Positive Bilanz für Impfzentrum Erlangen
Erst fehlte Impfstoff, jetzt fehlen Impfwillige

Gut beobachtet: Bei 340.000 Impfungen sind im Wartebereich nur 59 Mal Befindlichkeits-Probleme aufgetreten, die gleich vor Ort gelöst werden konnten.
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  • Gut beobachtet: Bei 340.000 Impfungen sind im Wartebereich nur 59 Mal Befindlichkeits-Probleme aufgetreten, die gleich vor Ort gelöst werden konnten.
  • Foto: Uwe Rahner
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Die Zwischenbilanz für das Impfzentrum Erlangen fällt bestechend positiv aus: Dies konnten am Mittwoch in einer Pressekonferenz die Verantwortlichen der Stadt Erlangen, des Landkreises Erlangen-Höchstadt und des gemeinsam betriebenen Impfzentrums in der Erlanger Sedanstraße berichten.

Ende 2020 begannen in Bayern nach Zulassung des ersten Impfstoffs die Corona-Impfungen. Für insgesamt 254.000 Einwohner (knapp 140.000 im Landkreis und 114.000 in der Stadt) wurde in kurzer Zeit das gemeinsame Impfzentrum eingerichtet. Allerdings war Impfstoff knapp und reichte zunächst nur für die mobilen Teams des Impfzentrums, die Senioreneinrichtungen ansteuerten, sowie für Kliniken, Rettungskräfte und medizinisches Personal. Erst seit 25. Januar wurde genug geliefert, um – streng nach Priorisierung – auch im Impfzentrum selbst zu impfen.

Mit zunehmenden Liefermengen stieg die Zahl der Impfungen, nach Ostern wurden zusätzlich die drei „Satelliten“ in Eckental, Herzogenaurach und Höchstadt als Außenstellen des Impfzentrums eröffnet. Im Frühsommer konnten zeitweise 2.000 Impfdosen täglich verabreicht werden. Inzwischen sind die Zahlen wieder auf das Niveau von Ende Januar und Anfang Februar gesunken, Mitte September wurden die Außenstellen aufgrund geringer Frequenz wieder geschlossen.

Zehn Prozent fehlen noch für eine ausreichende Impfquote

„Eine richtige gemeinsame Entscheidung“, betont Landrat Alexander Tritthart, genau wie im Frühjahr das Einrichten der Außenstellen sowie die das Konzept, dass das gemeinsame Impfzentrum von der Stadt Erlangen betrieben wird. Er selbst wurde in Eckental geimpft, der Betrieb dort lief „genauso toll wie in Erlangen“, wofür er allen Beteiligten des Gesamtprojektes großen Dank aussprach. Bedenklich sei allerdings der schnelle Sinneswandel: Anfangs war ein großer Hype um die Frage, wer an die Reihe kommt, ein halbes Jahr später müsse man den Menschen fast hinterherlaufen, um eine ausreichende Quote zu erreichen.

„Zehn Prozent fehlen noch“, bestätigt Bodo Birk von der Koordinierungsgruppe im Kulturamt Erlangen. Wenn man die Statistik auf die über 12-Jährigen beschränkt und betriebliche Impfungen (die beim Impfzentrum nicht exakt erfasst sind) einbezieht, erreiche man zwar vorsichtig geschätzt eine Impfquote über 75%. Nach dem Monitoring des Impfzentrums sind 67,5% der Gesamtbevölkerung vollständig geimpft – und damit zu wenig. Laut RKI sollten mindestens 85% der 12- bis 59-Jährigen und 90% der über 60-Jährigen vollständig geimpft sein, um COVID 19 in den kommenden Monaten zu kontrollieren.

Über 340.000 Impfdosen wurden in Stadt und Landkreis inzwischen verabreicht, davon 177.500 vom Impfzentrum inklusive Außenstellen, 142.000 in Arztpraxen und 20.500 in Kliniken. Fast 300.000 dieser Impfungen erfolgten mit dem BioNTech-Vakzin. In Spitzenzeiten waren 300 Personen mit Organisation und Durchführung beschäftigt, derzeit sind es noch etwa 150. Ohne die Personalkosten der Stadt Erlangen kostete der Betrieb des Impfzentrums bis zu 1 Mio. Euro im Monat. Diese Kosten werden über den Freistaat letztlich vom Bund getragen, erläutert Erlangenes OB Florian Janik, aber von der Stadt vorgestreckt. Er hoffe sehr, dass man später bei der Abrechnung nicht für jeden unter Zeitdruck ausgegebenen Cent der schnell aufgebauten „Großorganisation“ die Vergabekriterien belegen müsse: „Bereichert haben wir uns nicht“.

Medizinische Komplikationen gehen gegen Null

Auch aus medizinischer Sicht ist die Arbeit sehr gut gelaufen. Zunächst sei man stolz darauf, dass keine einzige Impfdosis verfallen ist, bei Bedarf wurde bis spät abends geimpft, um alles zu nutzen, erklärt der ärztliche Leiter Dr. med. Hans Joachim Drossel.

Körperliche Impfreaktionen im Impfzentrum wurden genau dokumentiert: Bei nur 59 von 340.000 Impfungen wurden während der anschließenden Beobachtungszeit Probleme geäußert, die in sämtlichen Fällen durch die ASB-Fachkräfte gleich vor Ort gelöst werden konnten. Seine Stellvertreterin Dr. Carina Knobloch ergänzt, dass dem Impfzentrum direkt keinerlei längerfristige Impfkomplikationen gemeldet wurden. Sollten außerhalb des Impfzentrums Nebenwirkungen oder Impfkomplikationen im zeitlichen Zusammenhang mit COVID 19-Impfungen auftreten, sind diese schon bei Verdacht meldepflichtig und aktenkundig.

Sämtliche Fälle werden vom Paul-Ehrlich-Institut dokumentiert und wurden am 19. August frei zugänglich veröffentlicht. Die extreme Seltenheit des Auftretens etwa von Myokarditis (Herzmuskelentzündung) oder Thrombosen, so Dr. Drossel, habe sich seit Sommer weiter bestätigt und liege im Fall von Myokarditis bei 0,014 Promille. Teilweise habe man im Impfzentrum Thesen zu hören bekommen wie die, Geimpfte könnten Nanopartikel streuen. Dies sei, wie auch die in Schulen verbreitete Sorge, Impfungen würden zu falsch positiven Tests führen, weder aufgetreten noch wahr.

Lob für ASB-Kräfte und gute Pressearbeit

Großes Lob sprach der Mediziner den Beteiligten für die gute Pressearbeit aus. Die gute Zusammenarbeit und den wissenschaftlichen Austausch mit der Uni-Klinik hob Dr. Knobloch hervor. Für Robert Ziegenfelder von der ASB-Notfallhilfe gibt es ohnehin „keine Stadtgrenze, weil der ASB-Regionalverband für Erlangen und den Landkreis zuständig ist. Er berichtete von großen Herausforderungen, gigantischen Zahlen, vorbildlichem Engagement unter anderem von Ehrenamtlichen und helfenden Studenten sowie einer vertrauensvollen und konstruktiven Zusammenarbeit. Am 27. Dezember 2020 habe man die ersten zehn Fläschchen mit 70 Impfdosen erhalten, bald aber die Beschaffung von beispielsweise 150.000 Spritzen alleine für das Impfzentrum bewältigen müssen. Anfangs fehlte es an Impfstoff, inzwischen fehlen die Impflinge.

Bis April wird das Impfzentrum bestehen bleiben

Wie es mit dem Impfzentrum weitergeht, legte Erlangens OB Florian Janik dar: Gemäß den Vorgaben der Staatsregierung vom 1. Oktober wird das Impfzentrum weiter betrieben bis zunächst 1. April 2022. Die Kapazität wird zurückgefahren, man muss aber innerhalb von vier Wochen zur Maximalkapazität zurückkehren können. Der Schwerpunkt ist auf mobile Impfteams zu legen.

Stundenweise Sonderaktionen vor Ort

Das Impfzentrum wird nun an drei Wochentagen (Di., Mi., Do.) von 9 bis 17 Uhr geöffnet sein, auch für Impfwillige ohne Termin, erklärt Anne Reimann, Leiterin der Koordinierungsgruppe im Kulturamt. Sonderaktionen mobiler Impfteams werden jedoch von Montag bis Samstag weitergeführt. Diese haben sich bewährt mit oft bis zu 70 Impfungen pro Termin, bisher habe man „keine Flops“ erlebt.

Auffrischungsimpfungen wird es zunächst nur in Einrichtungen sowie für medizinisches Personal geben, bis von der Ständigen Impfkommission andere Empfehlungen kommen. Bei den Sonderaktionen werden derzeit Erst- und Zweitimpfungen angeboten. Die Impfteams kommen unter anderem in Schulen sowie stundenweise mit mobilen Impfstationen etwa ins Bürgerzentrum Heroldsberg oder an den Dorfplatz in Kalchreuth. Die Termine werden im wochenblatt bekannt gegeben sowie auf wochenklick.de und www.erlangen.de/impfzentrum

Autor:

wochenblatt - Redaktion aus Eckental

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