Herolds­berger Kandidaten
Hier sind die Antworten

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In den Wochen bis zur Wahl wird das wochenblatt die Kandidaten vorstellen, die Landrat im Landkreis Erlangen-Höchstadt oder Forchheim oder Bürgermeister in Eckental, Heroldsberg oder Igensdorf werden wollen. Einen Überblick über die Parteien, Gruppen und Kandidaten veröffentlichte die Redaktion in Ausgabe 04/2026 auf Seite 14 sowie auf hier auf wochenklick.

Den Anfang machten vor zwei Wochen die Landratskandidaten, vergangene Woche kamen die Bewerberinnen und Bewerber um das Bürgermeisteramt in Eckental zu Wort: Sebastian Singer (CSU), Gerhard Wölfel (FW), Astrid Marschall (Grüne), Felix Zosel (UBE) und Sara Kircher (die Linke).

In dieser Ausgabe sind die Kandidaten für Heroldsberg und Igensdorf an der Reihe. Im Markt Igensdorf ist Edmund Ulm der einzige Kandidat, in Kalchreuth wird 2026 kein neuer Bürgermeister gewählt, weil Otto Klaußner erst vor zwei Jahren ins Amt kam.

Drei Fragen an die
Herolds­berger Kandidaten

Im Anschluss an das Kurzportrait geben die Bürgermeisterkandidaten Antworten auf drei Fragen der Redaktion. Die Fragen für Heroldsberg lauten:

  1. Wohnen ist besonders in Heroldsberg eine Kostenfrage. Wo und wie kann und soll die Gemeinde dafür sorgen, dass „bezahlbarer Wohnraum” entsteht – ganz allgemein, für Einheimische oder bestimmte Bevölkerungsgruppen?
  2. Die Einnahmen der Kommune hängen relativ stark vom Gewerbesteueraufkommen weniger Unternehmen ab. Wie kann man diese Basis verbreitern und stabilisieren?
  3. Gesunkene Einnahmen und steigende Kosten verringern auch im Markt Heroldsberg die finanziellen Spielräume. Wo müssen jetzt Abstriche zugemutet werden – und wo muss man allen Sparzwängen zum Trotz über reine Pflichtaufgaben hinaus investieren?

Jan König (CSU)

Jan König, CSU | Foto: Christian Poellmann

Der 1973 geborene Jan König ist in Eckental aufgewachsen und hat 2004 in Heroldsberg eine neue Heimat gefunden. Nach dem Studium der Fächer Deutsch und Geschichte unterrichtete er am Neuen Gymnasium Nürnberg, war Fachschaftsleiter und Seminarlehrer für Grundfragen staatsbürgerlicher Bildung. Ehrenamtlich engagierte er sich zeitweise beim Tuspo Heroldsberg, aktuell im Partnerschaftsverein sowie bei den Kulturfreunden. Seit 17 Jahren leitet er den Chor musica sacra in St. Margaretha und seit 2022 rollt er aktiv bei den Hero City Rollers. Seit 2014 war er Mitglied im Marktgemeinderat und seit 2017 Fraktionsvorsitzender der CSU-Fraktion. Im Mai 2020 wurde er ins Amt des Ersten Bürgermeister von Heroldsberg gewählt sowie in den Kreistag Erlangen-Höchstadt.

Jan König antwortet:

  1. Ziel für die kommende Wahlperiode ist es, zum einen auf gemeindlichen Grundstücken, wie zum Beispiel in der Mühlstraße, zusammen mit der GEWOLand einkommensorientiert geförderten Wohnraum zu schaffen. Hierfür soll Geschosswohnungsbau errichtet werden, um die vorhandenen Flächen sinnvoll auszunutzen. Zum anderen unterstützen wir Bauwerber, die Geschosswohnungsbau planen, da wir dringend diese Art von Wohnraum brauchen. Zielgruppe sind primär alle Heroldsbergerinnen und Heroldsberger: Junge Erwachsene sollen die Möglichkeit haben, im Ort zu bleiben und ihren Weg in die Eigenständigkeit gehen zu können, für ältere Menschen soll es möglich sein, ihren Wohnraum zu verkleinern, und Familien sowie Alleinerziehende sollen hier bei uns eine bezahlbare Wohnung finden können.
  2. Bereits in der aktuellen Wahlperiode haben wir die Weichen gestellt für ein neues Gewerbegebiet direkt an der B2 auf einer Teilfläche des ehemaligen Gewerbegebiets Süd-Ost. Hier sollen Flächen geschaffen werden, um potenzielle neue Gewerbesteuerzahler nach Heroldsberg zu bringen bzw. ortsansässigen Firmen die Möglichkeit zu geben, ihren Betrieb zu verlagern oder zu erweitern. Zudem gilt es, den Hebesatz im Auge zu behalten bzw. gegebenenfalls anzupassen, um zu verhindern, dass Gewerbesteuerzahler abwandern.
  3. Aufgrund der finanziellen Rahmenbedingungen sehen wir uns gezwungen, unser Augenmerk vor allem auf die Erfüllung unserer Pflichtaufgaben zu richten. Investitionen darüber hinaus sind auf absehbare Zeit schlichtweg utopisch – auch hinsichtlich einer erforderlichen Genehmigung durch unsere Aufsichtsbehörde. Wir werden nichts unversucht lassen, unsere freiwilligen Leistungen im Rahmen unserer finanziellen Möglichkeiten weiter aufrecht zu erhalten, können aber nicht garantieren, dass dies auf Dauer vollumfänglich möglich ist. 


Andreas Nausner (Grüne)

Andreas Nausner, Grüne | Foto: Privat

Der 1965 im österreichischen Ried im Innkreis geborene Andreas Nausner lebt seit 25 Jahren mit seiner Familie in Heroldsberg. Seit 2022 bringt er sich als Gemeinderat und Fraktionsvorsitzender der Grünen in die Kommunalpolitik ein. Ehrenamtlich begleitet er den Kinderchor „Couerchen” in St. Margaretha musikalisch und ist im Arbeitskreis Klimaneutrales Heroldsberg sowie beim Energiestammtisch aktiv. Beruflich leitet er bisher eine gemeinnützige Schuldner- und Insolvenzberatungsstelle in Nürnberg und ist beim Caritasverband Erlangen in der Beratung tätig.

Andreas Nausner antwortet:

  1. Um bezahlbaren Wohnraum zu schaffen, sollte auf gemeindeeigenen Grundstücken der Bau von Sozialwohnungen umgesetzt werden – etwa in der Mühlstraße oder am Feuerwehrhaus. Voraussetzung dafür ist die Verfügbarkeit entsprechender Fördermittel für den sozialen Wohnungsbau. Der Mietwohnungsbau sollte sich an den Bedürfnissen der Menschen orientieren. Besonders wichtig ist der Wohnraumbedarf für ältere Menschen, die sich verkleinern möchten. Dadurch kann Wohnraum für nachfolgende Generationen frei werden – vor allem für Familien. Einheimischen-Modelle oder Mehr-Generationen-Häuser sind weitere Möglichkeiten, damit Menschen in jeder Lebensphase in Heroldsberg passenden Wohnraum finden.
  2. Die aktuelle Schwächephase der Wirtschaft trifft viele Kommunen. Solange dies anhält, wird es kaum schnelle finanzielle Verbesserungen geben. Das neu geplante Gewerbegebiet Süd-Ost bietet die Chance, unterschiedliche Branchen anzusiedeln. Ein genossenschaftlich errichteter Solarpark wäre ebenfalls ein Beitrag für mehr Wertschöpfung vor Ort. Beides kann helfen, zukünftig stabilere Gewerbesteuereinnahmen für die Gemeinde zu erzielen. Ebenso wichtig ist es, unsere Gewerbetreibenden, Handwerker und Dienstleister zu stärken. Sie tragen maßgeblich zur Attraktivität von Heroldsberg bei.
  3. Gegenwärtig zwingt uns die Haushaltssituation zum Handeln. Wir müssen alle Ausgaben daraufhin prüfen, wo Einsparungen möglich und verantwortbar sind. Im Bereich der Kinderbetreuung haben wir über Jahre hinweg einen Personalschlüssel über dem gesetzlichen Mindeststandard gehalten – vorbildlich, aber nicht dauerhaft aufrechtzuerhalten. Klar ist: Wer von möglichen Einsparungen betroffen ist, muss rechtzeitig einbezogen werden. Die Sanierung der Wasser- und Abwasserinfrastruktur ist eine Aufgabe, die angegangen werden muss. Die Finanzierung sollte so gestaltet sein, dass der Haushalt nicht zusätzlich belastet wird. Für den Zusammenhalt in Heroldsberg ist das vielfältige ehrenamtliche Engagement unverzichtbar. Das möchte ich weiterhin tatkräftig unterstützen.


Jan Urbanczyk (Die Linke)

Jan Urbanczyk, Die Linke | Foto: Privat

Jan Urbanczyk wuchs in Heroldsberg auf. Er besuchte den Kindergarten in Großgeschaidt, die Grundschule in Heroldsberg und später das Gymnasium Eckental. Nach der Schule absolvierte er die Ausbildung zum Notfallsanitäter. Anschließend arbeitete er auf einer Intensivstation und im Rettungsdienst, wo er während seines Medizinstudiums weiterhin tätig ist. Die Erfahrungen aus seiner Arbeit haben ihn motiviert, gegen – oft versteckte - Armut vorzugehen.

Jan Urbanczyk antwortet:

  1. Heroldsberg hat keinen offiziellen Mietspiegel. Dadurch können sich Mietende schlecht gegen überhöhte Mieten wehren. Das muss sich ändern! Wohnen ist ein Grundbedürfnis und darf nicht für Profitstreben missbraucht werden. Auf dem freien Markt setzt sich durch, was die höchste Rendite bringt, nicht was den Menschen nützt. Besonders mit begrenztem Platz braucht es anständige Wohnungen zu guten Preisen statt Luxusapartments. Deshalb setze ich mich dafür ein, dass Bauflächen an gemeinwohlorientierte Gesellschaften wie die GEWOLand vergeben werden.
  2. Auch Geschäfte leiden unter steigenden Mieten und gehen ein. Um das zu stoppen, soll Heroldsberg langfristig nach dem Vorbild der Stadt Ulm Flächen zu fairen Preisen für ein gesundes Ortsleben anbieten. Bessere Arbeitsbedingungen sollen keinen Wettbewerbsnachteil bringen. Die Linke setzt sich dafür ein, dass die Kommune Aufträge nur noch an Unternehmen mit Tarifvertrag vergibt anstatt an jene Firmen mit den niedrigsten Löhnen.
  3. Sparen könnte man vor allem bei Politikergehältern. Deshalb habe ich mich verpflichtet, mein Einkommen auf ein durchschnittliches Facharbeitergehalt zu deckeln. Das Geld, das übrig bleibt, fließt in einen Sozialfonds, wie es Die Linke in Erlangen und Nürnberg schon macht. Sparen werde ich bei Steuergeschenken an Konzerne. Der Unterbietungswettbewerb zwischen den Kommunen bei der Gewerbesteuer schadet am Ende allen. Es gibt in Heroldsberg große Firmen, denen planerisch sehr weit entgegen gekommen wurde. Sie sollen sich nun daran beteiligen, dass Heroldsberg lebenswert bleibt. Ich stelle mich gegen Kürzungen bei Kitas und dem Schlossbad. Wer bei der Jugend und Gesundheit spart, erntet später viel höhere Kosten.
Andreas Nausner, Grüne | Foto: Privat
Jan Urbanczyk, Die Linke | Foto: Privat
Jan König, CSU | Foto: Christian Poellmann
Autor:

wochenblatt - Redaktion aus Eckental

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