8. DIGITALE VORLESESTUNDE FÜR KIGA-KINDER / ERZIEHERINNEN / ERZIEHER, ALLE KINDER, ELTERN, GROSSELTERN, ALLE INTERESSIERTE U.A. JUNGGEBLIEBENE
Die mutige HASELMAUS, schnell wie die Feuerwehr, und der ängstliche RIESE – die Geschichte einer wunderbaren FREUNDSCHAFT

Zwei Herzen-Zwei Freunde, frei gemalt von der fünfjährigen Nour in der Kindermalgruppe 2017/2018 mit und für Annegret Schildknecht
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  • Zwei Herzen-Zwei Freunde, frei gemalt von der fünfjährigen Nour in der Kindermalgruppe 2017/2018 mit und für Annegret Schildknecht
  • Foto: M.Schi.
  • hochgeladen von Annegret Schildknecht

Liebe Kinder und Erzieherinnen/Erzieher im Kindergarten, alle Kinder, Eltern, Großeltern, vielseitig Interessierte und andere Junggebliebene,
herzlich willkommen zu unserer 8. digitalen, dialogischen Vorlese- und Erzählstunde für ALLE. Leider kann ich immer noch nicht meine Vorlesekinder im evangelischen Kindergarten Eckenhaid persönlich treffen. Daher sind auch diesmal wieder andere liebe Menschen aus dem Umfeld der Kinder gefragt, ihnen meine Montagsgeschichte vorzulesen und die Bilder zu zeigen.
Wenn ich, so wie außerhalb der Corona-Pandemie einmal die Woche üblich, am kommenden Montag, dem 20. Juli 2020, zu den Kindern in meine Vorlesestunde im evangelischen Kindergarten Eckenhaid kommen könnte, dann würde ich zu Beginn die beiden Kuschelhunde mit Namen „Keks“ und „Herr Schröder“ verteilen und die Kinder bekämen, passend zur heutigen Geschichte, eine kleine Maus und ein Riesenkuscheltier in die Hand. Dann würden wir die erste Strophe unseres Begrüßungslieds rappen:
„Hallo, heute ist Montag, unsere Frau Vorlesefrau ist da, sie liest eine Geschichte, heute wieder digital, digital, digital. Wir wollen zuhören, zuhören ist schön, schön, schön!“
Und jetzt geht’s los bei uns! Wir beginnen mit unserer Vorlese-, Erzähl- und Fragestunde mit Kopfkino.
Grundlage ist diesmal ein zweiteiliges Bilderbuch über das in jedem Alter wichtige Thema „Wie finde ich einen Freund“. Dazu fallen mir ein paar Aussagen von meinen Vorlesekindern ein wie die folgenden, die ich mir in meinem grünen Kiga-Notizbuch notiert habe: „Im Kindergarten findet man Freunde und man lernt auch ganz viel, auch wie man sich wieder verträgt, wenn man sich mal gefetzt hat.“ – "Im Kindergarten spielen die Erzieherinnen mit uns oder sie lesen uns was vor und die andere Zeit kleben sie Pflaster und trösten die Kinder.“ - „Meine Freunde aus dem Kindergarten lade ich immer zu meinem Geburtstag ein. Ich kann denen auch alles sagen. Wir spielen und lachen zusammen. Wenn ich mal traurig bin, dann hilft mir mein Freund, er tröstet mich und er nimmt mich auch in den Arm.“
Nun, liebe Kinder, hört alle zu, stellt gerne Fragen und schaltet euer Kopfkino ein mit eurer Phantasie und euren eigenen Bildern, denn die vielen wunderschönen Bilder im Buch kann ich euch jetzt leider nicht zeigen.
Ihr könnt euch aber einige Bilder, die mein Mann für euch fotografiert hat, anschauen.

Und nun erzähle ich euch den ersten Teil der Geschichte über die Freundschaft zwischen der mutigen Haselmaus Rosinchen, die so schnell rennt wie die Feuerwehr, wenn es brennt, und dem Angsthasen, dem Riesen Bartolo. Das zweiteilige Buch hat den Titel „Mausemärchen - Riesengeschichte":
In den großen Wäldern lebte vor langer Zeit – ich weiß nicht genau, wann – eine kleine braune Haselmaus. Das war vielleicht die mutigste Haselmaus, die man je gesehen hat.
Sie fürchtete sich vor gar nichts: nicht vor Hunden und Katzen und auch nicht vor dem Uhu,
und sie fürchtete sich auch nicht vor dem Fuchs und dem Marder. Auch das ärgste Gewitter konnte ihr keine Angst machen, da konnte es noch so sehr blitzen und donnern: die Haselmaus hatte nichts als ihren Spaß daran.
Fragen an die Kinder: Wie findet ihr das, wenn es blitzt und donnert? ... Hat jemand von euch Angst vor einem Gewitter? Was macht ihr dann? Wollt ihr es mal erzählen? …

Die Haselmaus hatte überhaupt keine Angst, vor nichts und niemandem, dabei war sie nicht etwa bärenstark. Nein, sie war sogar ziemlich klein – um nicht zu sagen sie war winzig – und ihre Muskeln waren nicht dicker als ein Faden. Aber sie war sehr schnell! So schnell wie die Feuerwehr, wenn es brennt.
Fragen an die Kinder: Habt ihr schon mal ein Feuerwehrauto im Einsatz gesehen? ..... Wer weiß, wo in Eckental ein Feuerwehrhaus ist? ... Kennt jemand von euch einen Feuerwehrmann oder eine Feuerwehrfrau, die in ihrer Freizeit bei der Freiwilligen Feuerwehr arbeiten und anderen helfen? ... Wißt ihr, dass das ein Ehrenamt ist, für das man keine Bezahlung bekommt, und dass alle noch einen hauptamtlichen Beruf haben, mit dem sie ihr Geld verdienen? ... Wißt ihr, dass es in Eckental auch Feuerwehr-Kindergruppen gibt, wo man spielerisch viel lernen und auch gleichgesinnte Freunde finden kann? ...

Die Haselmaus in unserer Geschichte war nicht nur sehr schnell – so schnell wie die Feuerwehr, wenn es brennt -, nein, sie war vor allem auch nicht dumm. Sie wusste genau, vor welchen Feinden sie sich verstecken musste und welche zu langsam waren, um sie zu fangen. Sie konnte so mucksmäuschenstill dasitzen, so dass nicht einmal das schärfste Raubvogelauge sie erspähte. Sie kannte alle Gefahren und alle Schlupflöcher im Wald. Warum sollte sie also Angst haben?
Was meint ihr Kinder: Kann es wirklich sein, dass die Haselmaus vor nichts, vor gar nichts Angst hat? ... Oder könnte es vielleicht sein, dass sie Angst davor hat, dass sie keinen Freund findet? ...

Auf jeden Fall hatten die anderen Haselmäuse großen Respekt vor ihr, aber sie mochten sie nicht so besonders gern. Oft steckten sie die Köpfe zusammen und tuschelten über sie: „Sicher ist sie unheimlich stark. Oder vielleicht hat sie ein Zaubermittel. Sonst hätte sie doch auch Angst so wie wir alle.“ Wenn dann die kleine Haselmaus Rosinchen dazukam, dann gingen die anderen auseinander und taten ganz harmlos und guckten in die Luft. 
„Worüber habt ihr geredet?“, fragte dann die kleine Haselmaus neugierig. Und die anderen sagten dann: „Oooch, über nichts Besonderes“. Natürlich merkte Rosinchen, dass da etwas nicht stimmte. Aber sie kam nicht darauf, was es sein könnte. Die anderen bewunderten zwar ihre Furchtlosigkeit, aber richtig nett waren sie nicht zu ihr. Rosinchen erklärte es sich so, dass sie eben anders war als die anderen und das das wohl der Grund war, weshalb niemand ihr Freund sein wollte.
Da wurde sie traurig und beschloss eines Tages: „Ich wandere aus. Ich gehe so lange, bis ich einen Freund finde. Ohne Freunde ist das Leben nur halb so schön!“ Dann packte sie ein paar Haselnüsse ein und dazu noch ein paar Waldbeeren, nahm ein Tuch und schnürte das Bündel, band es auf einen Wanderstock und legte ihn über die Schulter. Und noch bevor die anderen Haselmäuse aufgewacht waren (Haselmäuse schlafen meistens den ganzen Tag und werden erst am Abend munter), ging sie auf und davon. Immer der Nase nach, quer durch die Wälder.
Sie wanderte und wanderte und wanderte. Viel sah sie an diesem Tag auf ihrer Wanderung durch die Wälder: Pilze und Beeren, Spitzmäuse und Buntspechte und einen dicken fetten Dachs …. Und eine große schwarze Schlange. Aber einen Freund fand sie nicht. Jeder, den sie traf, sagte nur höflich: „Ach ja, du bist die starke und mutige Haselmaus. Von dir habe ich schon viel gehört.“ Und die anderen dachten dabei: „Mit jemandem, der vor nichts Angst hat, will ich lieber nichts zu tun haben. Das ist doch ein bisschen unheimlich. Wer weiß …?“

Am Abend kam die kleine Maus schließlich müde und erschöpft auf eine Waldlichtung, auf die eben noch die letzten Sonnenstrahlen fielen. Und da fand sie mitten auf der Wiese ein so warmes, kuscheliges Plätzchen, dass sie sich ganz glücklich und zufrieden zusammenrollte und dachte: „Hier ist es schön, hier bleibe ich ein Weilchen. Morgen ist ja auch noch ein Tag. Dann suche ich weiter nach einem Freund.“ Dann seufzte sie zufrieden und in Vorfreude auf den morgigen Tag. Und seltsam, es kam ihr auf einmal vor, als ob ein großer, sehr großer Finger sie ganz sanft streichelte.
Was war das nur? …..

Liebe Kinder, nun folgt der zweite Teil des Märchens über die Freundschaft zwischen der Haselmaus Rosinchen und dem Riesen Bartolo mit dem Titel „Riesengeschichte“:
Manchmal, wenn du in den Wald gehst, siehst du vielleicht riesengroße Fußspuren: Riesen-Fuß-Spuren. Dann weißt du: Hier ist Bartolo gegangen. Bartolo ist ein Riese. Er ist sehr groß und sehr stark, er hat Riesenfüße und Riesenhände. Er hat eine Riesennase und Riesenohren und einen Riesenschnurrbart, wie ein Besen sieht der Schnurrbart aus. Aber sein Herz ist wie ein Hasenherz, ein richtiger Angsthase ist er.
Bartolo fürchtet sich nicht nur vor Spinnen und Wespen, wie du und ich.
Nein, er fürchtet sich auch vor Löwen und Tigern und Drachen und Dinosauriern. Dabei hat in unserem Wald und auf dem Land seit ewigen Zeiten niemand auch nur die Schwanzspitze von einem Löwen oder Tiger oder Drachen oder Dinosaurier gesehen.
Fragen an die Kinder: Habt ihr auch Angst vor Spinnen und Wespen? Warum? … Und stellt euch jetzt mal vor, es gäbe heute hier bei uns noch Löwen, Tiger, Drachen oder Dinosaurier. ... Was wäre, wenn …? Wie sähe unser Leben dann aus? ...

In unserer Geschichte fürchtet sich der Riese auch vor den Eulen mit ihren großen runden Augen, die in der Nacht leuchten, vor den Füchsen mit ihren scharfen Zähnen, vor den Katzen mit ihren spitzen Krallen. Es gibt wirklich nichts, wovor er sich nicht fürchtet. Ein richtiger Angsthase ist der Riese.

Aber das Schlimmste für Bartolo war, dass er so allein war. Aber wer vor allem und jedem davonläuft, der kann keine Freunde finden, das ist doch klar!
Oder, Kinder, was meint ihr?
Und der Riese wünschte sich doch nichts sehnlicher als einen Freund!
Er war schon ganz traurig vor lauter Einsamkeit und wenn er zwei Vögel sah, die miteinander zwitscherten und schnäbelten, oder zwei Hasen, die sich freundlich beschnupperten, dann liefen ihm dicke Tränen über die Backen. Dann sehnte er sich ganz besonders nach einem Freund und nach Liebe und Zweisamkeit. 
Dabei merkte Bartolo gar nicht, dass die Tiere im Wald noch viel mehr Angst vor ihm hatten, als er vor ihnen. Alle Lebewesen ringsumher lebten in Furcht vor dem Riesen, weil er so groß und so stark war. Wenn er ging, dann bebte der Boden unter seinen Füßen und die Bäume rauschten, wenn er an ihnen vorbeiging und ihre Zweige auch nur ein wenig streifte.
Nahm er einmal seinen ganzen Mut zusammen und wollte ein junges Füchslein streicheln – husch, verschwand es in seinem Fuchsbau. Wollte er ein nettes Wort zu einer Amselmutter sagen, die in ihrem Nest auf ihren Eiern brütete, dann starrte sie ihn aus großen, furchterfüllten Augen an.
„Oh weh“, dachte dann Bartolo, „der Vogel schaut mich so böse an als wollte er mir gleich die Augen aushacken.“
Voller Angst hielt er sich die Hände vor das Gesicht und lief davon.
Er lief, bis er nicht mehr konnte. Endlich blieb er ganz erschöpft auf einer Waldwiese stehen. Was für ein Glück, er war noch einmal mit einem heilen Auge davongekommen. Er legte sich ins Gras und dachte „Ach, wenn ich doch nur einen Freund hätte. Er müsste gar nicht groß sein, sondern gerade so, dass man ihn in die Hand nehmen und streicheln und auch ein bisschen mit ihm reden kann. Dann machte er die Augen zu und stellte sich vor, wie schön das wäre. Dabei hatte er auf einmal das Gefühl, etwas Warmes, Weiches kuschelte sich in seine ausgestreckte Hand.
Was war das nur? …..

Die Haselmaus und der Riese, äusserlich ein ziemlich ungleiches Paar,  aber im Inneren seelenverwandt, waren überglücklich, dass sie sich endlich gefunden hatten. 
Seitdem waren die kleine Haselmaus und der große Riese Freunde und gehörten zusammen 
wie Brot und Butter,
wie Zimt und Zucker,
wie Pfannkuchen und Apfelmus.

Abschließende Frage an die Kinder: Wer von euch möchte noch etwas fragen oder erzählen von seinen Gedanken zur Freundschaft und von seinen Erlebnissen, die er bei der Suche nach einem Freund gehabt hat, oder von seinen Erfahrungen mit einem Freund?  

Liebe Kinder/Erzieherinnen/Erzieher, Eltern, Großeltern, alle anderen vielseitig Interessierte und Junggebliebene,
nun wünsche ich allen Lesern, Vorlesern und Zuhörern viel Freude miteinander beim Bilderbücher anschauen, Geschichten vorlesen und erzählen und beim gemeinsamen Singen, heute, morgen und an jedem anderen Tag!
Ich freue mich auf unser nächstes Wiedersehen und Wiederhören!
Bleibt alle gesund und fröhlich und habt viel Freude miteinander, auch mit denen, die nicht oder noch nicht eure Freunde sind!

Und vergesst nicht: Ein Freund ist jemand, der dich gern hat und den du gern hast, dem du alles erzählen kannst, auch wenn es dir mal nicht so gut geht. Ein Freund ist jemand, der mit dir lacht und mit dir weint und dich tröstet, der dir hilft und dir seine Hand gibt und dich in den Arm nimmt.
Ein guter Freund, das ist das Beste, was es gibt auf der Welt.
Miteinander - Füreinander! Gemeinsam sind wir stark!

Mit herzlichen Grüßen und besten Wünschen
Ihre/Eure Annegret Schildknecht/intern genannt Frau Vorlesefrau

Hinweis: Der obige Beitrag kann auch auf der Homepage der Friedenskirche Eckenhaid, Kindergarten Aktuell, Digitale Vorlesestunde, eingesehen werden.

Alle Beiträge zu meinen digitalen Vorlesestunden für Jung und Alt finden Sie hier
(bitte anklicken) sowie unter: https://www.wochenklick.de/tag/vorlesen

Autor:

Annegret Schildknecht aus Eckental

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