Kolumne "Kunst und Kultur und Klick = KuK und Klick"
KuK und Klick auf einen Blick - bei uns im wochenklick-Land bis hinterm Horizont: LUTHER KULTURWANDERWEG

Lutherworte auf dem Luther-Kultur-Lebenswanderweg im fränkischen Steigerwald ... "Geh weider!" sagt der Franke
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  • Lutherworte auf dem Luther-Kultur-Lebenswanderweg im fränkischen Steigerwald ... "Geh weider!" sagt der Franke
  • Foto: M.Schi.
  • hochgeladen von Annegret Schildknecht

Liebe Leser, Vorleser und Zuhörer,

herzlich willkommen bei meiner neuen Kolumne 
"KuK und Klick auf einen Blick – bei uns im wochenklick-Land
bis hinterm Horizont"!

Das schöne Herbstwetter und eine Ausflugsempfehlung in der BR2-Radiosendung „Rucksack-Radio“ haben mich und meinen Mann am Reformationstag, Samstag, 31. Oktober 2020, auf einen Kultur-Wanderweg mit den Gedanken Luthers eingeladen.
Der sogenannte Luther-Kultur-Wanderweg wurde von der Kirchengemeinde Markt Nordheim im Steigerwald angelegt, auf dem die Wanderer/Spaziergänger einem Weg mit Denkmal-Lutherzitaten folgen können. Diese sollen anregen, über das Leben im allgemeinen und im individuellen Einzelfall nachzudenken unter dem Motto:
„Das Leben … ist nicht ein Sein, sondern ein Werden ….
Es ist nicht das Ende, es ist der Weg.“

An diesem Reformationstag, der ein goldener Oktobertag war, erfreute uns die Natur mit ihren herbstlichen Farben, die liebliche, im Sonnenschein gelegene Steigerwald-Landschaft, der kleine Ort Markt Nordheim mit seiner alten Kirche St. Georg, die Weinberge, die in grün, gelb und roter Farbe schwelgten und in der Sonne, die an diesem Tag nochmal alles gegeben hat, glänzten und leuchteten. Dieser bunte Herbsttag hat mit seinem Spiel der Farben vor einem blau-weißen Himmel nochmal alles gegeben und zusammen mit der schönen Wanderung auf dem Luther-Zitaten-Weg Körper, Geist, Seele und Herz erfreut.
Einige Fotos von meinem Mann sind hier im Anhang zur Illustration zu sehen.

Im Zusammenhang mit dem Reformationstag und dem Reformator Martin Luther kam mir eine kleine Geschichte aus einem Heft in den Sinn, das ich vor ein paar Jahren bei einem Besuch in Wittenberg im Museum des Wohnhauses der Familie Luther, dem Schwarzen Kloster, gekauft hatte. Darin erzählt Katharina von Bora, so als wenn wir uns im persönlichen Gespräch gegenübersitzen würden, ihre vielen Lesern, Vorlesern und Zuhörern bekannte Lebensgeschichte, aber mit ihren Worten, und das, finde ich, macht den besonderen Reiz des Textes aus, den ich hier auszugsweise, von mir leicht überarbeitet und um die Luther-Zitate erweitert, wiedergebe. Autor des Originaltextes ist Pastor William Graffam (alle Rechte für Schulen, Kirchen und gemeinnützige Vereine sind freigegeben).

Käthe Luther erzählt
Vor meiner Heirat mit Dr. Martin Luther hieß ich Katharina von Bora, geboren am 29. Januar 1499. Mit sechs Jahren kam ich in eine Klosterschule, wo ich mit 16 Jahren zur Nonne geweiht wurde. Im Nonnen-Kloster hatte die Frau das Wort, in der Regel die Äbtissin, was draußen in der Welt nicht der Fall war, wo nur die Männer etwas zu sagen hatten, auch dann, wenn sie weniger von der Sache verstanden als die Frauen. 
Zu der Zeit entdeckte Martin, mein späterer Ehemann, der Professor für Biblische Theologie an der Universität in Wittenberg war, dass man direkt mit Gott reden kann und soll. Weder Papst noch Bischof noch Priester sollten dazwischen geschaltet werden. Seine Gedanken fasste er in 95 Thesen zusammen, die er 1517 an das Tor der Schlosskirche in Wittenberg schlug. Damit zerschlug er die ganze wirtschaftliche, politische und kirchliche Macht jener Zeit. Aber er hatte nicht nur das Richtige gesagt, sondern es auch zur richtigen Zeit gesagt.
Ein neues Zeitalter war im Anbruch: die „Renaissance“ oder auf Deutsch „Neugeburt“. Jetzt hieß es:
„Auf Erden soll man leben, nicht den Körper strafen, sondern pflegen,
nicht tun, was andere sagen und befehlen,
sondern allein entscheiden und verantwortlich handeln.“

Und es hieß: „Wer die Bibel hat, hat alles, was er braucht.“

Meine Klosterschwestern und ich waren begeistert von den neuen Thesen. Wir wollten, dass die Mauern um uns herum fallen und wir wollten hinaus in die Freiheit. Wir waren mutig und schrieben an Dr. Martin Luther, dass er uns dabei helfen solle. Und er tat es und ließ für uns zwölf Nonnen, die wir uns einig waren, zwölf Fässer im Kloster abliefern, in denen wir dann hinausgeschmuggelt wurden. Auf Anordnung von Luther wurden wir von Leonhard Koppe mit seinem Fuhrwerk nach Wittenberg gebracht. Wir waren frei!
Dort wurden wir auf Wittenberger Familien verteilt. Ich kam ins Haus des berühmten Malers Lucas Cranach, einem der besten Freunde Dr. Luthers, und seine Frau wurde meine Freundin. Bald wurde klar, dass meine Mitschwestern und ich, mittellos wie wir waren, uns durch eine Heirat absichern mussten. Das war kein einfacher Schritt für mich und meine Klosterschwestern. Aber glücklicherweise waren die Möglichkeiten für uns, einen passenden Ehemann zu finden, in der Universitätsstadt Wittenberg, die zu der Zeit ein geistiges und kulturelles Zentrum war, besonders gut. Nach einigem Hin und Her erklärte ich mich bereit, Dr. Luther zu heiraten, obwohl er ziemlich ungepflegt und nur ein mittelloser, entlaufener Mönch aus dem Bauernstand war, wohingegen ich aus einer adligen Familie stammte.
Alle waren entsetzt von meiner Wahl, aber Martin hat meinen Mut bewundert. Dann hat er sich mehrmals gebadet und erklärt, dass er mich heiraten wolle, was dann am 13. Juni 1525 auch geschah.
Am Anfang haben wir uns nur gegenseitig bewundert. Ich gefiel ihm nicht nur als Mensch, sondern auch als Frau, und für mich hatte er so wunderbare, ausdrucksstarke Augen, und dazu viel Geist und Mut. Aber er war sehr ungepflegt und auch sehr unordentlich; das musste er nun für mich ändern. Bis zu unserer Heirat lebte er mit seinem Hund Tölpel alleine in einem ziemlich baufälligen Klostergebäude und seine Gewohnheiten wie auch sein Verhalten waren dementsprechend. 
Nach meiner Meinung brauchte er eine Frau, und vielleicht hatte Gott mich dazu bestimmt, so dachte ich. Leider war Martin auch ziemlich krank, denn er war nicht gut mit sich und seinem Körper umgegangen. So habe ich ihn mit Hilfe von Ärzten gepflegt und ihm alles erdenklich Gute getan.
Aber als erstes habe ich seinen verfaulten, übel riechenden Strohsack, auf dem er jahrelang gelegen hatte, verbrannt und durch eine ordentliche Matratze und ein Federbett ersetzt. Dann musste er heiße Bäder nehmen und heiße Getränke trinken, um zu schwitzen, und ich habe ihn viel massiert und ihm Medikamente gegeben, deren Heilkraft ich im Kloster kennengelernt hatte. Am Ende roch alles nach Seife, auch Martins Hund Tölpel, der bis dahin noch nie Seife gesehen hatte, musste dran glauben und wurde mit Seife gewaschen und gebadet.

Man denkt ja eigentlich, wenn man heiratet, dass man einen starken Mann und Beschützer bekommt. Es ist aber oft so, dass wir Frauen ein pflegebedürftiges grosses Kind bekommen!

Am Tag pflegte ich meinen Martin und in der Nacht nahm ich ihn in meine Arme. Dank meiner guten Pflege wurde er jeden Tag kräftiger und gesunder. Und eines Tages stand Martin auf und ging voller Tatendrang an die Arbeit. Wir hatten es geschafft! Martin arbeitete und arbeitete und er sagte:
"Der Mensch ist für die Arbeit geschaffen wie der Vogel zum Fliegen."
Nach einiger Zeit, vielen Kämpfen und auch lautstarken Auseinandersetzungen überließ er mir schließlich die Führung des Hauses. Er sah notgedrungen ein, dass ich eine gebildete Frau war, mit der man nicht nur gut reden und diskutieren konnte, sondern die es auch verstand, gut zu wirtschaften. So ließ er mich die Herrin in Haus und Garten, auf den dazugekauften Feldern und dem Gut und in der von mir aufgebauten häuslichen Bierbrauerei sein. Er sah ein, dass es so für uns alle besser war und sagte:
"Eine jegliche Person in der Ehe soll ihr Amt tun, das ihr gebührt."

Weil ich so geschäftstüchtig und doch auch resolut war, nannten mich Viele anerkennend und  ein bißchen ehrfürchtig "die Lutherin". Aber mein Martin nannte mich „den Morgenstern von Wittenberg“, weil ich morgens immer als erste aufstand und an die Arbeit in Haus und Garten ging. Manchmal nannte er mich neckend sogar „Herr Käthe“ und er hörte auf mich und ging nicht nur in seine Studierstube, sondern auf meinen „Befehl“ hin auch in den Garten. Dort pflanzte er seine Apfelbäume und meinte, im Garten wäre er seinem Gott besonders nahe. Dort soll er auch den viel zitierten Spruch gesagt haben:
"Wenn ich wüsste, dass morgen die Welt unterginge,
würde ich heute noch ein Apfelbäumchen pflanzen“
.

Sechs Kinder habe ich Martin Luther geboren und wir jubelten über jedes Einzelne. So war Martin nicht nur der Professor für Theologie und der Reformator mit einem großen Interesse an der Politik, sondern auch liebevoller Ehemann und Vater, und alles zusammen bekam ihm sehr gut. Wir bewunderten nicht nur einander, sondern wir liebten uns sehr, denn ohne Liebe hätten wir das alles nicht füreinander getan und miteinander geschafft.
Zum Thema Leben, Glaube und Liebe sagte Luther:
"Glaube ohne Liebe ist nichts wert."

So schön unser Familienleben auch war, so lebten wir doch nicht nur für die Familie. Nein, unser Haus war voll von Neffen und Nichten, aus den Klöstern in die Freiheit entlaufenen Nonnen und Mönchen, mittellosen Flüchtlingen und sehr vielen Studenten. Jeder war bei uns am Tisch willkommen und manchmal waren es fünfzig oder mehr, denn wir hatten ja die Klostergebäude in eine Schule und in ein Studentenwohnheim umgebaut. Die Studenten haben Martin alles Mögliche gefragt und seine Antworten niedergeschrieben. Daraus sind die berühmten Luther-Tischreden entstanden, die einige Bücher füllen.

1544 wurde mein Mann dann wieder körperlich krank ... und manchmal war er, wie sonst auch schon mal hin und wieder, depressiv verstimmt. Besonders gut tat es uns dann, zu singen, wir alle miteinander, besonders gern sein Lied "Ein feste Burg ist unser Gott ...". Einmal sagte er:
"Musik ist die beste Stärkung für einen betrübten Menschen. Dadurch wird das Herz wieder zufrieden, neu belebt und erfrischt."
und:
"Wer mit dem Geist der Traurigkeit geplagt wird, der soll aufs höchste sich hüten und vorsehen, dass er nicht allein sei."

1546 fuhr er, um einen Streit zu schlichten, trotz Krankheit nach Eisleben, wo er am 18. Februar 1546 starb. Vor seinem Tod hat er in sein Testament geschrieben: „Dich, Käthe, setze ich zur Universalerbin ein. Du hast unsere Kinder getragen. Du wirst ihre Sache nicht zu ihrem Nachteil führen.“
Aber das war zu der Zeit nicht erlaubt, nach dem Gesetz durften nur die Söhne, nicht die Ehefrau, alles erben. Aber ich habe das nicht akzeptiert, ich habe gekämpft und sogar Prozesse geführt und am Ende habe ich - Gott sei Dank! - gewonnen.
„Eine Mutter kann für sieben Kinder sorgen – aber sieben Kinder nicht für eine Mutter!“, so hieß es damals und im Volksmund heißt es auch heute noch so.

Das Schönste, das einmal über mich gesagt worden ist, hat ein Professor Kroker geschrieben:
„Der gewaltige Doktor Martinus, dessen Geist in uns lebt, hätte keiner Katharina von Bora bedurft, um die welt-und kirchengeschichtliche Persönlichkeit zu werden, die er geworden ist; aber der einfache, liebe Mitmensch Martin wäre undenkbar ohne seine Frau Käthe.“

Im Alter von 53 Jahren bin ich, Luthers Frau, Katharina von Bora, am 20. Dezember 1552 gestorben, als Folge einer Verletzung und schweren Erkältung, die ich mir auf der Flucht während des Kriegs zugezogen hatte.
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Liebe Leser, Vorleser und Zuhörer,
geniessen Sie das Gute und Schöne, auch unter den Einschränkungen durch den Corona-Teil-Lockdown ab Montag nächster Woche.
Auf jeden Fall möchte ich mich bemühen, meine sozialen Beziehungen auch unter den derzeitigen erschwerten Bedingungen nicht abreißen zu lassen und ein offenes und ein helfendes Ohr zu haben nach dem Motto "Zuhören und Helfen". Und wer möchte, kann nach wie vor das von mir initiierte, durchgeführte und von der Gemeinde Eckental und dem wochenblatt unterstützte Corona-Angebot

"Offenes/Helfendes Ohr mit Herz und Verstand"

nutzen und sich bei Gesprächsbedarf telefonisch mit mir, einer zur Verschwiegenheit verpflichteten ehrenamtlichen Klinikseelsorgerin, in Verbindung setzen, und zwar nicht nur unter der von der Gemeinde Eckental und dem wochenblatt eingerichteten Sondernummer, sondern auch, wie bisher bereits geschehen, unter meiner privaten Telefonnummer.
Wenn Sie möchten, können wir über alles reden, also auch ganz einfach über "Gott und die Welt".

Bleiben Sie gesund, körperlich und seelisch, und, trotz aller derzeitigen coronabedingten Widrigkeiten, voller Hoffnung, Zuversicht und Lebensfreude!
Ade und Tschüss! 
Herzlich
Annegret Schildknecht

Hinweis:
Alle Beiträge zu meinen digitalen Lese- und Vorlesestunden für Alt und Jung
als Ersatz für coronabedingt nicht mögliche Präsenz-Vorlesestunden
und zu meiner neuen Kolumne "KuK und Klick" sind hier
(bitte anklicken) sowie unter: https://www.wochenklick.de/tag/vorlesen
Hinweis: Meine angekündigte erste fotounterstützte virtuelle Vorlesestunde für Klein und Groß in Form eines Videos folgt in Kürze hier im wochenklick.
Hinweis: Meine Beiträge kommen im Seniorenzentrum Martha-Maria durch die Sozialbetreuung und im evangelischen Kindergarten Eckenhaid durch die Erzieherinnen zum Einsatz. Außerdem sind sie auf der Homepage der Friedenskirche Eckenhaid zu finden.
Hinweis: Das Copyright für Fotos mit der Angabe "M.Schi." liegt bei:
Dr. Manfred Schildknecht

Autor:

Annegret Schildknecht aus Eckental

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